PONY. 18.02.2013, 14:48 Uhr 25 100

Liebe leise

...aber ich will nichts sagen. Nicht jetzt, nicht hier, wo ich gerade glücklich bin.

„Ich weiß gar nicht wer du bist.“ sagst du mit tiefer Stimme, die ernster klingt, als gewohnt. Ich habe keine Ahnung was du mir damit sagen willst und es ist mir auch egal. Wir sitzen am Meer und starren auf den Horizont dort wo sich das Wasser und der Himmel gegenseitig verschlingen und alle Träume wahr werden. „Ich fühl mich alleine.“ Ich bin nicht in der Laune für tiefsinnige Gespräche, nicht heute wo die Sonne scheint, mein Körper von Wärme eingehüllt auf dem weichen Sand liegt und die Wellen sich vor meinen Füßen verneigen.

„Ich habe manchmal das Gefühl, dass ich loslaufen muss. Einfach weg.“, kleine Schweißperlen laufen von deiner schönen mit Sommersprossen überzogenen Haut hinunter und noch nie ist mir deine Schönheit so aufgefallen wie jetzt. Ich sage nichts, weil ich weiß, dass ich nichts sagen muss. Am Meer muss man nicht reden es reicht zu denken und zu sehen. Gerüche und Geräusche wahrnehmen, Stille genießen, nur deine Stimme zerstört diese Perfektion.  „Ich weiß gar nicht wohin ich laufen will, aber am Schlimmsten ist, nicht zu wissen warum ich laufen möchte.“

Am Himmel ist keine einzige Wolke zu sehen und ich starre ins blaue Nichts, aber ich fühle mich nicht verloren. „Vielleicht möchte ich vor dir davon laufen. Ich weiß es nicht.“ Ganz im Gegenteil, ich fühle mich geborgen, meine Füße habe ich im Sand vergraben, der meine Zehen kitzelt. Mir ist bewusst, dass jetzt der Moment gekommen ist, um meine Stille zu durchbrechen, etwas zu sagen, aber ich will nichts sagen. Nicht jetzt, nicht hier, wo ich gerade glücklich bin. Ich liebe dich und das weißt du, wozu also die Kraft für viele Worte aufbringen und für Bestätigungen verschwenden. Ich liebe leise, schon immer.

„Ich kann mich nicht ändern. Ich bleibe immer so und das weißt du.“, sage ich und du nickst mit deinem schönen Kopf, der von der Sonne ganz rot ist. Und dann stehen wir auf und hinterlassen verschmierte Abdrücke unserer Füße auf dem Sand. Du fängst an zu laufen, erst ganz langsam, dann immer schneller und ich versuche noch einige Meter mit dir mitzuhalten. Mein Herz schlägt gegen meine Brust und ich weiß nicht wohin du läufst, aber ich weiß warum. 

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25 Antworten

Kommentare

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    Spricht mir aus der Seele...

    15.03.2013, 09:39 von SkippyBlue
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    traurig, aber ich weiß genau, was du meinst..schön in worte gefasst!

    06.03.2013, 16:56 von Inschki
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    Wundertolle Wörter (:

    26.02.2013, 22:01 von VonGruenwald
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    Schönes Ende :)

    25.02.2013, 20:05 von schnutopard
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    Ich find den richtig gut.

    23.02.2013, 20:49 von RAZim
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    wie du das hinkriegst so viele gedanken in so genau wenige worte zu fassen. und so passend.

    21.02.2013, 21:56 von entfesselt
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  • 1

    ein gehauchtes woooow!
    so entzückend,  zauberhaft geschrieben!!

    21.02.2013, 15:58 von Hobson
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  • 1

    Wundervoller Text :)

    21.02.2013, 15:42 von LookingforAlaska
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  • 1

    Großartiger Text!

    20.02.2013, 21:33 von hugsforglory
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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