Königskinder
Zwei Leiber, zwei Seelen, nie zum falschen Zeitpunkt beieinander, aber auch nie zum richtigen.
Ähnlich waren wir uns in den Irrungen und Wirrungen, in denen wir uns in der Zeit und im Leben verlaufen hatten.
Völlig verschieden in der Gangart.
Ich erlaubte mir ab und an Tränen über den schneidenden Neid, der in meinem Rücken bohrte, wenn ich sah, dass das Leben ihm das erlaubte, wozu ich mit gebrochenem Rückgrat nicht mehr fähig zu sein schien. Aufrechter Gang.
Ich sah mir selbst zu, wie sich die Hoffnung aus mir herauschälte, die Sehnsucht über meinen Innereien gebar und ich kettete mich selbst an meinem Kopf fest, damit er im Gedankensumpf stillhalten konnte und ich drohte öfters daran zu ersticken, weil ich die Gutmütigkeit in seinen Augen nicht ertrug, wenn er mir von weitem zusah, wie ich mich kriechend quälte.
Ich beobachtete mich, wie er mir die Haut abriss und ich nicht zu ihm gehen konnte und den schützenden Mantel umlegen den er immer für mich über seinem Arm hängen hatte, egal, ob ich Gift, Blut oder Sehnsucht spuckte.
Es gab nie Nähe aber es gab Verbundenheit und ich litt, weil ich wusste, dass ich mich selbst als Wiederholungstäter umbringen würde. Weil ich mit der Zeit nicht umgehen konnte, vielleicht auch nicht wollte. Weil ich mit dem Schleppen nicht hinterher kam und mir einbildete den Ballast nirgendwo sonst loswerden zu können als in der großen Fallgrube meines eigenen kleinen Lebens.
Und er kam mir zu Hilfe und stütze, und ich verkürzte die Entfernung zwischen uns auf eine Tuchfühlung und als die Freude mich auffressen wollte, katapultierte er mich zurück in mein eigenes dunkles Leben und nahm sich ein anderes Beieinander ohne Schwermut.
Ich lief im Kreis, rannte, stolperte und ertrug stumm die Folter der Entfernung. Weil wir uns ins unsere Leben eingewickelt hatten und nicht aufeinander zugehen konnten wie wir wollten, weil alles an uns zerrte und zog und wir uns füreinander nicht vierteilen konnten.
Dann pumpte er mir Phrasen in den Kopf. Legte seine Hände in mein Gesicht. Ich verlor den Halt, alles, was ich in den Händen auf dem Rücken trug, legte ab, rannte los, bevor die Zeit mich wegreißen würde von dem kleinen Rest an Hier und Jetzt. Hautlos, wollte den Mantel greifen, stolperte über die Unehrlichkeit, zerschnitt mir das Gesicht an den feinen Ästen der Sehnsucht, die in meinem Leben noch nichts getan hat außer zu schmerzen und fiel in den Krater der Enttäuschung, weil seine Gutmütigkeit nie mir galt sondern dem Leben.
Und dann brach ich ihm das Gesicht, bevor er mich brechen konnte, flüchtete, tötete die Hoffnung, rannte mehr als weit – aber Menschen mit gebrochenem Rückgrat sind auch in der Ferne noch leicht zu erkennen und die Sehnsucht findet immer wieder das Fleisch, in das sie tief schneiden kann.
Ich fiel kraftlos und schlug hart auf. Plötzlich stand er neben mir, überladen mit den Beulen, die ich ihm nach und nach in seinen Lebenskokon geprügelt hatte. Er wollte mir aufhelfen, aber diesmal spuckte ich das hässliche Gift nicht aus.
Ich schluckte es runter.
Tags: Trennung, Liebeskummer




Kommentare
wow... einfach nur richtig klasse geschrieben, gefällt mir sehr gut!
21.05.2011, 22:30 von E-Bambikompliment an dich
Ein kluger Kopf kann sich schon einmal fertig machen! Das negative ist nur der Schutz, denn das böse ist groß und hässlich und welches Tier bedroht nicht aus Furcht????
24.01.2010, 20:50 von HugoXden text könnte man malen
17.01.2010, 22:21 von lebens-chaotin:)
Mir sind die gewalttätigen Bilder von Sehnsucht, die ins Fleisch schneidet, Neid, die in einen (gebrochenen) Rücken bohrt, Entfernung die wie Folter wirkt, getötete Hoffnungen etc...schlichtweg zu viel. Es mag passen. Es ist definitiv rund, das Ende, das Runterschlucken des eigenen giftigen Geifers ist gelungen, aber das Gesamtwerk lässt mich, aufgrund der Einseitigkeit und (wenigsten konsequenten) Wiederholung der völlig überzeichneten Bilder, kalt.
21.07.2009, 11:22 von DarenBRens@DarenBRens wunderbar leidenschaftlich und sehr ehrlich.
21.07.2009, 15:13 von tequilatinaSehr sehr schöner Text.
18.07.2009, 20:36 von SurecampGefällt mir außerordentlich gut.
Tut mir leid, die Sauce ist mir zu fett.
15.07.2009, 18:19 von MentzoWow sehr dramatisch
15.07.2009, 15:08 von Dina-LisaUnd er kam mir zu Hilfe und stütze, und ich verkürzte die Entfernung zwischen uns auf eine Tuchfühlung und als die Freude mich auffressen wollte, katapultierte er mich zurück in mein eigenes dunkles Leben und nahm sich ein anderes Beieinander ohne Schwermut.
15.07.2009, 14:09 von SteifschulzAua! Da hat´s kurz im Magen gezuckt.
Bester Satz:
Weil ich mit dem Schleppen nicht hinterher kam und mir einbildete den Ballast nirgendwo sonst loswerden zu können als in der großen Fallgrube meines eigenen kleinen Lebens.
Sprachlich einwandfrei. Der Schluß ist drastisch, aber wie soll es auch anders gehen, wenn es einem weh tut, jemand anderem weh zu tun, weil man gar nicht anders kann, obwohl man das gar nicht will. Irgendwie hab´ ich ab und zu (Nachtrag: Das ist untertrieben.) das gleiche Problem. Ich tue denen richtig weh, die ich am meisten mag. Oh Gott, wie oft hab´ ich Norman (schiebt das Bier auf dem Foto) und den anderen schon Dinge an den Kopf geknallt, bei denen ich erst danach gemerkt hab´, wie böse sie eigentlich waren und trotzdem waren sie für mich in dem Moment absolut richtig. Ich bin so froh, dass ich trotzdem noch dabei bin, wobei ich selber öfter das Gefühl habe: Das verdienst du gar nicht. Dunnagh hat Recht. Du schluckst aufgrund von falschen Vorstellungen, aber den Vorwurf der da mitklingt, kann ich nicht nachvollziehen. Sich selber beim emotionalen Boxen aus dem Kampf zu nehmen, um noch Schlimmeres zu verhindern ist in Ordnung. Auch wenn sich der Status quo dabei nicht ändert.