karamelljoghurt 30.11.-0001, 00:00 Uhr 2 0

It's a match.

Keine albernen Spielchen. Kein „du schreibst mir nicht, also schreibe ich dir auch nicht.“ Mit dir ist es entspannt. Unkompliziert.

Du bist plötzlich da. Und es fehlt mir, wenn du dich nicht meldest. Wir haben uns auf Tinder kennen gelernt. Ich habe mich aus Spaß und Neugierde dort angemeldet, ich wusste und weiß nicht, was ich dort eigentlich suche. Ich war enttäuscht von einem Mann, hatte eigentlich genug von euch Männern, suchte aber auch irgendwie Ablenkung und Bestätigung.

Also meldete ich mich bei Tinder an. Am Anfang klickte ich mich ständig durch die Profile, konnte gar nicht mehr aufhören. Es war einfach zu interessant zu sehen, wer da so angemeldet ist. Sich die Profile und die Bilder anzugucken. Matches zu sammeln. Dann schrieben mir die ersten Typen. Entweder ein einfaches „Hey“ oder „Du siehst sehr sympathisch aus, ich würde mich freuen, wenn du dich meldest.“ Nichts sexuelles. Ich weiß nicht, ob ich das gut oder schlecht finden soll. Ich bin nicht der Typ für One Night Stands, unverbindlichen Sex. Selbst eine Freundschaft plus oder irgendetwas in der Art wären mir zu locker. Eigentlich bin ich ein Beziehungstyp. Deswegen verstehe ich eigentlich gar nicht, warum ich überhaupt auf Tinder bin, was ich mir davon erhoffe.

Irgendwann habe ich mich mal wieder durch die Profile geklickt und da wurde mir deins angezeigt. Du sahst nett aus, relativ jung, gut, aber nicht mein Typ. Doch in deiner Beschreibung stand, dass du viel lachst und das dir gutes Essen wichtig ist. Und das du etwas Ernstes suchst. Das hat mich überzeugt. Also habe ich dich geliked. Du mich auch, denn mir wurde direkt ein Match angezeigt. Ich habe mich gefreut, aber nichts weiter gemacht. Meistens warte ich ab, bis ich angeschrieben werde.

Irgendwann hast du mir auch geschrieben. Und dich erstmal entschuldigt, dass du dich erst so spät meldest. Wahrscheinlich habe ich dir erst ein paar Tage später darauf geantwortet. Denn wenn ich dann mal mit jemandem auf Tinder schreibe, bin ich schnell genervt und habe keine Lust, zu antworten. Denn meistens laufen die Konversationen nach dem typischen Schema, „Woher kommst du, was machst du so, warum bist du auf Tinder?“, ab. Dann muss ich jedes Mal meine aktuelle Situation erklären. Abgebrochenes Studium, aber noch nichts neues angefangen, kurz: ich mache aktuell nichts. Mit dir ist direkt eine angeregte Unterhaltung entstanden, über unsere eingeschlagenen Lebenswege. Sofern man bei zwei 22-jährigen davon sprechen kann. Schnell stellen wir fest, dass wir beide gerne diskutieren. Du schlägst vor, die Plattform zu wechseln und in WhatsApp weiterzuschreiben. Wir schicken einige etwas längere Nachrichten hin und her, verstehen uns gut. Und dann kommt plötzlich eine Sprachnachricht von dir. Du klingst sympathisch. Ich mag deine Stimme. Und natürlich antworte ich dir mit einer Sprachnachricht.  Und so fängt alles an. Plötzlich sitzen wir da, nehmen für den anderen halbstündige Sprachnachrichten auf. Wenn wir die Nachrichten von dem anderen hören, sitzen wir mit Zettel und Stift da und notieren alles, was der andere gesagt hat, worauf wir unbedingt antworten wollen. Wir merken schnell, dass wir einige Gemeinsamkeiten haben und in einigen Punkten ähnliche Ansichten vertreten.

