alwaysthinking 03.05.2012, 23:58 Uhr 2 3

Kalter Krieg

Wir können nicht miteinander. Aber weil wir auch nicht ohne einander können, kämpfen wir einfach gegeneinander. So einfach ist das.

Das mit uns zwei, das war ein Kampf. Ein langer und harter, der viele Opfer verlangte. Aber vor allem war er –wie jeder Krieg – unnötig und sinnlos.

Es war ein ewiges Auf und Ab. Mal haben wir uns ziemlich gut verstanden, waren richtige Freunde, stritten uns nur um uns danach wieder vertragen zu können. Danach wurde uns beiden bewusst, dass da mehr als Freundschaft ist und wir gingen einen Schritt weiter. Doch der Schritt nach vorne war stets ein zu großer gewesen, wir konnten den damit eintretenden Veränderungen nicht standhalten, waren zu schwach dazu. Wir fädelten Intrigen ein, um so den andern wieder brutal abzuschießen und zu zerstören. Weil das im Krieg nun mal so ist –der schwächere verliert, der stärkere gewinnt. Hierbei war der Starke immer der falsche und unehrliche und der „schwache“ der, der mehr fühlte als der andere. Weil wir aber so „besonders“ waren, spielten wir beide des öfteren dieses Spiel und wechselten dabei auch gerne die Rollen. So wurde uns wenigstens nicht langweilig.

Die Waffen, mit denen wir gekämpft haben, waren alles andere als fair und gerecht. Wir stritten nicht nur an Land, sondern auch zu Wasser. Überall spielten wir dieses falsche Spiel. Durch Intrigen und Lügen versuchten wir den andern immer wieder für sich zu gewinnen, ihn an Bord zu holen, Richtung Festland. Wofür? Den ganzen Aufwand taten wir uns nur an, um uns dann gegenseitig zurück ins kalte Wasser zu stoßen, sich dann zwischendurch kurzzeitig zu retten und um danach erneut dasselbe Fallen-lassen prozedieren zu können. Immer  wieder.

Eine Zeit lang haben wir uns mit Sätzen bekämpft. Mit bösen Worten, gemeinen Aussagen. Ein anderes Mal gab es diesen Wettkampf, in dem wir eigentlich befreundet waren, in dem wir konkurriert haben, wer von uns zwei schon mehr schlimme Dinge erlebt hat. Jeder wollte beweisen, er habe das grausamste Leben. Dann wieder bekriegten wir uns mit Hilfe von Ignoranz und undefinierbarer Kaltherzigkeit. Wir fanden so viele Wege uns zu bekämpfen, wie es wohl keiner für möglich gehalten hat.

Es wurde berichtet, dieser ganze kalte Krieg finde nur statt, weil wir einfach zu unterschiedliche Meinungen vertraten. Der Krieg könnte jede Sekunde exkalieren und alles zerstören. Das sagten sie alles über uns. Letzten Endes war es aber nicht allein diese Meinungsverschiedenheiten, die uns so aufeinander loshetzten, sondern die Tatsache, dass wir beide einsame Seelen waren, die auch der Suche nach „mehr“ waren und es immer noch sind. Wir hofften in dem anderem diese Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit, Vertrautheit irgendwann zu finden. Und irgendwie haben wir das auch. Zwischen den ganzen verlorenen oder auch selten gewonnen  Kämpfen, Problemen, Machtkämpfen, stummen Sätzen, schreienden Gedanken, da fanden wir etwas, das all dem ziemlich ähnelte. Kurzzeitig war da diese Nähe und Vertrautheit; Wenn wir für eine Nacht lang Frieden geschlossen hatten, lag da irgendetwas Undefinierbares in der Luft. Ich weiß nicht, ob es wirklich Liebe war, nein, das bezweifle ich. Aber es war ein Gefühl, dass all dem ziemlich nahe war. Das weiß ich. Und du weißt es auch. Aber das wäre zu langweilig und zu kitschig für zwei Hurrikane wie wir es sind.


Wir können nicht miteinander. Aber weil wir auch nicht ohne einander können, kämpfen wir einfach gegeneinander. So einfach ist das.

 

(Wenn wir uns nur ein einziges Mal richtig und von Grund auf ehrlich ausgesprochen hätten …)

3

Diesen Text mochten auch

2 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    wie wahr!

    05.05.2012, 00:43 von violett84
    • Kommentar schreiben
  • 1

    Klingt nach posttraumatischer Belastungsstörung

    04.05.2012, 10:06 von EliasRafael
    • Kommentar schreiben
  • Satt, aber sexy

    Vergiss die Clubs der Hauptstadt, vergiss die Galerien – die wildeste Party Berlins findet ganz woanders statt: in den Straßen, auf den Tellern.

  • Auffällig unauffällig

    Spezielle Schminktechniken sollen Gesichtserkennungssoftwares überlisten. Doch wie unsichtbar macht dieses sichtbare Make-Up wirklich?

  • Wie siehst du das, Heinrich Holtgreve?

    Jeden Mittwoch interviewen wir NEON-Fotografen. Auf unsere 10 Fragen dürfen sie uns nur mit Bildern antworten.

Neu: NEON für dein iPad!

Neueste Artikel-Kommentare