Hannah_Pilarczyk 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 1

Knall auf Fall

Du hältst die LIEBE AUF DEN ERSTEN BLICK für Augenwischerei? Dann sprechen die Fakten gegen dich. Das spontane Verlieben gibt es nicht nur überraschend häufig: Es folgt auch noch ziemlich einfachen Regeln. Und die kannst du dir zunutze machen.

Mit Herzrasen und trockenem Mund, seltsam stammelnd und schwitzend: So sitze ich nicht in meiner Diplomprüfung, sondern neben dem schönsten Mann, mit dem ich jemals eine Bierbank teilen durfte. Mehr als ein Blick von braunen in blaue Augen und der Satz »Ist da noch frei?« ist nicht gesagt und getan. Doch in meinem Kopf arbeitet es, als hätte ich den »Zauberberg « innerhalb von zehn Sekunden gelesen. Dann kommt Annabel mit dem Bier, und nach dem ersten kalten Schluck kommen mir wieder klarere Gedanken. Zum Beispiel der: Was bitte schön war das denn? Wie kann mich ein einziger Augenblick so durcheinanderbringen? Wer steuert das? Und darf ich da auch ein Wörtchen mitreden?

Am nächsten Tag schnappe ich mir einen Stapel Liebesratgeber und fange an zu lesen. Als Erstes stolpere ich über eine Zahl: dreißig Prozent. So viele Befragte geben in Umfragen im Schnitt an, dass sie schon einmal die Liebe auf den ersten Blick erlebt haben. Also bin ich in guter Gesellschaft. Aber was genau ist mir da passiert? Eine Naturgewalt, gegen die ich nichts ausrichten kann? Oder die romantischste Sache seit geschnittenen Blumen? Die Antwort, die mir zahllose psychologische und physiologische Studien geben, ist: Die Liebe auf den ersten Blick hat von beidem etwas; sie ist ein bisschen Körperchemie und ein bisschen Gefühlskunstwerk. Das würde mir jetzt auch nicht viel weiterhelfen - wenn Forscher nicht auch herausgefunden hätten, welcher Teil jeweils überwiegt: wann unser Körper auf Autopilot fährt und wann wir ihm ins Steuer greifen können. Und das kann auf der Suche nach der Liebe ziemlich nützlich sein.

Am Anfang steht tatsächlich der Stress. Wie in einer Prüfung reagiert unser Körper, wenn wir auf jemand Attraktiven treffen: Er schüttet den Botenstoff Dopamin aus, der uns lernfähiger und empfindsamer für neue Reize macht. Wir sind hochmotiviert, unser Ziel zu erreichen - statt eines Diplomzeugnisses in diesem Fall die Aufmerksamkeit des anderen zu gewinnen. Gleichzeitig mischt unser Körper aber auch kräftig Stresshormone bei. Schließlich wissen wir noch nicht, ob sich ein Date zum Aufstieg in den Liebeshimmel oder zum Tiefschlag für das Selbstwertgefühl entwickeln wird.

In jedem Fall werden wir uns an den Moment sehr gut erinnern können. Das Stresshormon Noradrenalin sorgt dafür, dass unser Erinnerungsvermögen geschärft wird und sich die ersten Begegnungen besonders stark ins Gedächtnis einbrennen. Wer sich, statt fürs Examen zu lernen, lieber vierzigmal hintereinander ausmalt, wie es war, als sein Date sich so lässig den Schal umgelegt hat - der kann alle Schuld seinem Körper geben. Der speichert nicht nur die ersten Treffen besonders sorgfältig, er ruft sie auch noch andauernd ab: Der Botenstoff Serotonin, der normalerweise für Ausgeglichenheit sorgt, sinkt bei Verliebten auf ein ähnlich niedriges Niveau wie bei Menschen mit einer Zwangserkrankung. Helen Fisher, die wahrscheinlich renommierteste Forscherin zur Chemie der Liebe, ist sich sicher: »Ein niedriger Serotoninspiegel führt zu zwanghaftem Denken - eine Hauptkomponente der romantischen Liebe.«

Im Rahmen mehrerer Studien zur Verliebtheit führte Fisher nicht nur Blutanalysen und Hirnscans durch. Sie befragte ihre verliebten Probanden auch regelmäßig danach, wie oft sie an ihren Liebsten beziehungsweise ihre Liebste denken würden. Die Hälfte gab an: »Ganz gleich, wo ran ich gerade denke, am Ende landen meine Gedanken immer wieder bei ihm/ihr.«

