Leere Räume
Ich freue mich über die sanften Töne, zumindest gebe ich es vor, du lachst auch, es tut mir weh.Du bist hübsch und du riechst gut. Das widert mich an.
Das, was in der Materie als NICHTS bezeichnet wird, liegt hinter mir. Leerer Raum. Ich vergesse, denn leere Räume sind nicht existent.
Wir sitzen auf der Wiese am Waldrand, du spielst Gitarre.
Ich lache und freue mich über die sanften Töne, zumindest gebe ich es vor, du lachst auch, es tut mir weh.
Du bist hübsch und du riechst gut. Das widert mich an.
Du trägst zwei stahlblaue, dünne Ringe im linken Ohr. Das ist mir besonders aufgefallen, als ich zufälligerweise an der Supermarktskasse hinter dir stand. Natürlich, ich wusste es schon vorher, schwammig hatte ich es wahrgenommen aus meinem analytischen Grundbewusstsein heraus, jedoch nie als bedeutend empfunden, aber an der Supermarktkasse habe ich dich an den stahlblauen, dünnen Ringen erkannt. Gottseidank, ich konnte rechtzeitig fliehen.
Ich fliehe nie.
Niemals.
Nur vor dir, deinen stahlblauen, dünnen Ringen im linken Ohr und dem sich um dich herum zu fester Materie verdichtenden
NICHTS
das mich von innen, ganz langsam, zerstört.
Leere Räume sind nicht existent. Feste Materie schon.
Über unserer Wiese am Waldrand türmen sich die Wolken zu grauweißschwarzen, ja sogar gelben Bergen auf. Das hindurchschimmerende Blau leuchtet sie an wie es nur schimmerndes Frühlingshimmelblau kann.
Auch du wirst angeleuchtet, sei es vom Blau oder von mir, du wirst denken ich bin es, doch ich kann nicht leuchten, nicht in deiner Gegenwart.
Du lachst wieder, du bist glücklich und erfreust dich an meinem Dasein, dem Himmel und dem Licht und den Gitarrenklängen und der Vorstellung, mit mir einen Sommer zu verbringen.
Du erzählst von einem Spontantrip nach Amsterdam. Nacht und Gras und Städteleuchten und Menschen und Dahinrasen auf der Autobahn durch kühlen Frühlingswind, offene Fenster.
Ich mag Spontantrips.
Doch das alles schmeckt sehr schal, wenn ich dabei an dich denke.
Das
NICHTS,
es müsste nun hinter mir liegen. Befände ich mich im Fernsehen, fragte mich jemand nach meinem Wohlbefinden, ich würde ein nichtssagendes Heidi-Klum-Lächeln aufsetzen und sagen „Thanks, I'm fine.“
Doch deine stahlblauen dünnen Ringe im linken Ohr und dein Gitarrenspiel und ich als leerer Raum in deiner Gegenwart machten mein Heidi-Klum-Lächeln zu einer Maske.
Weil du verliebt bist und ich nicht.




Kommentare
Wow, gefällt mir sehr gut!
08.07.2010, 12:44 von Domsen