scarlet. 30.11.-0001, 00:00 Uhr 1 3

Leer sein.

Mauern einreißen

Verabschiedung. Eine letzte, innige Umarmung. Kein richtiger Abschied. 

Ich drehe mich um und laufe die grauen, hässlichen Bahnhofstreppen hoch. Zu viele Menschen um mich herum, stecke mir die Kopfhörer in die Ohren. Musik an, Umwelt aus. Ziehe meine Sonnenbrille auf und setze mich auf einen Pfosten in die Sonne, während ich auf den Zug warte. 

Zum ersten Mal seit Monaten fühle ich mich leer. Ich fühle nichts mehr. Bin mir noch nicht sicher, ob das positiv, oder negativ ist. Wohl irgendwas dazwischen. 

Ich hab die Nacht bei meinem Ex verbracht, das kam unerwartet und war irgendwie gut. Eine Mischung zwischen unfassbar vertraut und unfassbar anders. Nach zwei Jahren haben wir uns wohl verändert, wissen aber noch genau, was uns gut tut. 
Eine Nacht zuvor habe ich mit jemandem rumgemacht. Kein Sex. Wie auch, mit den ganzen Mauern um mich herum. Das tat gut. Es war gut, mal nicht auf meine Brüste reduziert zu werden. Und es war so viel besser, als mit dir. 

Die letzten Monate lebte ich in einer Blase, die du umrandet hast, ohne es zu wissen. Du hast mein Herz gebrochen, 1 1/2 Jahre in der Hand gehalten, auf den Boden geworfen, drauf getreten und genutzt, wenn du ein Herz brauchtest. Jetzt sind da Mauern. Hohe Mauern. Doch da ist nicht mehr viel von dir drin. 

Da ist viel Hass und Enttäuschung und Leere, was dich anbelangt. Ich dachte du würdest nie verschwinden, aber jetzt sitze ich hier und spüre nichts. 

Leere. Mauern einreißen. 


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Kommentare

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    sehr schöner text.

    10.04.2016, 20:16 von americancookie
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