Trotz der fast pausenlosen Beschäftigung mit dem Liebsten oder der Liebsten ist unsere Wahrnehmung des anderen aber selektiv: In Fishers Umfragen bestätigten im Schnitt mehr als sechzig Prozent, sie würden »alles« an ihrem Partner lieben, oder sie gaben zumindest zu, dass er zwar ein paar Fehler habe, »aber die stören mich eigentlich nicht.« Ein realistisches Bild von ihrem neuen Partner können sich frisch Verliebte also nicht machen ? diese Fähigkeit kommt erst, wenn die akute Verliebtheit abklingt. Ebenso können es Freunde sein lassen, Verliebte darauf aufmerksam zu machen, dass der neue Partner nicht zu ihnen passe: Das verliebte Gehirn blockt solche Informationen komplett ab. Mit anderen Worten: Der Autopilot fährt gerade mit 200 Sachen auf sein Ziel zu.

Doch nicht immer funktioniert unser Hormonhaushalt zweckmäßig. Da die intensiven Gefühle beim Verlieben und bei gefährlichen Situationen fast identisch sind, verwechselt unser Körper sie manchmal. Bekannt geworden ist das durch das »Experiment der quietschenden Brücke«, das die nordamerikanischen Psychologen Arthur Aron und Donald Dutton 1974 durchführten. Sie ließen eine attraktive Mitarbeiterin Männer ansprechen und sie darum bitten, einen unverfänglichen Fragebogen auszufüllen. Nachdem die Männer die Fragen beantwortet hatten, sagte die Frau ihnen noch, dass sie sie gern bei Fragen zur Studie auch privat anrufen könnten, und gab ihre Nummer heraus.

Der Ablauf der Kontaktaufnahme war immer derselbe, nur der Ort variierte: In einem Setting stand die Frau auf einer schmalen Hängebrücke, die ständig quietschte und schwankte; im anderen Setting stand sie auf einer breiten, stabilen Brücke. Und der Ort machte tatsächlich einen Unterschied: Die Männer von der unsicheren Brücke kamen zu fünfzig Prozent auf das Angebot der Frau zurück. Von den Männern von der sicheren Brücke riefen nur zwölf Prozent später noch einmal an.

Daraus schlossen die Psychologen, dass es für die Männer unwichtig war, ob ihr Körper Adrenalin wegen des schwankenden Untergrunds oder der interessanten Begegnung ausschüttete: Sie waren aufgeregt und verbanden dies mit der Frau.

Was wie unsere völlige Entmündigung durch Hormone ausschaut, können wir uns aber zunutze machen. Arthur Aron übertrug seine Erkenntnisse aus dem Brückenexperiment auf Paare, die bereits länger zusammen waren. Eine Gruppe ließ er eine körperlich anstrengende Geschicklichkeitsprobe paarweise meistern. Die Kontrollgruppe sollte hingegen nur einen gemütlichen Spaziergang machen. Das Ergebnis: Paare aus der ersten Gruppe fühlten sich nach der aufregenden Aufgabe stärker zueinander hingezogen als die Paare, die sich nicht hatten anstrengen müssen. Auch hier die klare Diagnose: Fehlattribution - die falsche Zuordnung von Gefühlen.

Der Schlüssel dazu ist - was wohl? - der Dopaminausstoß, der mit der körperlichen Herausforderung einhergeht. Er löst nicht nur bei den ersten Treffen akute Verliebtheitsgefühle aus, er kann sie auch wiederbeleben. Paare, die ihre Liebe auffrischen wollen, sollten deshalb nicht unbedingt mal wieder romantisch essen gehen - eine anstrengende Wanderpartie ist wahrscheinlich besser für die Leidenschaft.

Nicht geklärt ist hingegen, wie wichtig der Geruch einer Person für ihre Anziehungskraft ist. Über Duftbotenstoffe, sogenannte Pheromone, sollen sich Männer und Frauen nicht nur über den Hormonhaushalt des anderen informieren: Selbst das Abwehrsystem des potenziellen Partners soll sich so offenbaren. Der Evolutionsbiologie zufolge sollten die Immunsysteme von Eltern möglichst weit auseinander liegen, damit ihre Kinder das Beste aus zwei Welten erben. Ein weiteres Experiment mit einem unromantischen Namen legt nahe, dass Frauen nur eine kleine Schweißprobe reiche, um den Mann ihrer biologischen Träume zu erschnuppern: das »schwitzige TShirt- Experiment«.

