Keine Angst, ich bin eine gute Schwimmerin!
Ihr liefen Tränen über die eingefallenen Wangen, die perfekt in ihr von der Krankheit gezeichnetes Gesicht passten.
Als ich klein war, also ein Kind, vielleicht im Kindergartenalter, vielleicht ein bisschen jünger oder älter, da war ich unglaublich wissbegierig. Habe ständig Fragen gestellt und wollte immer eine Antwort. Zufrieden war ich mit allem. Hauptsache ich bekam eine. Wie das eben so ist, wenn man klein ist.
Irgendwann begann mich aber ein bestimmtes Thema zu beunruhigen. Der Tod. Ich weiß bis heute nicht, wie ich damit in Berührung kam, es starb kein Haustier oder gar ein wichtiger Mensch (keine Ahnung was mein Kinderhirn sich dachte so ein Thema auszugraben), jedenfalls ließ es mich nicht mehr los.
"Was passiert wenn jemand stirbt? Und wo kommt er hin? Und überhaupt, wann musst du sterben?"
Vor allem der letzte Teil beunruhigte mich. Ich habe mir das so ausgemalt: irgendwann sterben Mama und Papa und dann bin ich alleine. Es gab damals,wie heute, nicht schlimmeres.
Doch egal wen ich fragte, niemand wusste eine Antwort auf meine Fragen. Ich konnte meine Kulleraugen noch so lange auf den Befragten richten, niemals bekam ich etwas zufriedenstellendes zu hören. Das beunruhigte mich noch mehr. Die für mich beste Antwort bekam ich von meiner Oma, die sagte, dass niemand so schnell stirbt und dass sterben für mich kein Thema wäre. Dann gab sie mir einen Kuss und scheuchte mich auf die Straße zum spielen. Eine so einfache Antwort genügte mir. Um ehrlich zu sein, hatte ich danach das Gefühl diese Gier nach Wissen bezüglich des Todes abgelegt zu haben.
Ein paar Jahre später, ich war nicht mehr ganz so klein, bekam meine Oma Krebs. Ich wusste nicht was das war und besonders interessiert hat es mich auch nicht. Realisiert, dass es ernst zu sein scheint, habe ich erst, als ich ihr von einem Schwimmwettkampf erzählte an dem ich teilnehmen sollte und ihr ein Datum nannte, eventuell eines das circa zwei oder drei Wochen in der Zukunft lag, und sie anfing zu weinen. Ich sagte, und das weiß ich so genau, weil es auf Video dokumentiert ist, dass sie sich keine Sorgen machen solle, denn obwohl ich erst vor wenigen Tagen das Seepferdchen gemacht hätte, wäre ich eine ziemlich gute Schwimmerin. Ihr liefen Tränen über die eingefallenen Wangen, die perfekt in ihr von der Krankheit gezeichnetes Gesicht passten,als sie sagte, dass ich alles schaffen könne im Leben und niemand mich jemals daran hindern solle.
"Vor ein paar Jahren hattest du Angst vor dem Tod, mein Kleines. Damals habe ich dich getröstet und dir deine Furcht genommen. Nun siehst du ihm in die Augen und hast keine Angst mehr. Wenn ich nicht mehr da bin, dann stelle dich allen Ängsten auf diese Weise. Wer den Tod nicht fürchtet, hat keine Feinde mehr, die er nicht besiegen könnte."
Und dann habe ich sie auf die Stirn geküsst und ihr die Decke zurecht gelegt.







Kommentare
wahahaaa.. im sinne von SCHLUCHZ. Toller Satz mit dem "Keine Angst, ich bin eine gute Schwimmerin".
04.10.2012, 17:22 von BlondBlauBloedAch, wow !
26.09.2012, 09:58 von TaneaEcht jetzt, super Oma. So eine wünsche ich jedem Kind.
Nur seltsam, dass niemand sonst auf diese einfache Antwort gekommen ist. Ich dachte immer, dass sei die Standard-Antwort wenn Kinder nach dem Tod fragen?!
Manchmal merkt man sich ja nur die Sachen, die man sich merken will. Beziehungsweise erinnert sich nur an solche. Vielleicht war es das..
26.09.2012, 10:33 von FensterbankMaedchenIch kann das nicht öffnen? Sorry
26.09.2012, 08:23 von FensterbankMaedchen25.09.2012, 21:46 von EliasRafael
Schöne Gedanken. Traurig und berührend, diese Oma.
25.09.2012, 20:57 von reachthebeachSolltest vielleicht nochmal auf Fehler durchlesen, sowas wie "die sagte, dasS niemand so schnell stirbt und dasS sterben für mich..."
(:
Danke für den Hinweis, werde ich mir nochmal anschauen.
26.09.2012, 00:15 von FensterbankMaedchenGeht nache, sehr nahe!
25.09.2012, 20:40 von Domsenohne Worte
25.09.2012, 16:01 von wieneu