Kuchen im Dekoltée
Sie ist verlegen, ich stehe auf und stelle mich vor sie. Ich frage sie, ob sie mich mal von ihrem Kuchen probieren lässt. Sie...
Sie.
Zwei Flaschen Wein. Viel zu viel. Na ja, ich hab sie ja mit ihm geteilt. Plötzlich zieht er da einen Joint aus der Tasche und ich fühle mich wieder wie 16. Ich musste lachen, und frage ihn, ob er den rauchen will. Er antwortet, dass er den eigentlich grade in die Waschmaschine legen wollte. Dieser Kerl ist lustig. Und er sieht wirklich gut aus. Wenn das heute nacht noch mehr wird, dann kann ich wirklich behaupten, dass ich zwar ein bisschen betrunken, aber den Blick für gutaussehende Männer nicht verloren habe. Er fragt, ob wir hier drinnen rauchen, oder lieber auf den Balkon gehen. Auf einmal muss ich lachen. Auf der Party von E. hat er mich einfach angesprochen, wir sind ins Gespräch gekommen, und jetzt sitzt er hier auf meinem beigefarbenen IKEA-Sofa. Er ist wirklich schön. Ich hoffe, er kifft nur manchmal, aber wie ein Kiffer sieht er nicht aus. Ich antworte ihm nach diesen ganzen Gedanken, wie während eines langen schweigenden Blickes stattfanden, dass wir hier drinnen rauchen, ist schließlich kalt draußen. Ich sehe ihm an seinem Lächeln an, dass er mich dafür jetzt gerne geküsst hätte, er wartet aber noch, um nicht gleich alle Karten auszuspielen. Er zündet den Joint an und sieht unsagbar dämlich aus dabei. Aber immer noch schön. Er reicht ihn mir gleich rüber und es ist mir peinlich, dass ich total husten muss, überspiele das aber mit einem Lachen. Nach einer Flasche Wein und ein bisschen Sekt davor fällt einem das Lachen leicht. Als der Joint alle ist, steckt er ihn in meinen Blumentopf. Ich habe eine große Zimmerpflanze. Ich versuche böse zu gucken, er guckt gespielt auffällig in die Luft. Ich sage zu ihm daraufhin, dass er ihn rausholen solle. Er guckt in seinen Schritt, dann mit großen Augen mich an. Ich kriege einen Lachanfall und will ihm erklären, dass ich den Joint meinte. Als ich wieder Luft kriege, küsst er mich auch schon. Seine Lippen schmecken genauso, wie sie aussehen. Und nach Wein ein bisschen. Leider auch nach Rauch, aber das merkt man kaum. Er macht die Augen beim Küssen nicht zu. Dieser Sorte Mensch sollte man nicht trauen. Ich merke, dass ich das laut gesagt habe und er fragt, welche Sorte ich meine. Und ich sage lieber nichts und muss wieder lachen. Er fragt, warum ich ständig lache. Darüber muss ich natürlich noch mehr lachen. Irgendwann sind wir dann vom Wohnzimmer in mein Bett gegangen. Genaugenommen waren wir davor noch auf meinem Flokati. Okay, zwischen Flokati und Bett waren wir auch noch im Flur auf dem Boden. Das mit dem Boden hätten wir lieber lassen sollen, meine Schulterblätter tun immer noch weh. Körper vs. Parkett sozusagen. Das Parkett hat gewonnen. Das Parkett soll nur warten, bis ich ausziehe, dann wird es nämlich abgezogen, das tut bestimmt auch weh. Meine Haare sind voller weißer Fussel. Ich dachte, meine weiße Katze sei seit Jahren tot. Mir fällt der Flokati ein, und ich muss grinsen. Wie ich auf dem Sofa auf ihm lag, und dauernd stießen wir mit irgendeinem Körperteil aneinander. Ellbogen, Knie, Hände, Gesicht, nur die Lippen waren beabsichtigt. Irgendwann fielen wir dann auf den Flokati.
Alles in allem war es ein schöner Abend, und er sieht auch jetzt noch sehr gut aus, wie er im morgenlicht hier neben mir liegt. Warum habe ich eigentlich von Tiramisu geträumt?