Forscher an der Universität von Bern ließen 1995 Frauen an T-Shirts riechen, die verschiedene Männer vorher getragen hatten. Danach sollten die Frauen bewerten, wie attraktiv sie den Geruch jeweils fanden. Das Ergebnis: Immer wieder bevorzugten Frauen den Geruch von Männern, deren Immunsystem ihr eigenes am besten ergänzte. Nahmen die Frauen die Antibabypille, fielen ihre Vorlieben deutlich anders aus. Unnatürlicher Zyklus, unnatürliche Vorlieben, schlossen die Forscher. Ein praktischer Nutzen lässt sich daraus nicht so recht ziehen - oder soll ich etwa die Pille absetzen, damit der Schweiß meines Sitznachbarn im Biergarten auch eine ehrliche Chance bekommt?

Nicht besonders hilfreich sind auch die Erkenntnisse, wie viel Einfluss das Aussehen auf unseren Liebesmotor hat. Evolutionsbiologisch scheint mal wieder alles klar zu sein: Männer achten bei Frauen auf die Lippen, Brüste und Hüften, Frauen schauen im Gegenzug bei Männern auf das Kinn und den Brustkorb. So soll die hormonelle Grundausstattung gecheckt werden: Das weibliche Östrogen lässt Fett in den Lippen und Brüsten ablagern und legt die Hüften für mögliche Geburten weit an. Das männliche Testosteron kurbelt das Knochenwachstum von Kinn und Wangenknochen im Gesicht an und lässt die Stimme in attraktive Tiefen sinken. Sind genügend Geschlechtshormone vorhanden, wird Fruchtbarkeit als all-inclusive vorausgesetzt: Wir schalten auf Vermehrung.

Was Forschern trotzdem Rätsel aufgibt: warum wir trotz aller Biologie so viel Wert auf bestimmte Charaktereigenschaften legen. Der Paartherapeut Michael Lukas Moeller hat Verliebte dazu befragt, welche Eigenschaften sie am meisten an ihrem neuen Partner faszinieren würden. Auf dem ersten Platz landete »Offenheit/Spontanität«. Mit einigem Abstand folgten »Freundlichkeit/Warmherzigkeit/ Menschlichkeit« und »Selbstbewusstsein/ Stärke/Eigenständigkeit«. »Sex« bzw. »Männlichkeit « oder »Weiblichkeit« tauchten auf den Plätzen 24 beziehungsweise 29 und 26 von insgesamt 35 Eigenschaften auf.

Tatsächlich haben Evolutionsbiologen auch dafür eine Erklärung. Ursprünglich musste man zum Überleben eben weder besonders schön dichten noch Witze erzählen können. Diese Eigenschaften wurden erst ausgebildet, als das Überleben schon gesichert war - quasi als Luxusprodukte. Wie ein Millionär seinen Reichtum mit protzigem Schmuck zeigt, stellt der Gewitzte demnach seine Schlagfertigkeit aus, um seine evolutionäre Überlegenheit zu demonstrieren.

Ob man nun im Dienst der natürlichen Selektion offen und herzlich auftritt oder es ohne Hintergedanken macht: Es zahlt sich in jedem Fall aus. Nichts schätzen wir an einer Person mehr als die Anerkennung und das Interesse, die sie uns entgegenbringt. Bei einem idealen Flirt punktet man deshalb nicht damit, dass man möglichst viele bewundernswerte Seiten von sich herauskehrt. Im Gegenteil: Der aufmerksame Zuhörer, der im richtigen Maße seine Anerkennung für den anderen ausspricht, schneidet meist am besten ab. »Es kommt nicht darauf an, möglichst interessant, sondern möglichst interessiert zu sein«, fasst der Wissenschaftsjournalist Bas Kast die Erkenntnisse vom erfolgreichen Flirten zusammen. Er gibt aber auch Entwarnung für die, die vor Aufregung zu viel plappern: »Wer spricht, kann durchaus anziehend wirken, aber vor allem dann, wenn er das Gespräch auf sein Gegenüber einstellt, auf dessen Interessen und Vorlieben.«

