Millalana 30.11.-0001, 00:00 Uhr 8 4

Kon-tra-versation

SIE spricht mit MIR über uns, sich, mich und das, was man will.

"Kannst du mal bitte auf den Punkt kommen?", unterbreche ich sie rüde, nachdem sie sicher schon eine ganze Stunde auf mich einredet. Kaum zu glauben, dass ich mir das schon so lange gebe. Wenn es nur die Stunde hier und heute wäre, dann würde ich mich glücklich schätzen, das weiß ich jetzt. Aber nein, das geht ja schon lange so. Mit mir und ihr, mindestens zwei Jahre jetzt. Gerede und Diskussion - auf das Resultat warte ich noch heute.

"Was tust du da eigentlich?", das fragt sie mich immer wieder. Ich kann nur behaupten, dass ich für Gerechtigkeit sorge. Oder zumindest versuche ich das. Offen gestanden habe ich das jedenfalls immer versucht. Aber wie das eben so ist mit den Dingen, wird man ungeduldig und grob und gemein, sobald man sein Ziel nicht mehr zu erreichen glaubt. Eigentlich sollte sie es wissen, was ich da tue. Ich tue genau das, was sie von mir verlangt. Ich irre in der Art und Weise, das muss sie mir nicht sagen, dessen bin ich mir bewusst. Und dennoch, meine Ziele sind eitel - ich will Gerechtigkeit. Für mich, für sie und uns, von ihr!

"Warum tust du das?", die wohl schlimmste Frage. Ja, warum tue ich das eigentlich? Sicher, Ihretwegen! Nur sagen kann ich ihr das nicht. Manchmal bin ich ein Feigling, genau wie all die anderen. Dass sie mich zu furchtbaren Dingen treibt, dass sie an allem Schuld hat. Und ich das doch nur tue, weil ich ein bisschen mehr Fairness erwarte und verdiene. Moment, verdiene ich das eigentlich wirklich? Ja, ich denke schon, aber vielleicht ist das auch nur wieder ein dummer Irrtum meinerseits. Die scheine ich ja, sobald es auch nur im Entferntesten mit ihr in Verbindung steht des Öfteren zu haben.

"Was willst du eigentlich?", möchte ich oft von ihr wissen. Sagen kann sie es mir nicht. Dann eiert sie immer rum. Mit diesen schwammigen Sätzen jongliert sie dann hin und her und nochmal um mich rum. Vielleicht hat sie was gesagt, was Handfestes, aber ich habe mich wieder mal verlaufen in ihren endlosen Ausschweifungen. Eigentlich will sie doch nur ankommen und ein zu Hause finden. Ja, ja, das will sie. Aber nicht bei mir! Und nicht bei ihm! Soviel ist ja klar.

"Was willst du denn?", fragt sie mich dann. Naja, eben ankommen will ich und ein zu Hause finden. Irgendwo will ich landen, wo die Sonne scheint, selbst wenn es regnet. Und so jemanden finden, wie sie jemanden haben will. Und weiter kommen würde ich gern. Nicht wie Free Willy von einer Klärgrube in die nächste springen, als sei ich ein Klärwerkstaucher - die verdienen zumindest Geld damit. Ich möchte auch nicht mehr diskutieren und so vage Fragen stellen und beantworten müssen.

"Wonach suchen wir?", will sie wissen. Nach Gold, echtem reinem Gold. Nach Wissen und Glück, nach schönen Stunden, Austausch, Zweisamkeit, Schönheit und Harmonie. Wir suchen einen Sinn, wofür es keinen gibt. Und zweifeln dabei an, etwas zu haben. Eine furchtbare Frage ist das, schlimmer die Antwort. Haben wir es nicht, weil es die Antwort auf die Frage ist wonach wir suchen, oder haben wir nur nicht begriffen, dass wir nicht mehr suchen müssten, was schon unser ist? Sie verwirrt mich, schon wieder.
Wir wissen doch beide, was wir wollen, wie und mit wem sowieso. Das dumme Kind soll aufhören zu fragen. Es soll nicht immer alles in den Sumpf der Skepsis ziehen und Misstrauen brauchen wir hier auch nicht. Sie soll mich machen lassen, entweder kommt sie mit, oder nicht. Besser nicht, aber ohne werde ich auch nicht froh. Widerspricht sie mir? Nein, aber sie rätselt gern und denkt viel nach, stellt Dinge in Frage, die ich nicht anzweifeln will. Sie ist anstrengend. Sie macht mir Angst.

Immer wenn wir - die Liebe und ich - miteinander sprechen tut sie das.

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8 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Oh wow, ich dachte die ganze Zeit: naja nich so pralle, da muss doch noch was kommen!
    Und dann ... BANG ... geil! Richtig toll, ich mag deinen Text, oh der ist schön, wirklich sehr schön!

    21.04.2011, 02:28 von Aerosmiths-Fan
    • 0

      @Aerosmiths-Fan Wo genau kam denn dieses "BANG"? ;)
      Es ist echt toll, das zu lesen =)

      Danke.

      21.04.2011, 08:21 von Millalana
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  • 0

    Mal ein Zitat von Nena: Liebe fragt nicht, Liebe ist.
    Wenn Liebe fragt, ist sie etwas anderes.

    19.04.2011, 17:33 von Freydis
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  • 0

    Wirf mal ein Auge auf ihre Schwester - die Freude, irgendann wirft dann vielleicht auch wieder deren Schwester einen Blick auf dich.

    19.04.2011, 13:50 von Platinfuchs
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  • 0

    Großartig geschrieben und so harmonisch und traurig. Und fesselnd und fordernd. Wunderschön gewagt eben. Ich liebe den Text sehr und würde so gern sofort zitieren und es mit der Welt teilen. Wunderbar, wirklich!

    19.04.2011, 13:36 von MademoiselleMiau
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    achja. seufz. mit mir spricht sie nciht so gern. sie schweigt un trotzt. dummes mistvieh.

    19.04.2011, 13:03 von Icke_un_du_ooch
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  • 0

    Wenn die Liebe dir winkt, folge ihr,
    Sind ihre Wege auch schwer und steil.
    Und wenn ihre Flügel dich umhüllen, gib dich ihr hin,
    Auch wenn das unterm Gefieder versteckte Schwert dich verwunden kann.

    SIE spricht mit MIR über uns, sich, mich und das, was man will.
    gefällt mir..

    18.04.2011, 22:52 von Cottbuser
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    Der Text ist schön.

    18.04.2011, 22:44 von EliasRafael
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