heretostay 17.11.2013, 15:01 Uhr 0 1

Jugendliebe bricht . . . oder nicht?

Eine große Liebe, eine verlorene Liebe. Hätte ich doch nur einmal all meinen Mut zusammengenommen und mich nicht hinter der Wahrheit versteckt.

Ein einziges Mal war ich bisher verliebt. Und ich glaube, ich bin es immer noch. Man sagt, dass man seine Jugendliebe, seine erste große Liebe, niemals vergessen wird. Das kann ich bestätigen. Der Unterschied zu meiner Jugendliebe und der anderer liegt darin, dass ich nie mit ihm zusammen war. Ich war und bin heimlich verliebt und das seit nun mehr als sieben Jahren. Seitdem bin ich nicht wieder verliebt gewesen und ehrlich gesagt, kann ich mir auch noch immer nicht vorstellen, dass ich mich in jemand anderen verlieben könnte, ehe ich nicht ihn vergessen habe. Doch wie soll das funktionieren? Fünf Jahre habe ich versucht, ihn zu vergessen. Die zwei davor haben wir uns fast jeden Tag gesehen. Ich habe mir Szenen ausgemalt, Fantasieschlösser gebaut, ihm Songs geschrieben und letztlich, nachdem ihn mir das auch nicht näher brachte, versucht, ihn aus meinen Gedanken zu verbannen. Doch es half alles nichts. Jetzt sitze ich nach sieben Jahren immer noch alleine hier und trauere einer Liebe nach, die vermutlich nie erwidert wurde und es nie wird.
Anfangs hielt ich es für eine verträumte Schwärmerei. Ich war schließlich erst 16, als ich ihn kennenlernte und hatte bisweilen keine Erfahrung mit Männern gemacht. Doch die Tatsache, dass ich ihn jeden Tag sah, vergrößerte meine Schwärmerei nur, sodass sie heranwuchs zu etwas, was man Liebe nennt. Ein Gefühl, dass ich nie gekannt hatte und dass sich schnell in Liebeskummer verwandelte. Ich war schüchtern, ängstlich, mutlos. Ich hatte mich nicht getraut, ihn auch nur einmal anzusprechen. Insgeheim hatte ich natürlich darauf gehofft, dass er mich ansprechen würde, doch dazu kam es nie. 2 Jahre schwiegen wir uns an, bis auf ein paar triviale Gesprächsfetzen, 2 Jahre, in denen er jeden Tag hinter mir saß, ich ihn aus der Ferne anstarrte, mich nach ihm sehnte. Dabei kannte ich ihn gar nicht. Er war ruhig und verschlossen, sprach nie mit irgendwem außer seinem Banknachbarn und Rauchkumpanen. Ich kann mir bis heute nicht erklären, wie ich mich jemals in jemanden verlieben konnte, der mir so fern war, von dem ich nicht eine Silbe wusste.
Nach dem Unterricht bin ich jeden Tag den gleichen Weg gelaufen wie er, obwohl es ein Umweg war. Ich lief weit hinter ihm, wollte ihn aus der Ferne anstarren und dabei nicht bemerkt werden. Bemerkt wurde ich leider nie. Ich fühlte mich unsichtbar, hielt mich für das hässliche Entlein, von dem niemand etwas wissen wollte. Heute bin ich selbstbewusster, würde mich vielleicht sogar trauen, ihn anzusprechen. Doch dafür ist es zu spät. Ich habe ihn seit fünf Jahren nicht gesehen, habe keine Ahnung, wo er nun wohnt, ob er vielleicht sogar eine Freundin hat. Der Gedanke tut weh. Mir ist lediglich ein Foto geblieben, das ich seitdem immer wieder hervorhole und anstarre. Doch da ich immer noch zu feige bin, einfach nach ihm zu suchen, um ihm dann aus dem Nichts meine Liebe zu gestehen, von der ich noch nicht mal weiß, ob sie auch dann noch anhalten würde, wenn ich ihn tatsächlich einmal hätte, verharre ich lieber weiter in Stillschweigen und hoffe weiterhin auf eine zufällige Begegnung. Eine, von der ich mir ausmale, wie sie ihn überrascht und umhaut aufgrund der Veränderung, die ich in den letzten Jahren durchlaufen habe. Denn ich fühle mich nicht mehr wie das hässliche Entlein von damals. Und vielleicht wäre ich dann auch nicht mehr unsichtbar für ihn.

1

Diesen Text mochten auch

0 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  •  

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare