otilia 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 1

Lass uns Luftschlösser bauen, um sie dann mit einem Wimpernschlag einstürzen zu lassen

Meine Version von dir war netter.

Und plötzlich ertönte dieses Lied. Das Lied, das sie so mochte, weil es sie an die Zeit mit ihm erinnerte. Das Lied, das sie an das andere Lied erinnerte, dass er so mochte, weshalb sie ihn nur noch mehr mochte. Das Lied, welches ihr früher immer Hoffnung spendete und ihr Herz nun in tausend Stücke zerriss. 

Pause.

Dieses Lied war noch viel unerträglicher als die Stille. 

Play. 

Doch es war wie eine Droge, von der sie niemals loskam. Sie versuchte sich mit diesem Lied ein Stück von ihm zu bewahren, so, wie er damals war oder so, wie sie ihn gerne gehabt hätte. Existierte er denn wirklich? War er nicht nur eine Projizion all ihrer Wünsche und ihrer Ideale? Eine Wunschvorstellung. Eine Personifizierung alles Guten und Bösen. 

Ja. Und nein. Er existierte, dessen war sie sich sicher. Sie war ja nicht verrückt. Immerhin war ihre innere Leinwand zugeklebt mit Abbildern seiner selbst. Oder ihrer selbst? Eigentlich kannte sie nur seine hübsche Fassade. Das angeblich schöne Innere war eine freie Ergänzung ihrerseits. Und, als sie schon in Gedanken ihre eigenen vier-Wände auf Wolke 7 baute, zerstörte er alles mit Nichts. 

Nichts. 

Nichts war da, wo sie sich die tiefgängisten Gefühle fantasiert hatte. Vielleicht war sie ja doch verrückt.

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