jule.th 25.08.2015, 17:54 Uhr 1 3

(k)ein Liebesbrief

Normalerweise schreibe ich keine Liebesbriefe, womöglich ist es auch gar keiner, such dir selbst aus, was es für dich ist.

Verloren laufe ich durch meine Wohnung, zwischen Küche und Wohnzimmer hin und her. Ich fühle mich leer und gleichzeitig zerspringt mir fast der Kopf vor lauter Gedanken. Fast schon wie gelähmt habe ich seit Wochen den gleichen Gesichtsausdruck.

Langsam setze ich mich, mit meiner Kaffeetasse in der Hand, auf die Seitenlehne meiner Couch und schaue zu dir rüber. Mit der Gewissheit während meines Monologs einen Kloß im Hals zu bekommen, nehme ich präventiv einen Schluck von der kalt gewordenen Plörre. 
Du fehlst mir. Du und deine lahmarschige Art, die irgendwie beruhigend ist und mich zur Weißglut treibt. Du und deine witzig großspurigen Sprüche und dein abwartender Blick mit einem Grinsen dazu, wie ich wohl auf diese Unverschämtheit reagieren werde. Du und deine unverwechselbare Art und Weise alles, aber wirklich alles mit Zewa wegzuwischen. Mir fallen noch mindestens zehn andere Dinge ein. 
Ich sehe dich an. Meine Augen werden feucht und fangen an zu brennen. Aus heiterem Himmel warst du dann weg. Bräuchtest Zeit für dich, hast du gesagt und du wüsstest nicht was du fühlst, aber es sei eigentlich so perfekt mit mir. Es hat mich getroffen wie ein Schlag ins Gesicht. Völlig fassungslos und völlig hilflos ließ ich diese Worte über mich ergehen und versuchte in unserer gemeinsamen Zeit irgendeinen Hinweis zu finden, der diesen Schritt angedeutet hatte. Ich konnte keinen finden. Stattdessen strahlst du mich in meiner Erinnerung an dich an. Du sahst so glücklich aus, so angekommen, so zufrieden. Du hast mir sehr lange eine Sicherheit gegeben, die ich nicht beschreiben kann, eine, die ich auch nie einfordern musste, eine, die mich dir blind vertrauen ließ. Immer und immer wieder muss ich daran denken, wie du mich angesehen hast und frage mich dann, ob du wirklich so glücklich warst wie du schienst und warum das allein nicht ausgereicht hat oder ausreicht. 
Wieder nehme ich einen Schluck. Du hast mir verdammt nochmal das Herz gebrochen. Das spreche ich aber nicht aus. Ich will dir keine Schuldgefühle aufbürden, dass du diesen Schritt gegangen bist. Ich will auch nicht an dich appellieren, will dich nicht kritisieren oder anbetteln. Nichts davon erscheint mir angebracht. Nur du allein kannst zu uns zurückfinden. Zu etwas sehr Wertvollem, zu etwas, das dir womöglich einfach Angst macht - oder auch nicht. Vielleicht ist das auch Wunschdenken.
Angestrengt sehe ich in deine Richtung. Dein Anblick verschwimmt, ich muss mich konzentrieren um das Bild aufrecht zu erhalten. 
Ich denke an die Höhepunkte unserer Beziehung. Es waren nicht die außergewöhnlichen Dinge, es war der Alltag mit dir. Es war das Aufwachen neben dir, das Nichtstun, das Einkaufen - ich hasse einkaufen - und das dir beim Fußball Zusehen. 

Wieder sehe ich hinüber. Ich wünschte du wärst wirklich hier. Ich weiß gar nicht, ob ich möchte, dass du das hier liest. Aber irgendwie will ich es schon. Normalerweise schreibe ich keine Liebesbriefe, womöglich ist es auch gar keiner, such dir selbst aus, was es für dich ist - solltest du das je zu Gesicht bekommen. Aber falls du es liest, weißt du ja, dass ich immer noch hier bin und irgendwie auf dich warte.

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Kommentare

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    Nicht immer ist Warten eine gute Idee... Leider.

    Kenne ich auch diese Situation. Schön geschrieben.

    27.08.2015, 19:22 von k.thrin
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