violett84 30.12.2011, 15:40 Uhr 0 1

Lähmende Leere

Eine den ganzen Organismus durchdringende Leere, die Sinne lähmende Leere; Augen, die keine Farbe mehr sehen, ein Mund, der nicht mal mehr Salz

Eine den ganzen Organismus durchdringende Leere, die Sinne lähmende Leere; Augen, die keine Farbe mehr sehen, ein Mund, der nicht mal mehr Salz schmecken kann, eine Nase, die verzweifelt versucht Lavendel riechen zu können...diesen Geruch mochte sie immer sehr, aber nun ist es ruhig und leer um sie herum.
Musik hört klingt so wie damals als das Kasettenband riss, man hoffte es würde noch weiter halten, aber es brach Stück für Stück ab und gab schließlich auf. Musik, das was immer mit das Wichtigste für sie war.
Ihre Haut ruft auch nicht mehr, es sei denn sie juckt oder ihr läuft Gänsehaut über den Rücken, weil sie so sehr erschrickt wenn sie sich bewusst macht wo sie sich befindet.
Sie hatte sich soviel erhofft, soviel gewünscht, an soviel geglaubt in diesem, ihrem Leben und auf dieser Welt, die eigentlich nur zu Resignation einlädt.
Nein, sie war immer idealistisch, romantisch und naiv. Sie glaubte an die Liebe und an soziales Miteinander, sie glaubte an Ehrlichkeit und Mitgefühl, sie glaubte an gute Herzen und viel Verstand in ihren Mitmenschen, doch da lag genau der Fehler- irgendwann erwachte sie bitterböse aus ihrer Utopie in einer kalten, sinnesgelähmten Realität, die so garnichts von ihrer Wunschvorstellung hatte.
Sie dachte Liebe ist alles was zählt, alles was belebt und Sinn macht doch ihre Liebe hatte keinen Sinn als ihr eigenes Bestehen. Ja, es gibt Leute die sagen genau das sei Liebe, wenn zwei sich lieben nur ihretwillen, keine andere Gründe wie Geld, Sex oder Sicherheit.
Das meint sie auch, aber sie meint mit Sinn eigentlich was anderes, nämlich den Wunsch sich selbst erfüllt zu erleben, sich selbst zu spüren auch wenn der Andere grad Tennis spielt oder den Garten macht.
Oder Sinn indem beide sich gemeinsam entwickeln, Neues probieren und Pläne machen.
Beides wollte sie so sehr bei ihm finden, aber keines hat sie ansatzweise. Stattdessen lebt sie in einer Beziehung, die sie aufsaugt, klein macht und ihre Sinne lähmt-alles ist leer und haltlos.
Und dabei dachte sie immer eigentlich ein ganz nettes Mädchen mit Herz und Verstand zu sein, doch beides setzte bei ihm wohl aus.
Er, der gut für sich selbst sorgen kann, der sich aufrecht halten kann, der klare Linien hat und diese auch behalten möchte und viel zu alt für sie war.
Eigentlich hätte ihr von Anfang an klar sein müssen, dass sie sich bei ihm in einer Sackgasse befindet. Irgendwo in ihr war diese Angst von Anfang an, doch immer wieder lies sie sich von Küssen auf die Stirn, Bissen in die Schulter, schöner Romantik und vielen Liebesschwüren bewegen und in die Sackgasse verleiten.
In dieser befindet sie sich nun zum zweiten Mal am Jahresende und fragt sich warum? Warum verschwendet sie ihre wertvolle Zeit, ihren Grips und ihre Leichtigkeit für einen alten Mann, der im Grunde nichts mehr vom Leben will außer leben? Sie will doch mehr viel mehr als dasitzen und fernschauen, mehr als Kochen und zusammen essen, mehr als guten Sex mit schnellen Einschlafen danach, mehr als über die neuesten Nachrichten sprechen, mehr als Geld und Sicherheit- sie will Sinn, sie will lernen, sie will die Welt begreifen und erleben, sie will die Welt sehen, sie will sich selbst erleben und endlich begreifen.
Wenn sie schreit dann nur damit ihre Sinne wieder leben und atmen, damit sie wieder hören kann.
Wenn sie weint dann nur damit sie das Salz ihrer Tränen wieder schmecken kann.
Wenn sie sich betrinkt dann nur damit sie wieder von dem wunderbaren Geruch des Rotweins belebt werden kann.
Wenn sie sich sehnt dann nur damit sie Gänsehaut bekommt und sich wieder spüren kann.
Aber vielmehr will sie wieder mal lachen von ganzem Herzen, mit Tränen und so sehr das man nicht mehr aufhören kann, sie will wieder mal tanzen bis sie schwitzt, mitsingen und tanzen, Arm in Arm tanzen. Sie will neue Leute kennenlernen, neue Kulturen entdecken, neue Sprachen lernen- sie will raus aus diesem langweiligen Dasein, dieser bitteren Realität- raus in die Welt und näher zu sich selbst.

Und doch hat sie große Angst davor...

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