GartenVonGettis 30.11.-0001, 00:00 Uhr 11 5

Kannst du das mit dem perfekt mal lassen?

Ich reiche dir das Fernglas. Aber du zweifelst nicht. Nicht an mir, nicht an dir, nicht an uns. Warum?

Tausendunddrölfmal habe ich es mir schon vorgenommen. Mindestens. Und es nie geschafft. Wie kommt das?

Wenn ich alleine bin, dann ist mir doch alles klar. Also klar eigentlich nicht, aber es ist zumindest so, dass alle meine wirren, verknoteten Gedankengänge irgendwann in eine bestimmte Richtung weisen. Eine Richtung, die ich eigentlich nicht wahrhaben will, die ich ignorieren möchte, die so falsch erscheint.

Das geht nicht mit uns.


Am Anfang habe ich mir wie ein kleines Kind die Augen zugehalten und so getan, als wäre sie nicht mehr da, wenn ich sie nur nicht sehe.
Ich habe mich auf den Kopf gestellt und nach anderen Perspektiven gesucht.
Mich im Kreis gedreht, um die Orientierung zu verlieren und die Richtung vergessen zu können.
Ich habe ihr demonstrativ den Rücken zugedreht, um ihr zu zeigen, dass ich sie ignorieren werde und sie besser gehen soll. Weg, weg aus meinem Leben.

Aber im Endeffekt hat nichts davon gereicht.
Wenn ich die Augen öffne, ist sie immer noch da.
Wenn die Welt aufhört sich zu drehen, finde ich die Orientierung wieder und habe die Richtung nicht vergessen, auch wenn ich es wollte.
Wenn ich über die Schulter linse, sehe ich, dass sie bleibt, unbeeindruckt von meiner Ablehnung und standfester als ich es je sein könnte.
Und wenn ich ehrlich bin, muss ich nicht einmal hinsehen, um zu wissen, dass sie da ist und dass sie bleibt. Ihre Anwesenheit ist wie ein kalter Hauch, der meinen Nacken streift und mich immer wieder daran erinnert, dass sie stärker ist als ich.

Und manchmal bin ich dann bereit nachzugeben. Manchmal auch entschlossen, fast schon überzeugt. Ich setzte mir eine Deadline, zähle leise den Countdown, lege die Worte zurecht, nehme in Gedanken Abschied und denke, dass ich soweit bin. Ich atme dich tief ein, um dich nie mehr auszuatmen. Weiß, dass das der Moment ist, den ich bewahren muss, weil ich keine weitere Chance haben werde, wenn die Worte erst ihren Weg gefunden haben. Ich weiß, dass es keine andere Möglichkeit gibt: Ich muss dich verlieren.
Und ich mache den ersten Schritt auf dich zu.
Und dann, spätestens dann, fällt alles in sich zusammen.

Ich sehe dein Lächeln, das dich heller scheinen lässt, als alles andere.
Ich sehe deine Wimpern, die so traumhaft schwarz sind, wenn du morgens aus der Dusche kommst.
Ich sehe deinen Blick, der mich so ruhig, so ehrlich, so liebevoll ansieht.
Und in dieser Sekunde habe ich bereits alles vergessen, was ich doch gerade endlich verstanden hatte.

Ich weiß nicht mehr, wo die Richtung ist, die doch so offensichtlich richtig war und deren Anwesenheit so präsent ist, wenn ich alleine bin
Wenn du da bist, ist das anders.

Du bist so positiv, dass selbst der kalte Hauch in meinem Nacken plötzlich warm, weich und wunderbar wirkt.
Ich lasse mich fallen, lausche deiner Stimme, fühle deine Hände, genieße deine Hitze. Ich höre auf zu denken. Und ich sage sie nicht, die Worte wegen denen ich gekommen bin. Ich kenne sie nicht einmal mehr. Ich falle nur noch.

Aber sobald zu weg bist, sind sie wieder da. Das geht so schnell. Und mit jeder Sekunde wir der Hauch kälter, intensiver, deutlicher.
Jedes Mal.

Ich meine, ich weiß das vorher.
Versuche, mich darauf vorzubereiten.
Kann es nicht.

Und dann überlege ich mir, dass das so nicht geht.
Dass ich dich nicht sehen darf, damit ich den Überblick behalte.
Der ist wichtig.


Und ich zeige dir, wie eisig der Hauch in meinem Nacken ist.
Mit jedem meiner Worte versuche ich zu transportieren, wie es mir damit geht.
Wie kalt es manchmal ist.
Ich schreibe dir und versuche dir zu zeigen, was ich sehe. Welche Richtung.
Ich reiche dir das Fernglas.

Aber du machst einfach nicht mit.
Du zweifelst nicht.
Nicht an mir, nicht an dir, nicht an uns.
Warum?

Ich dachte immer, dass ich das gut kann.
Offensichtlich schlecht sein. Kalte Schauer verbreiten. Worte sprechen lassen.

Aber du gehst nicht darauf ein.
Du streitest dich nicht mit mir.
Du schweigst und schlägst mich dann mit deiner verdammten Art, so ruhig, ausgeglichen und perfekt zu sein.
Ich schaffe es nicht mal, dass du böse auf mich bist.

Dein Vertrauen ist unerschütterlich und hält mir einen Spiegel vor Augen, der mich die Ungerechtigkeit meiner Zweifel erkennen lässt.
Und um alles noch schlimmer zu machen, lächelst du mich liebevoll an.
Ich  gebe auf, atme erschöpft aus und verliere mich in deinen Wimpern.
Zum tausendundtrölften Mal.


Tags: Zweifeln, Lieben, Kämpfen, perfekt
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11 Antworten

Kommentare

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  • 2

    Ich raff offen gestanden nicht, worums geht.
    Und das will was heißen...

    28.12.2014, 11:06 von sailor
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      Keinen anerkannten. Hast du ein Toleranz-Problem?

      27.12.2014, 01:15 von GartenVonGettis
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    • 0

      Aha, welch qualifizierter Kommentar :*

      27.12.2014, 19:11 von GartenVonGettis
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    • 0

      Trölf ist aber wirklich schlimm!

      28.12.2014, 22:29 von FrauKopf
  • 1

    Sprichst du aus eigener Erfahrung? Mich interessiert das sehr, denn verstehen kann ich es noch nicht ganz, ist sie dir denn dermaßen zu perfekt dass du glaubst ihr nicht würdig zu sein?

    26.12.2014, 16:35 von Snowlove
    • 0

      Es geht eher darum, dass...sagen wir mal "äußere Umstände" schuld sind. Also Faktoren, die nichts mit der Person zu tun haben, die man liebt, sondern mit ganz anderen Dingen oder mit einem selbst. So, dass man das, was einem "eröffnet" wird vielleicht gar nicht in gebührender Weise würdigen kann.

      mag vielleicht unverständlich klingen, tut mir leid.

      27.12.2014, 01:13 von GartenVonGettis
    • 0

      Mir hat es gefallen, sehr sogar dass ich es jetzt verstehe und ich es auch persönlichlich nochmal wissen wollte, merci

      13.01.2015, 00:18 von Snowlove
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