Jubeljulia 04.12.2008, 00:16 Uhr 11 5

Kein Kind von Traurigkeit

Mir geht's gut - wirklich, sage ich und blicke zu Boden

"So geht es nicht weiter", sagt meine Freundin und blickt mir in die Augen. Seit zehn Minuten rutscht sie unruhig auf ihrem Stuhl hin und her. Ich sehe ihr an, dass sie nach Worten ringt, nicht weiß, wie sie mir sagen will, was sie mir sagen muss.
"Ich mache mir Sorgen um dich". Pause. "Weißt du, wir kennen uns noch nicht lange, aber ich weiß nicht, wie das enden soll."
Steffi und ich haben uns vor sechs Monaten kennengelernt, in einer Phase, in der mein Herz so leer wie die Gläser in meinen Fingern und mein Kopf so wattig wie mein Bewusstsein war.
"Gestern war's Florian, letzte Woche Matti und dann der Kerl in Frankfurt. Ich bitte dich, du kanntest noch nicht mal seinen Namen!", sagt Steffi und rührt in ihrem Kaffee. Ich bestelle mir erstmal ein Bier.
Sie kennt mich eben nicht anders, denke ich und sage ihr, wie man seiner Mutter sagt, dass man genügend Mathe gelernt hat: "Steffi, mir geht's gut wirklich!" und blicke zu Boden. Seit ich wieder Jungs kennenlerne, seit ich wieder ausgehe, wieder Spaß habe und seit ich in einem Club stehen kann, ohne an ihn zu denken, seit mich nicht mehr jede Ecke, jeder Song und jeder Film an ihn erinnert, seit ich nicht mehr jede Gefühlsregung und jede Veränderung in meinem Leben automatisch und augenblicklich ihm erzählen möchte, ist mein Leuchten zurück!
Ich war wie erloschen, hatte keine Lust am Sein, keinen Spaß am Atmen und keine Kraft zum Werden. Aber nun ist es wieder mein Leben, nicht mehr unseres. Ich bin gerne ein Ich, das Wir hatte mich gefressen.
"Willst du nicht einmal irgendeinen der Typen wiedersehen?", fragt Steffi. "Wie kannst du einfach gehen - ohne Telefonnummer und ohne eine weitere Verabredung?" - "Ich will keine Telefonnummern und keine Dates, ich will Spaß. Und mir geht's gut dabei. Irgendwann bleibe ich auch wieder an einem kleben. Und bis dahin geht's mir super!"
"Nun gut", sagt meine Freundin so wie man einem Kind sagt "Aber sicher war das die Zahnfee!" Ich lächele, das ist nunmal mein Leben. Ich drücke sie kurz und gehe an der Bar vorbei Richtung Raucherecke. Irgendwie lassen mich ihre Worte nicht los. Sie macht sich Sorgen um mich, ich stecke mir eine Zigarette an und denke nach: Vielleicht hat sie recht und ich sollte auf die Bremse treten, grübele ich. Ich drücke die Kippe aus und gehe zurück. Auf dem Weg fällt mir der Barkeeper auf, er strahlt mich an und zwinkert. Ich zwinkere zurück - leuchten macht Spaß!

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    Ich mag deinen Text und deine Einstellung ist ja nu auch nich die schlechteste ;) Man lebt nur einmal und da gibts dann eben veschieden Phase, wäre doch schade um die, die man auslässt, gerade wenn sie anscheinend so viel Spaß macht und besser als sich von einer Beziehung gleich in die nächste zu stürzen. Am aller Besten ist aber natürlich das letzte Kommentar hier drunter :D Da hab ich mich echt weggehauen ;D

    09.11.2009, 22:01 von dieses.kind
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    Anstrengend? Quatsch, lustig ist es und abwechslungsreich. Anstrengend sind nur die Momente, in denen ein schwerer Kopf sagt "Was hast du bloß wieder getan"? Und ganz doof sind die Erlebnisse, von denen man sicher ist, dass sie komplett unnötig waren.

    08.12.2008, 10:36 von Jubeljulia
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    Je weniger lange (bzw. je schlechter) man sich kennt, umso weniger weiß man, "wie das enden soll". Diese Rhetorik fällt auf den Sorgenträger selbst zurück - es ist ein sorgenvolles Nichternstnehmen des Gegenüber.

    Klarer ausgedrückt: der Satz "Ich weiß nicht , wie das enden bla bla..." ist absolute Gülle.

    06.12.2008, 03:25 von LudwigMartin
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    Leuchten macht Spaß!!

    da gehe ich ohne bedenken mit!
    *smile*

    04.12.2008, 17:20 von RedSonja
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    Cool, gefällt mir :-) Recht hast du.

    04.12.2008, 14:59 von HisHiasness
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    Nur um das klar zu stellen: Es geht um Frankfurt am Main!

    04.12.2008, 14:13 von Jubeljulia
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