Aber wie das Gespräch beginnen? Am besten mit möglichst wenig Kopfzerbrechen. Ein einfacher Satz statt eines gedrechselten Spruchs kommt bei beiden Geschlechtern an. Die britische Sozialwissenschaftlerin Kate Fox gibt deshalb in ihrer »Anleitung zum Flirten« den Rat: »Den größten Fehler, den die meisten Menschen beim Eröffnungssatz machen, ist der, dass sie damit einen Flirt starten wollen statt einfach nur eine Konversation.«

Es scheint also gar nicht so schwierig zu sein, jemanden zu finden, in den wir uns spontan verlieben können. »Wenn man einen Blick auf die Befunde wirft«, resümiert Arthur Aron, der Forscher mit der quietschenden Brücke, »bekommt man den Eindruck, dass wir einfach nur auf einen attraktiven Menschen warten, der etwas tut, das wir als folgendes Zeichen deuten können: Ich mag dich.«

Läuft uns so jemand über den Weg, stehen die Zeichen nicht schlecht für mehr als ein kurzes Glück: Einer Schweizer Umfrage zufolge haben es 95 Prozent der Befragten geschafft, »intensives Verliebtsein in eine Beziehung zu überführen.« Nach zwölf bis achtzehn Monaten schwindet aber in der Regel die Verliebtheit. Was ihr Ende herbeiführt, hat Paartherapeut Moeller erforscht: »Alltag« war die häufigste Antwort, die ihm die befragten Paare gaben (19,9 Prozent). Mit etwas Abstand folgten »Kind« (12,4 Prozent) und »Konflikte« (11,1 Prozent).

Doch auch wenn Staubsaugen oder Windelnwechseln in unserem Hormonhaushalt aufräumen und uns wieder klarer sehen lassen, heißt das nicht, dass der Zauber der Liebeschemie endgültig vorbei ist. Paaren, die sich in einer Krise sehen, rät Therapeut Moeller in seinem Buch »Wie die Liebe anfängt«, sich ihre ersten Treffen ins Bewusstsein zu rufen: Welche Eigenschaften fand man damals am Partner so interessant und attraktiv? In welchen Situationen kamen sie zum Tragen? Was waren die Liebes- und Lebensbedingungen, die damals gegeben waren? Moeller ist sich sicher: »Was damals möglich war, kann auch heute wieder seine Wirkung entfalten. Denn die Beziehungsstruktur hat sich nur in seltenen Ausnahmen wesentlich verändert.«

Um die Bedingungen, unter denen wir uns stürmisch verliebt haben, wiederherzustellen, braucht es natürlich Geduld, Arbeit und Offenheit. Doch gelingt es, wird aus der Liebe auf den ersten Blick nicht der Ausgangspunkt für eine Beziehung - sie wird ihr Fundament, auf dem immer wieder neu gebaut werden kann. Meine Begegnung im Biergarten hätte also durchaus in eine Goldene Hochzeit münden können. Leider habe ich den ganzen Abend über nicht mehr als »Ist da noch frei?« zu ihm gesagt.



»Dann gibt?s kein Halten mehr«

Die Schauspielerin DIANE KRUGER weiß, wie man sich trotz großer Entfernung ineinander verlieben kann.

Einem Männermagazin haben Sie verraten: Sie verlieben sich leicht und gern. Geben Sie?s zu: Das haben Sie nur gesagt, um die Leser des Hefts verrückt zu machen!

Hab ich das wirklich gesagt? Es stimmt: Ich verliebe mich gern. Aber nicht leicht. Eigentlich ist das Gegenteil der Fall. Es dauert bei mir. Ich lasse Menschen nicht schnell an mich heran.

Sie mögen Oscar Wilde. Finden Sie sich in seinem Satz »Am Anfang widersteht eine Frau dem Ansturm des Mannes, und am Ende verhindert sie seinen Rückzug« wieder?

Und wie! Mit meinem aktuellen Freund, Joshua Jackson, war das genauso. Er wollte schon ganz lange mit mir ausgehen, aber ich habe mich immer geziert.

Und wie sind Sie dann trotzdem zusammengekommen?

