Leben friß!
Und warum war ich darauf nicht vorbereitet?
- Frühstart -
Fast ein Jahr ist es her. In München machte ich mich mit meinem Kumpel Marius auf die Nachtpirsch. Richtig cool fanden wir uns. Sexy, saufsicher und scharf bis zu den Nackenhaaren. Wir strotzen vor geschminktem Selbstbewusstsein. Irgendwann um drei Uhr morgens strandeten wir in einer WG voll Kreativer. Medienmenschen absolut. Und ganz hinten, an der großen fleischigen Boule stand Hanna. Marius nannte sie „seine Süße“. Alles klar dachte ich. Nix war klar. Sie hat es bestimmt nicht gesehen. Wie ich sie anstarrte. Einfach so.
- Ziellauf -
Das Wimmern ist im ganzen Flur zu hören. Es ist zum Ausrasten. Nicht nur, dass sie plötzlich vor meiner Tür steht. Sie will auch noch rein. Als hätte ich die vergangenen Monate nur auf sie gewartet. „Was bildet sich die Schlampe eigentlich ein?“ frage ich mich. Doch im selben Moment sehe ich ihre braunen Augen durch den Spion. Ich war ein Idiot, als ich auf diese zwei Rehaugen reingefallen bin. Ich öffne die Tür und hänge „Nicht stören“ an den Knauf.
- Ende -
Sie gibt nicht auf. Ich sitze auf meinem glucksenden Wasserbett, Zimmer 96, drei leere Chipstüten und ein letzter Tropfen Rum stützen mich. Schon einmal die Frau deines Lebens bitterlich weinen hören? Mir ist schlecht. Vom Singl-Vollprofi innerhalb einer Minute zum Schlosshund. Reden will sie. Erklären mit wem, wieso und warum nicht mit mir. Ich will es nicht wissen. Es ist aus und ich kann einfach nicht mehr. Schuld ist ein Wort der Verachtung. Und sie hat es verdient. Die Beziehung ist mehr als kaputt. Sie hat mir etwas genommen und es einfach dem Leben zum Fraß hingeworfen. So ist das. Ganz simpel, und ich finde es nicht wieder. Die Liebe ist eine große Blende. Scheidungen, verlorene Kinderseelen, Betrug, ewige Suche nach der einzig Wahren, hemmungslose One-Night-Stands, eine nach der anderen. Meine Droge ist nicht mehr die Liebe. Ich küsse den Alkohol. Süß, scharf, bitter, trunken, verwirrend. Schöner Selbstbetrug.





Kommentare
Falsch!
19.03.2004, 17:49 von KellyDie Liebe ist desöfteren eine große Blende, aber nicht immer.
Aber du solltest mal überlegen, wie viel ein Mensch tut, nur um einen kleinen Augenblich glücklich zu sein.
@Kelly Nein, nicht immer. Aber es gibt dunkle Momente, in denen kommt es einfach über dich. Genau wie das Glück: denn viele Menschen machen und machen, ohne wirklich zu sehen, das Leben anzunehmen und glücklich zu sein.
24.03.2004, 18:08 von Jud@Jud Jud, laß den Alkohol, nimm Dich selbst an, übernehme die Verantwortung für Dein Glück und such Dir Freunde mit mehr Niveau und Werten! Gruß, Azzurro
26.03.2004, 14:11 von azzurro