sabbelwasser 30.07.2006, 11:41 Uhr 7 1

„Ist was?“

„Nein“ sagst du. „Nichts.“ Und sitzt weiter stumm neben mir im dunklen Auto.

Mein Magen fühlt sich seltsam an. Angst. Komisch, dass sich Angst und Verliebtheit so ähnlich sind. Ich weiß, wo dieses Spiel aus meinen Fragen und deinen Ausflüchten enden wird. Vielleicht könnten wir diesen Teil einfach überspringen? Mir wird er wehtun und du windest dich in Feigheit.

Stattdessen sitzen wir uns an deinem Küchentisch gegenüber und spielen weiter. Bis du endlich damit rausrückst. Du hast dich in eine andere verliebt. Das kommt vor. Als ob mich jemand mit der Faust in den oberen Bauch geboxt hätte, sitze ich zusammengekrümmt da. Sitze und lausche deinen Worten.

Nachdem du beschlossen hast, dass doch „etwas“ ist, verfügst du wieder über einen Wortschatz, der über „Nichts“ hinausgeht. Detailliert erklärst du mir, warum SIE toller ist als ich. Eigentlich bin ich doch aus der Nummer raus? Ich finde, ich hab jetzt nichts mehr mit deinem Gefühlsleben zu tun.

Wie durch Schaumstoff höre ich dich reden. Nach Spanien möchtest du mit ihr auswandern. Ein anderes Leben leben. Aufregender soll es sein und mit IHR könnte das klappen. Während ich versuche, meinen Brechreiz in den Griff zu bekommen, sendet meine Restlogik Fragen an mein Hirn.

Aufregender? Anders? Spannender soll es sein? Erzählt mir der Mensch, der kaum aus dem Bett zu bewegen war? Nicht, weil wir pausenlos in Ekstase übereinander hergefallen sind. Wenn du nicht geschlafen hast, hast du versucht, Fernsehserien auswendig zu lernen. Oder du hast zur Hintergrunduntermalung des Fernsehers geschlafen.

In meiner Erinnerung war ich diejenige, die pausenlos versuchte, dich zu irgendeiner Aktivität zu bewegen, weil ich schon Angst hatte, mich wund zu liegen. Immerhin habe ich die Fähigkeit entwickelt, auch zu Vera am Mittag schlafen zu können. Aber in der Erinnerung wird einiges geschönt, verzerrt, verändert.

Also wünsche ich dir einfach viel Spaß in deinem zukünftigen Leben. Ohne mich. Mit mehr Spannung. Meine masochistische Ader lässt mich dich dann doch noch fragen, wer diese wundervolle Frau ist. „Maria“ antwortest du. Und ich muss lachen. Scheinbar weiß ich mehr von ihr als du. Von deinem Aussteigertraum mit ihr trennt dich nur ihre langjährige glückliche Beziehung.

Zwei Wochen später scheint dir dieser Haken bewusst geworden zu sein. Entschuldige, aber: No U-Turn. Mir ist nämlich aufgefallen, dass es spannenderes gibt, als eine Beziehung mit dir.

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7 Antworten

Kommentare

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    muahaha....;P

    09.08.2006, 23:31 von Tiara
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    ich kann dich verstehen aber ist dieses gefühl was du beschreibst immer nur ein kuirzer moment das man so denkt

    01.08.2006, 14:50 von DasWasichBin
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    Wow, das hat aber einer Feingefühl und Sinn für Realität. Ich bewundere deine Ruhe dabei und umso mehr freut mich, dass der Herr doch noch über seine eigenen Beine gestolpert ist ;-)

    31.07.2006, 13:16 von Connyi
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    wunderschöne beobachtung. und die wut, die durch die zeilen kommt, ohne aber direkt angesprochen zu werden.. die szenen mit dem fernseher haben mich gebissen. toller text!

    31.07.2006, 00:59 von beenerin
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    Egal ob fiktiv oder echt, dir klebt beziehungstechnisch schon heftig an der Sohle. Kann man nur gute Besserung wünschen. Ein angenehmeres Gefühl. Ein wunderbares Erlebnis? Ach nein. Das läuft bei dir Gefahr, eventuell zerfieselt zu werden. :) Andersrum: Sei froh! Partnerschaftlich unglücklich zu sein, macht kreativ. Heißt es. Hmmm. Ich geh mal eben Kippen holen. Blöd, dass ich gar nicht rauche.
    zz.

    30.07.2006, 20:56 von zzebra
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    ja.... man sollte nie ueber der Haerte des Lebens verzweifeln, man weiss nie, was sie uns lehrt :)

    30.07.2006, 18:31 von la_mai
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