unicorna 18.07.2007, 10:40 Uhr 3 4

Ja, ich will

Heiraten, das ist nur was für alle anderen. Dachte ich.

Manchmal war ich ein bisschen neidisch auf diese anderen.
Wenn mal wieder eine Hochzeitskolonne mit Fähnchen,
Blumen und lautstarkem Hupkonzert an mir vorbei fuhr.
Oder ich zu Gast auf einer Hochzeit war und das vor Glück
fast überschäumende Brautpaar sah.
Oder als ich meine beste Freundin aus Kindertagen
nach der Zeremonie in ihrem wunderschönen,
cremefarbenen Kleid umarmte.
Aber ich? Heiraten? Diese „Für immer“ Nummer
abziehen mit Tränen, Brautstrauß in die geifernde
Menge werfen, einer riesen Show mit fünfstöckiger
Torte und nur-noch-den-und-keinen-anderen?
Romantische Vorstellung. Und völlig abwegig.
Dachte ich.
Bis ich den Einen traf, auf den ich nicht gewartet hatte.
Den Einen von dem ich glaubte, dass es ihn nicht gab.
Für mich.
Endlich beneidete ich diese anderen nicht mehr.
Die Paare, die irgendetwas so magisches teilten
und fühlten, dass sie dem Ganzen durch ihre
Heirat Ausdruck verleihen wollten.
Ich verstand sie.

Viele betrachten die Ehe als etwas antiquiertes.
Schließlich muss man heutzutage Gott sei Dank nicht
mehr automatisch mit demjenigen den Bund für´s
Leben eingehen, der einem zufällig den ersten echten
Kuss auf die unerfahrenen und neugierigen Lippen
gedrückt hat.
Ich betrachte die Ehe als etwas Besonderes.
Eben weil man nicht gezwungen wird, den Rest seines
Lebens mit einer bestimmten Person zu verbringen.
In diesem Land und in dieser Zeit haben wir den
wundervollen Luxus selbst auswählen zu können,
wen wir wollen und was wir wollen.
Jederzeit einen anderen haben können ist okay.
Wenn man das will.
Und ich, ja ich will.
Aber nicht die Auswahl.
Nicht die Freiheit, nach Belieben mit jedermann
tun zu können, worauf ich Lust habe.
Ich war auch noch nie ein Freund von
One Night Stands und aufreißen findet
bei mir eher im Zusammenhang mit einer
Tüte Gummibärchen statt.
Was ich will, ist Nähe und Geborgenheit.
Der fröhlich frivolen Abenteuerwelt ziehe
ich ein „warmes Nest“ ganz eindeutig vor.
Die Vergabe des „Exklusivrechts“ macht mir
mehr Spaß, als regelmäßig neue Erfahrungen
(und Männer) zu sammeln.
Paare, die schon seit vielen Jahren glücklich
verheiratet sind, habe ich schon immer mehr bewundert
als die Leute, die auf ihrem Eroberungskurs
schon mal den Namen der aktuellen Liebschaft verwechseln.

Natürlich braucht man für eine tolle Beziehung
keinen Trauschein. Im Gegenteil, bei manchen
geht es erst nach der Ehe richtig schief.
Aber ich denke das hängt davon ab, welche
Erwartungen man mit einer Ehe – und dem Partner –
verbindet.
Ein Stück Papier und eine hübsche Feier ist kein
Garant für ewiges Glück und eine gemeinsame
Zukunft. Der Meinung war ich immer und bin
ich nach wie vor.
Allerdings betrachte ich die Ehe durchaus
als ein Versprechen.
Nur habe ich mir für dieses Versprechen ein
realistisches Ziel gesetzt.
Realismus kann schrecklich unromantisch sein.
Doch er trägt dazu bei, am Ende tatsächlich
dort anzugelangen, wo man gemeinsam hin will.
Auf immer und ewig treu zu sein und für den Rest
seines Lebens mit dem Partner zusammen
zu bleiben kann niemand versprechen, der
dem anderen – und sich selbst – gegenüber
ehrlich ist.
Aber ich kann versprechen, dass genau das mein
Ziel und mein größter Wunsch ist.
Ich kann versprechen, dass ich mit genau diesem
einen Menschen leben und alt werden möchte.
Dass ich mein Herz und meinen Körper mit
keinem anderen mehr teilen will.
All das kann und will ich versprechen.
Und ich betrachte die Ehe bzw. Ringe
als ein Symbol.
Ein Symbol der Zusammengehörigkeit.
Ein Zeichen dafür, dass es jemanden gibt
mit dem mich mehr verbindet als mit irgendeinem
anderen Menschen.
Und es ist schön zu wissen, dass da eine
Person ist, die den gleichen Schmuck
mit der gleichen Aussage am gleichen Finger trägt.
Und das mit Freude und Stolz.
Es macht mir Spaß, jederzeit nach außen zu zeigen,
dass ich liebe und meine Wahl getroffen habe.
Die Wahl, wie ich mein Leben gestalten will.
Und mit wem.

Manche mögen es spießig nennen. Überholt.
Ich nenne es Glück.

Kann ich für den Rest meines Lebens auf einen
anderen Partner, einen anderen Körper, einen
anderen Geruch, eine andere Art, einen
anderen Geschmack, eine andere LIEBE verzichten?
Ich weiß es nicht.
Kann er es?
Vielleicht.
Wir wissen nicht, ob wir den Rest unseres Lebens
miteinander verbringen werden.
Aber wir wissen, dass wir uns ein gemeinsames
Leben wünschen.
Diesen Wunsch, dieses Ziel, möchten wir durch
die Heirat verdeutlichen, nicht herbeizaubern.
Soll man auf den Versuch verzichten,
nur weil es eventuell schief gehen könnte?
Definitiv nicht.
Kann es gut gehen?
Definitiv.
Will ich es versuchen?
Ja, ich will.

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3 Antworten

Kommentare

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    Ich mag die kleinen Wortspiele.
    "... und aufreißen findet
    bei mir eher im Zusammenhang mit einer
    Tüte Gummibärchen statt."

    17.10.2007, 03:24 von Souljabeatz
    • 0

      @Souljabeatz huch! ein lob von dir? achso, das wort "aufreißen" (hmm.. vielleicht doch "aufreissen") kommt in dem satz vor :)

      17.10.2007, 10:07 von unicorna
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    Deine Einstellung und somit der Text gefallen mir echt gut - wahrscheinlich weil ich das ähnlich sehe ;-)
    Wir haben nächsten Monat unseren 3. Hochzeitstag und ich habe keinen einzigen Tag bereut, geheiratet zu haben, auch wenn ich mir anhören musste, wie altmodisch und spießig das ist und überhaupt wäre es eine blöde Idee zu heiraten, weil die Ehe sowieso nicht hält (wird ja schließlich heutzutage jede 2. Ehe geschieden, da kann man es ja gleich lassen).

    Wir haben uns bewusst dafür entschieden zu VERSUCHEN! gemeinsam alt zu werden und in guten und schlechten Zeiten zusammen zu halten. Garantien gibt es für nix im Leben, auch nicht dafür, dass man ewig mit seinem Partner glücklich sein wird, aber jeden Beziehung braucht nicht nur Liebe, sondern auch viel Wille und Arbeit. Und Menschen, die mit dieser Einstellung heiraten (und nicht nur, weil sie schon immer mal eine Prinzessin sein und eine riesen Party haben wollten) sehen eine Ehe als ultimatives commitment und genießen wie du diese Form der Zusammengeörigkeit.

    18.07.2007, 11:33 von Issues
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