Natürlich kommt es irgendwann soweit, dass wir miteinander telefonieren. Nachts um kurz vor zwei. Bis um fünf. Am nächsten Tag treffen wir uns abends spontan. Es ist mein erstes Tinderdate. Ich wollte mich zwar noch mit zwei anderen treffen, hatte bei beiden aber kein gutes Gefühl, sodass ich die Treffen kurz vorher wieder abgesagt habe.

Doch bei dir hat es sich direkt richtig angefühlt. Ich war ein bisschen aufgeregt, als ich zum Treffpunkt gefahren bin. Ich hatte keine Angst, sondern war einfach nur gespannt, wie du „in echt“ sein würdest.

Wir trafen uns auf einem Parkplatz, und gingen einfach spazieren. Es war sehr kalt, aber wir sind einfach gelaufen und gelaufen. Irgendwann saßen wir dann in deinem Auto, in der Hoffnung, dass es dort ein bisschen wärmer sein würde.

Ich war mit der Situation überfordert. Du sahst da gegenüber von mir, hast mir in die Augen geguckt, und ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich konnte einfach nur lächeln. Und habe immer wieder gesagt, dass ich nicht weiß, was ich sagen soll und wie komisch die Situation gerade ist. Solche Momente hasse ich. Wenn ich das absolute Gegenteil von redegewandt bin. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was du wohl von mir denken würdest.

Irgendwann haben wir uns dann voneinander verabschiedet und uns zum Abschied kurz umarmt. Im Auto hast du gesagt, dass du zwar auch schon beim ersten Date rumgeknutscht hast, aber auch gerne „jagst“. Also lasse ich mich jetzt von dir jagen und versuche, es dir nicht allzu einfach zu machen.

Nach unserem Treffen habe ich dich anscheinend nicht total verschreckt, und wir haben uns noch zweimal getroffen, und uns natürlich immer weiter geschrieben und Sprachnachrichten geschickt. Ich mag dich sehr gerne. Ich habe das Gefühl, dass ich bei dir so sein kann wie ich bin, dass ich mich nicht verstellen muss. Ich mache mir keine Gedanken, was du von mir denken könntest, wenn ich dieses oder jenes sage oder schreibe. Ich mache es einfach. Und es fühlt sich gut an.

Wenn du dich mal längere Zeit nicht meldest, weil du gerade beschäftigt bist, weiß ich, dass das okay ist und du mir antwortest, sobald du Zeit hast. Keine albernen Spielchen. Kein „du schreibst mir nicht, also schreibe ich dir auch nicht.“ Mit dir ist es entspannt. Unkompliziert. Das erste Mal, dass ich mich bei einem Mann nicht total stressen lasse. Ich lasse es einfach auf mich zu kommen und genieße es. Es fühlt sich gut an und ich will mehr davon.


Tags: Tinder
2 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    .....und wie ist die Geschichte ausgegangen? Immer noch auf Tinder angemeldet?:D Die Geschichte scheint sich zu verdichten..... ;)

    27.12.2018, 19:39 von mrcloudless
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Und dann kommt plötzlich eine Sprachnachricht von dir. Du
    klingst sympathisch. Ich mag deine Stimme. Und natürlich antworte ich dir mit
    einer Sprachnachricht.  Und so fängt
    alles an. Plötzlich sitzen wir da, nehmen für den anderen halbstündige
    Sprachnachrichten auf. Wenn wir die Nachrichten von dem anderen hören, sitzen
    wir mit Zettel und Stift da und notieren alles, was der andere gesagt hat,
    worauf wir unbedingt antworten wollen. Wir merken schnell, dass wir einige
    Gemeinsamkeiten haben und in einigen Punkten ähnliche Ansichten vertreten.


    Natürlich kommt es irgendwann
    soweit, dass wir miteinander telefonieren. Nachts um kurz vor zwei. Bis um
    fünf.


    "früher hat man gleich telefoniert. jetzt goibts die möglichkeit dieser sprachnachrichten. sieht zwar aus wie scheiße  beim aufnehmen (handy unten vom mund weghalten), aber scheint ne neue stufe nervenkitzel beim flirten darzustellen.

    so kann sogar ich oldie das verstehen.

    26.11.2016, 17:15 von libido
    • Kommentar schreiben

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare