bunteschaos 25.08.2012, 20:22 Uhr 11 11

Keine Liebesgeschichte

"Und wenn du mich küsst, schreibt Noel wieder Songs für Liam..."

Es ist Nacht, kurz nach Mitternacht und wir sind leicht berauscht vom Wein aus dem Discounter, die Luft riecht nach Zigaretten, Teer und Versprechen, auf dem Weg in die Innenstadt passieren wir immer wieder Schlägereien und Menschen die entweder betrunken in die nächste Bar taumeln oder versuchen, den Heimweg zu erraten. Und dann stehst da auf einmal Du, und ich kenne dich nicht und du kennst mich nicht, und die Nacht atmet dich ein. 
Die Nacht atmet dich ein, als du mich anlächelst und im ersten Moment bist du Magie. Nach ein paar gekippten Shots befinden wir uns in einer Discothek, in der wir es noch nie geschafft haben, länger als drei Lieder durchzutanzen, weil irgendjemand irgendwann immer da ist, der uns aufhält. Wie du sprichst und mich ansiehst, wird mir schwummrig und ich vermute, dass das nicht nur an dem Wodkaglas liegt, das vor mir steht. Du beschwipst mich, und als ich es laut ausspreche, nicht zu dir, aber zu meiner Freundin, da halte ich einen Moment inne und staune. Zweieinhalb Jahre hat es gedauert. Zweieinhalb Jahre, in denen mein Herz sich konsequent weigerte, zu empfinden und dann stehst du auf einmal vor mir, mit deinem verrücken Shirt in dieser warmen Sommernacht in Freiburg und berührst mich noch bevor du sprichst? 
Die Nacht atmet uns ein, als wir auf der Tanzfläche sind und du mir zeigst, wie man richtig shuffelt weil man das als Frau durchaus können sollte, findest zwar nicht du, aber ich und ich tanze barfuß, schon die ganze Nacht, weil ich in dieser Nacht keine Schuhe an meinen Füßen mag, und ich fühl mich wie ein Sommermädchen in meinem Kleid, und dann hältst du mich auf einmal fest, und Sekunden später küssen wir uns. 
Und die Nacht lässt uns zirkuliern, als wir stundenlang in dieser dunklen Nische sitzen und ich denke, was mache ich bloß, hier saß ich doch schon einmal, mit jemand anders, und jetzt begehe ich den gleichen Fehler erneut. Und im gleichen Moment denke ich, ich sollte es einfach genießen, weil ich das Gefühl habe, dass du anders bist. Zwischen uns besteht eine wortlose Kommunkation und dennoch erzählst du mir viel von dir, und doch bei weitem nicht genug um mein Interesse zu stillen. Und wenn du mich ansiehst, mit deinem meeresgrünblauen Augenaufschlag und mich küsst, vergesse ich dass ich mich in einem Club befinde, keine Schuhe anhabe und die Musik mir Ohrenkrebs verursacht. Wir können lachen, über uns und über diesen Zufall. Und als wir nach Hause laufen, erzählt mir mein Bauch, dass er dich mag. Afterhour bei meiner Freundin und Titanik als Trinkspiel, das klingt zuerst nach einem Plan , der nur gut ausgehen kann und am Ende sitzen wir doch alleine auf dem Balkon und reden und küssen uns, die ganze Nacht hindurch. Deine verschwitzten Haare und dein durchdringender Blick halten mich fest. Und ich wünschte mir, die Nacht würde ewig den Atem anhalten, aber im Morgengrauen sagst du mir, dass du gehen musst.

Und so atmet der Tag uns aus, als ich, diesmal mit Schuhen an den Füßen, dich zum Bahnhof begleite und weil der Zug schon wartet und du unununununmöglich auf den nächsten warten willst, hauchst du mir einen Kuss auf den Mund und verschwindest so schnell, dass mir nicht mal mehr ein Tschüss bleibt. Fort bist du. Der Tag hyperventiliert, ich fühle mich seltsam und berührt und schrecklich melancholisch, ich fühle mich wie eine Fremde unter Menschen, als ich mir mein Frühstück kaufe und in der prallen Sonne frühstücke, während Menschen um mich kommen und gehen und ich denke immer wieder, Bahnhöfe, mein ganzes Leben spielt sich in Bahnhöfen und in Zügen ab, mein ganzes Leben. Ich wünsche mir in diesem Moment nichts sehnlicher, als dass der Mensch der es geschafft hat, nach zwei Jahren der Isolation in fünf Minuten alles in mir zum Beben zu bringen, bleibt. Dass du einfach nur bleibst, und mit mir an der Dreisam läufst oder wir unseren Kater ausschlafen und es danach vielleicht nochmal mit Titanic probieren, schließlich hab ich den noch nie gesehn. Ich würd mir wünschen dass du sagst ich soll mit dir kommen, ich würde mir wünschen dass die Zeit jetzt einfach stillsteht. Und ich steh noch lange neben dem Kartenautomaten, und schaue der Regionalbahn hinterher, als sie langsam anfährt. Ich sollte das nicht, und augenblicklich fühle ich mich als hätte ich großen Mist gebaut, denn der Tag,
der Tag hat uns ausgeatmet,
und schließlich bist du fort,
und schließlich warst du nur flüchtig.


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11 Antworten

Kommentare

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    wirklich sehr sehr schön beschrieben und geschrieben. aber was ich mich frage: war es das mit euch ? habt ihr euch nie wieder gesehen?

    10.09.2012, 19:13 von anna-mirl
    • 0

      nein, haben wir nicht und werden wir auch nicht mehr.

      11.09.2012, 19:38 von bunteschaos
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  • 0

    zucker

    02.09.2012, 18:05 von Lina.Tanzend
    • 0

      ♥. :)

      09.09.2012, 20:33 von bunteschaos
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  • 0

    Wunderwunderwunderschön!

    29.08.2012, 22:44 von beccayful
    • 0

      vielen vielen Dank.♥

      30.08.2012, 21:08 von bunteschaos
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  • 0

    Oh Gott. Da muss ich ja fast heulen... :(((

    28.08.2012, 22:00 von goodbyebluesky
    • 0

      Musst du nicht. :) ♥

      30.08.2012, 21:08 von bunteschaos
    • 0

      Es ist aber sehr traurig geschrieben!

      02.09.2012, 13:47 von goodbyebluesky
    • 0

      Habs auch sehr traurig-melancholisch erlebt.:>

      09.09.2012, 20:34 von bunteschaos
    • 0

      Das ist mir klar...

      11.09.2012, 16:15 von goodbyebluesky
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