Er.
Sie sieht so niedlich aus, wie sie an ihrem Sekt nippt und immer wieder kleine Krümel des Kuchens in ihr Dekoltée fallen, sie sich hektisch umschaut und sie dann im BH schnell sucht. Jetzt hat sie grade bemerkt, dass ich sie beobachte. Sie ist verlegen und ich stehe auf und stelle mich vor sie. Ich frage sie, ob sie mich mal von ihrem Kuchen probieren lässt. Sie guckt in ihr Dekoltée, dann schaut sie mich mit großen Augen an. Ich muss lachen und sage, dass ich den auf ihrem Teller meine. War ja klar, dass ich mich gleich beim ersten Satz eine Arschbombe in das Fettnäpfchen machen muss. Sie drückt mir den Teller in die Hand, sagt ich sollte warten und verschwindet kurz. Als sie wiederkommt ist der Kuchen aufgegessen. Sie guckt böse fragt, wo denn der Kuchen sei. Ich zucke mit den Schultern und frage, ob sie noch welchen hat. Sie sagt, bei sich zu Hause habe sie noch Tiramisu. Ich ärgere mich, dass sie das ganze in der Hand hat, und ich nicht schneller gewesen bin bzw. sie zu schnell war. Aber irgendwie reizt mich ihre Direktheit auch. Ich sage also, dass ich ihr Tiramisu gerne mal probieren würde. Sie lässt mich zappeln und sagt, dass sie mit E. gerne noch quatschen würde. Ich nehme die Sache in die Hand und sage, dass Tiramisu schnell schlecht wird. Sie schüttelt mit dem Kopf und sagt, dass ihr Tiramisu noch eine halbe stunde durchhält. Ich komme mir wie ein kleiner Junge vor, der wütend mit dem Fuß aufstampft und „ich will aber jetzt“ schreit. Ich sage nichts, lächle sie an und sage, dass ich mal auf den Balkon gehe zum Rauchen. Sie nickt und geht in die Küche. Nach einer endlosen halben Stunde kommt sie endlich ins Wohnzimmer und gibt mir mit einem Blick zu verstehen, dass sie jetzt geht. Ich komme mir jetzt erst recht total blöd vor, wie ein kleiner Hund, der abgeholt wird. Ich lasse sie also aus Protest noch extra ein bisschen warten, bis auch ich meine Jacke unter dem Haufen hervorzerre und durch die Wohnungstür gehe. Sie sitzt auf der Treppe und sagt, wenn wir uns nicht beeilen, friert das Tiramisu ein, und wir können es dann gar nicht mehr essen. Dann los, sage ich. So lächerlich habe ich noch niemanden abgeschleppt. Ich muss mir eingestehen, dass ich noch nie so lächerlich abgeschleppt wurde. Ist ja noch peinlicher. Aber diese Frau reizt mich einfach. Ich wäre dumm, das Spiel nicht mitzuspielen. Eine Stunde und zwei Weinflaschen später wälzen wir uns auf ihrem furchtbaren Teppich hin und her. In der Endrunde liegen wir in ihrem Flur, das Parkett scheint es auf meine Knie abgesehen zu haben. Zum Glück liegen wir irgendwann in ihrem Bett und die Sache sieht schon viel bequemer aus. Ich schlafe sofort danach ein, obwohl ich weiß, dass alle Frauen das hassen, und ich nie verstehen werde warum. Im Halbschlaf frage ich mich, ob sie die ganze Zeit über mich gelacht hat, während wir den Joint geraucht haben, oder ob es am Alkohol lag. Oder doch am THC?
Wie auch immer, denke ich mir, obwohl ich mich auf lächerlichste Art und Weise abschleppen lassen habe, hatte ich schon lange nicht mehr so eine lustige Frau im Bett.
Nur, warum ging es in meinem Traum um Tiramisu?




Kommentare
gut geschrieben
18.06.2008, 22:18 von kekskrumenhöhö...ich mag den text auch.
11.02.2008, 19:52 von EschtaInteressant und witzig geschrieben!
06.01.2008, 20:34 von .novocaine