Keine Poesie
Und ja, es tut mir leid, das klang nicht besonders poetisch! Sollte es auch nicht. Weil es sich verdammt nochmal auch nicht poetisch anfühlt...
Wenn du dann im Januar - so ist der Plan - tatsächlich gehst, lässt du alles und jeden zurück. Mal wieder. Reißt alle Brücken nieder und schaust nur heimlich für dich manchmal zurück.
Dann bin auch ich nur noch ein Name in deiner Facebook-Freundesliste und in bester Gesellschaft. Eine Person unter 300 und täglich mehr. Und wenn ich dann eines Tages - wer weiß - deinen Status like (wenn alle Wunden verheilt und alle Tränen geweint sind und die Erinnerungen verwässert haben), dann bin ich dir ein "Hey, wie geht's? So lange nichts mehr gehört. Wir müssen mal skypen!" wert. Und obwohl ich es hasse, drücke ich pflichtbewusst "gefällt mir".
Später vielleicht erzählst du irgendeinem Mädel in irgendeiner Stadt mit irgendeiner Staatsängehörigkeit irgendwo bei einem Milchkaffee mit Minze, was für eine unglaublich tolle Frau ich doch war und wie sehr ich dir fehle...an Tagen wie diesen. Die Geschichte kenn ich schon. Aus 8.000 oder 9.000 km Entfernung bleibst du vielleicht zumindest in Gedanken mal stehen und erlaubst dir ein "was wär gewesen wenn?!". Doch dann ist es zu spät. Ist es jetzt schon. Es ist nicht mehr viel übrig, von dem, was wir mal waren. Ein Gedanke. Ein Wunsch. Ein verblassendes Bild unser selbst. Ich trag es immer bei mir. Es ist zerknickt und zerfleddert und sieht einfach nur scheiße aus! Wie alles, was von uns geblieben ist.
Und ja, es tut mir leid, das klang nicht besonders poetisch! Sollte es auch nicht. Weil es sich verdammt nochmal auch nicht poetisch anfühlt. Sondern laut und wütend und unglaublich schmerzhaft. So schmerzhaft, dass es schon ganz dumpf geworden ist. Wie eine Tattoowierung, wenn anfangs jeder einzelne Nadelstich durch deine Nerven fährt und dich zusammenzucken lässt aber am Ende nur noch ein gleichbleibender dumpfer Schmerz bleibt. Als wäre das Herz überreizt. Ja, genauso fühlt es sich an!
Du hast deinen Namen in mein Herz tattoowiert und dort bleibst du nun. Verblasst höchstens mit der Zeit ein bißchen aber verschwinden wirst du nie. Und so gern hätte ich es dir gleich getan. Doch ich schaffe es einfach nicht bis zu dir. So lang habe ich versucht dich zu verstehen...und zu verstehen...und zu verstehen...und zu verstehen. Wie ein Sprung in einer Platte. Drehen uns ununterbrochen im Kreis und kommen doch keinen Schritt weiter.
Also habe ich eingesehen, es macht keinen Sinn. Es wird Zeit loszulassen. Du mich und ich Dich. Und...wenn ich dann geh, reiß ich alles nieder und lass mich zurück. Mal wieder. Stück für Stück.




Kommentare
Ein bisschen komisch ist das schon einen Text von einer fremden Person zu lesen und das Gefühl zu haben, dass es die eigene Geschichte ist, die hier verfasst wurde.
08.01.2012, 16:04 von pecaspibaSehr gut geschrieben, danke.
Ein toller Text, könnte fast ein bissl heulen.
13.10.2011, 10:13 von Oktoberkind123"wer weiß für was es gut war" oder "der/die Falsche hat Platz für den/die Richtige/n gemacht" - alles Müll.
Es tut weh und es wird einen wieder mal prägen, wie andere Beziehungen vorher. Für den Satz "es tut mir wirklich schrecklich Leid" hasse ich meinen Ex heute noch, weil dieser Satz nicht´s aussagt, er keine Erklärung ist und keinen Ansatz bietet um einen Schlußstrich zu ziehen.
Die Einsicht loszulassen, sie braucht Zeit, ich wünsch Dir alles Gute....
Ein ganz toller Text!
12.10.2011, 21:10 von MildshakeWenn es der Fall sein sollte, dass du dir damit etwas vom Herzen geschrieben hast, dann tut mir das wirklich Leid für dich. Aber ich denke, du bist so sehr Realist, dass ich dich jetzt nicht mit einem Standard-"Kopfhoch!" trösten kann.
Ertrage den Schmerz, lebe und verschließ dein Herz nicht!