Eines Tages ließ ich mich breitschlagen, und wir verabredeten uns zum Essen. Wir saßen also in diesem Restaurant, ich total müde und widerwillig, und dann war da diese riesige Blume in dem Lokal. Riesig! Ich reagierte total allergisch auf sie. Meine Nase schwoll zu, ich nieste nur so vor mich hin. Es war das schlimmste Date, das ich je hatte! Am Ende stieg ich genervt und ohne Küsschen aus Joshs Auto. Aber anstatt sich nach dieser Katastrophe zu verziehen, schickte er mir am nächsten Tag Blumen und eine Kleenexbox. Unglaublich süß.

Kann man sich eigentlich absichtlich verlieben, also ganz gezielt?

Ich glaube nicht. Man kann offen durch die Welt gehen, aber die Liebe ist doch ein Mysterium. Man kann nicht steuern, wann es knallt und wann nicht. Mir fällt es auch schwerer, mich jemandem zu öffnen, je älter ich werde. Natürlich hat man mit den Jahren auch gelitten und negative Erfahrungen gemacht, man nimmt das alles nicht mehr so leicht. Es dauert länger, bis ich mir eingestehe, dass ich verliebt bin. Aber wenn ich das tue, dann ist es pfffffft?

Pffft?

Dann gibt es kein Halten.

Sie sind eine Expertin in Fernbeziehungen: Mit Ihrem Exmann, dem französischen Schauspieler Guillaume Canet, führten Sie zunächst eine und nun mit dem kanadischen Schauspieler Joshua Jackson: Ist es nicht wahnsinnig schwer, sich aufeinander einzulassen, wenn man voneinander getrennt ist?

Ich kenne es nicht anders! Man überlegt sich eben in den Phasen des Getrenntseins, ob es funktioniert oder nicht. Und man fehlt sich oft ? und das ist doch eigentlich etwas Schönes.

Und die Gefahr, dass man zwei unterschiedliche Leben lebt und das erst merkt, wenn es zu spät ist? Wenn man sich schon längst entliebt hat?

Die besteht natürlich. Joshua und ich versuchen, nicht länger als zwei Wochen voneinander getrennt zu sein. Wir haben uns auch immer unglaublich viel zu erzählen, wenn wir uns lange nicht gesehen haben, das finde ich unglaublich toll. Ich empfehle übrigens Skype. Es hilft ungemein.

Aber entstehen trotz Kommunikationsmitteln wie Skype nicht trotzdem Erwartungshaltungen, Projektionen auf den anderen ? in den Phasen, in denen man sich nicht sieht?

Ja, deshalb muss es am Anfang unbedingt eine Phase geben, wo man sich intensiv kennen lernt. Wo man weiß, wie der andere tickt. Das ist unglaublich wichtig, dann hält man auch Trennungsphasen aus.

Ein schlimmer Fall von Liebeskummer in New York hat Sie bewogen, mit dem Modeln aufzuhören und Schauspielerin zu werden. Können private Katastrophen die Karriere beflügeln?

Ich glaube schon. Durch diesen Liebeskummer hat sich mein Leben radikal verändert. Es ist einfach so, dass man sich in dieser Phase des Auf-sich-zurück geworfen- Werdens wieder auf sich selbst besinnt und neue Zuversicht entwickelt. Plötzlich hat man den Mut, endlich das zu tun, was man schon immer machen wollte.

Sie sagten mal, Sie hassen Routine. Mit Ihrem Exmann Guillaume Canet hatten Sie in Paris zeitweise sogar getrennte Wohnungen. Ist hartnäckige Routinevermeidung das Rezept, um die Verliebtheit nicht zu verlieren?

Für mich funktioniert es nicht anders. Aber ich möchte nicht für alle sprechen. Ich könnte mir einfach nicht vorstellen, jeden Tag ? ?

...mit dem Freund einen DVD-Abend zu machen?

Genau. Für mich wäre es nichts. Aber bei vielen ist das ja eine bewusste Entscheidung und bedeutet nicht, dass sie nichts anderes zu tun hätten ?

»Alles, was dauert, muss seltsam werden«, sagt der Schriftsteller Wilhelm Genazino. Er meint damit, dass wir mit der Zeit immer schrulliger werden. Ist es das Ende der Verliebtheit, wenn einem plötzlich all die nervigen Eigenheiten am anderen auffallen?

Ja, es ist das Ende der Verliebtheit. Aber es entsteht doch etwas Neues. Und wenn es der Richtige ist, dann liebt man auf einmal diese Schrullen.

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