LeonieBrombeere 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 0

Knäckebrot zum Frühstück

Ich wollte dir noch so viel mehr sagen. Dass ich dich vermisse. Und dass Knäckebrot zum Frühstück manchmal genau richtig ist.

Ich liebe Frühstück. Ich könnte den ganzen, ja wirklich den ganzen Tag frühstücken. Ich liebe die ruhigen Stunden bevor der Alltag wirklich beginnt, den frischen Kaffee und die noch warmen Brötchen. Ich liebe es, im Bett zu frühstücken oder ganz erwachsen Kaffee zu trinken und Zeitung zu lesen. Und du, du magst kein Frühstück. Du gehst ohne Frühstück, ja sogar ohne eine Tasse Kaffee aus dem Haus. Und selbst am Wochenende frühstückst du nicht. Doch für mich hast du immer ein Frühstück gemacht. Mit Knäckebrot, etwas anderes hattest du nicht im Haus. 

Ich vermisse diese Tage, die so früh begonnen haben. Und während ich mich noch einmal in die Bettdecke gekuschelt habe, hast du dich für die Arbeit fertig gemacht und den Frühstückstisch gedeckt. Hast Kaffee gekocht und ein Knäckebrot auf meinen Teller gelegt. Ich vermisse dieses Frühstück, das du nur für mich gemacht hast. Und ich vermisse deine neue schwarze Hose - ich hab dir nie gesagt, wie sehr ich sie mag. Ich vermisse das Morgenlicht, das so wundervolle Schatten an deine Zimmerdecke geworfen hat. Ich vermisse deine noch nassen Haare, wenn du dich nach der Dusche noch einmal zu mir gelegt hast. Ich vermisse deine Arme, die mich so fest gehalten haben. Und dass du beim Einschlafen immer so gezuckt hast. Ich vermisse die Fernsehbilder am späten Abend, denn du kannst ja nur mit laufendem Fernseher einschlafen. Und ich vermisse es so sehr, dass du immer das Richtige gesagt hast. 

Doch ich habe so viele Dinge nicht gesagt. Habe nicht gesagt, dass ich nicht mehr kann. Dass ich es nicht mehr ertragen kann, auf dich zu warten. Hin und her gerissen zu sein. Deine Nähe zu spüren und doch zu wissen, dass wir niemals zusammen sein werden. Und niemals eine richtige Beziehung führen werden. Denn wir beide waren einfach nicht für einander bestimmt. Und ich wollte dir so viel sagen. Ich hatte so oft mein Handy in der Hand, habe in dunklen Treppenhäusern auf den Bildschirm gestarrt. Habe Worte getippt. Und wieder gelöscht. Habe dir Briefe geschrieben, auf der Rückseite von Einkaufslisten, auf den Seiten meines Notizbuches. Habe dir Briefe geschrieben und habe doch nie den Mut gefunden, meine Worte abzuschicken. Ich wollte dich nicht verlieren, ich wollte an dir, an uns festhalten.

Und dann kam deine Nachricht. Eine einfache SMS. Dass du jetzt jemand neues kennengelernt hast, eine Freundin, mit der es jetzt konkreter wird. Eine Nachricht, auf die ich wütend sein sollte. Und doch nur Erleichterung spüre. Denn das Gefühl zu schweben ist vorbei. Ich bin gefallen, doch auch nur um zu erkennen, dass ich alleine bin und auch mit dir immer war. Und dass ich alleine für mich verantwortlich bin. Das hast du mir gezeigt, mit dir habe ich so viel mehr über mich selbst gelernt. Ich hatte eine aufregende, lustige, intensive und vertraute Zeit mit dir. Und ich werde mich immer an unser ganz eigenes Frühstück erinnern, an die trockenen Krümel Knäckebrot in meinem Mundwinkel und an dein Lachen.


Tags: Frühaufsteher, Frühstück im Bett, liebe
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