meerisch 18.10.2010, 02:06 Uhr 18 20

Klar.

Klar, denke ich mir. Klar, ich komme vorbei.

Klar, ich fahre 50 km für eine Strecke, um dich zu sehen. Natürlich, wieso sollte ich auch was anderes zu tun haben? Wie, ich soll deinen Schwanz in den Mund nehmen? Klar, nichts lieber als das, ich brauche nämlich auch keine Zuneigung. Achso, du hast mich vermisst? Ja, ich habe dich auch vermisst. Aber ich darf das nicht sagen, weil sonst denkst du, ich wäre verliebt. Habe ich Gefühle? Natürlich, du... du... ach, das weißt du selbst am besten. Du willst, dass ich bei dir bleibe heut Nacht? Klar. Na klar. Weißt du, alles könnte viel einfacher sein, wenn du nicht so wärst, wie du wärst. Wieso nimmst du mein Gesicht so in deine Hände? Wieso weißt du, wie du mich angucken musst, damit mein Herz schmilzt? Denn ja, das tut es. Das soll es wohl nicht. Aber wie kann es anders, das blöde Ding, wenn du mir meinen Namen ins Ohr hauchst? Ganz vorsichtig, nicht so, wie es vor unserem Streit war. Denn da, ja, da habe ich endlich mal meine Meinung gesagt.

Wie du mich angesehen hast. Ganz verwundert, schließlich war ich bis dato immer das folgsame Mädchen. Nachts um zwei klingelt mein Handy, natürlich komme ich vorbei. Hab ich jemandem was gesagt? Nein, natürlich nicht, schließlich soll das irgendwie unser Geheimnis bleiben. Aber an dem Abend, da hat es mir gereicht. Ich brauche Zuneigung, sagte ich. Ich brauche jemanden, der mich im Arm hält, der mich küsst, so wie du es nie tust. Du hast es nicht verstanden. Wie, du willst gehen? fragtest du. Wieso? Bitte, kraul meinen Rücken. Ich habe geschrien. Ich habe gemotzt und in windeseile meine Kleidung zusammengeklaubt, ich bin aus deiner Wohnung gestoben wie noch nie zuvor. Niemals habe ich so eine Szene gemacht. Aber ein „Wieso?“ nach über vier Jahren, die ich mich heimlich zu dir geschlichen habe, das hat gereicht.

Wir haben über so vieles schon geredet, aber irgendwie auch über nichts. Ich weiß nicht, was du denkst, was du fühlst und was du überhaupt machst. Irgendwann hast du mich angeschrieben- nach 5 (FÜNF!) Monaten Funkstille, ob ich noch sauer wäre. Nein, sagte ich. Ich bin nicht mehr sauer, kein Mensch ist so lange wütend, die Anstrengung ist es einfach nicht wert. Aber der Grund, weshalb ich einfach gegangen bin, der Grund ist doch noch da. – Aber ich vermisse dich, hast du gesagt. Bitte, komm vorbei. Ich muss dich sehen.

Natürlich bin ich schwach geworden. Ich bin vorbeigekommen, auch wenn es kein fünfminütiger Fußweg mehr war, sondern eine fünfundvierzigminütige Autofahrt. Wie geht es dir, hast du gefragt. Wie ist dein Leben? Was machst du so? Du hast mir so gefehlt. Ich kann nicht damit umgehen, dass es jemanden gibt, der mir auch mal sagt, was Sache ist, flüstertest du. Du bist die Einzige, die das machst, hauchtest du in mein Ohr, nachdem ich keuchend in deinem Bett lag. So viele Dinge hast du mir an dem Abend gesagt, auf die ich schon so lange gewartet habe. Du bist so schön, hast du mir gesagt. Du bist so sexy, jetzt in diesem Moment. Und ich lag neben dir, in deinem Arm, und du hieltest mein Gesicht in deinen Händen.

Weißt du, bei dir kann ich immer ich selbst sein, das ist mir jetzt klar. Du vermisst mich und freust dich, wenn ich bei dir bin. Über eine Beziehung haben wir dennoch nie geredet, aber weißt du was? Es ist doch gut so, wie es ist.

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18 Antworten

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    feine sache, der text.

    25.10.2010, 13:55 von geesie
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    ich muss ehrlich sagen: er gefällt mir! doch er liegt mir schwer im Magen. Durch das Fazit dass einerseits traurig und glücklich macht. vielleicht weil ich das so gut kenne, weil das Leben, die Liebe so ist. nur weil Ich es so wahnsinnig bewundernswert finde einzusehen dass "es gut so ist wie es ist".
    :)

    23.10.2010, 21:04 von dasmuh
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    ein schöner Stil.

    19.10.2010, 18:38 von ohkathrina
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    immer diese Personen die man braucht, obwohl sie einem nicht gut tun, die diese unbegreifliche Macht über einen haben.
    Ich kann das Mädchen so gut verstehen aber den Typen irgendwie auch (wäre sehr interresant mal die Story aus seiner Sicht zu schreiben). Jeder ist mal in so einer Situation. Sehr schön geschrieben vor allem der anfang gefällt mir.

    19.10.2010, 15:22 von HandmeDown
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      @HandmeDown Das hast du schön gesagt- und ich würde wirklich gern die Story mal von seiner Seite hören. Vermutlich wäre es zwei Sätze-

      Ich hab da eine, die es mir immer besorgt, wenn ich Bock habe. Voll geil.

      :p

      20.10.2010, 12:25 von meerisch
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    Hoffentlich redest du dir da nicht was ein und wartest in Wahrheit darauf, dass er endlich eine Beziehung mit dir eingehen will. Aber dann frag ich mich: "Was ist dann der Sinn eurer Bindung?" Wenn es nur um das körperliche geht, kann ich dich verstehen, ansonsten nicht.
    Ansonsten finde ich den Text ziemlich widersprüchlich...

    19.10.2010, 11:28 von Stefania2703
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      @Stefania2703 Der Text ist widersprüchlich, weil meine Gefühle ebenfalls widersprüchlich sind. Einerseits ist mir klar, dass eine Beziehung niemals gut gehen würde, aber andererseits will ich ihn auch nicht "verlieren", wobei ich ihn ja auch gar nicht "habe"... Also es ist eine komplizierte Geschichte. ;)

      20.10.2010, 12:24 von meerisch
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    Wenn sich beide emotional raushalten, sich klar sind was sie da tun und feste Regeln gelten kann sowas funktionieren. (Meiner)Erfahrung(s)gemäß geht das aber nicht ewig gut.

    Musikalische Begleitung: Liz Phair "Fuck and Run" (http://www.youtube.com/watch?v=t2akK4tYSwY)

    19.10.2010, 11:05 von mixtapeape
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    Wunderbarer Text!

    18.10.2010, 21:44 von Der_Sommer_am_Meer
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  • 0

    schön..irgendwie echt, irgendwie hart, irgendwie ka..

    18.10.2010, 19:48 von n_
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  • 0

    von mir gibt es eine Empfehlung, auch wenn ich den 1. Absatz nicht mag.
    Aber man kennt das irgendwie, leider.

    18.10.2010, 18:47 von MsLeigh
    • 0

      @MsLeigh Der erste Absatz ist der beste.

      18.10.2010, 22:02 von strassenstaub
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