King-Lube-III 24.11.2008, 08:09 Uhr 3 6

In my bedroom

Ich höre nicht hin, was du sagst, ich höre dir zu, wie du es sagst.

_Du bist in meinem Zimmer, durchstöberst meine Bücher und CDs und ich habe Angst, du könntest bemerken, dass wir die gleichen Bücher lesen. Wenn du es entdeckt hast, so lässt du es dir nicht anmerken. Ich frage, ob ich eine CD auflegen soll und du nickst. Als die Musik erklingt, greifst du nach der Hülle und wendest sie zwischen deinen Fingern. Dein Ausdruck schwankt zwischen mitleidig und froh. Ich erzähle dir von der großen Bücherwand, den vielen ledernen Buchrücken, ihren schwungvollen Prägungen und dem zarten Blattgold, das manche Schrift ziert. Deine Augen verdrehen sich ins Träumen und du setzt dich mehr mechanisch, als beabsichtig neben mich. Unsere Hände berühren sich zufällig. Erschrocken will ich sie zurückziehen, aber ich überwinde mich und lasse sie liegen, streiche mit meinem Daumen über deinen weichen Handrücken. Ich weiß, wie viel Überwindung es dich kostet, diese Berührung zuzulassen, deshalb ist sie so wertvoll. Du siehst mich an und sagst etwas. Ich höre nicht hin, was du sagst, ich höre dir zu, wie du es sagst. Ich mag den Klang deiner Stimme, deinen Ausdruck, deinen Akzent. Ich fische nach den Worten, die du mir sagen willst, aber die du nicht sagst. Deshalb höre ich dir nicht zu. Du rückst ein Stück näher, aber es ist noch immer ein halber Meter zwischen uns Platz. Und jetzt spüre ich, wie ich mich nach deiner Schulter sehe, nach deiner Nähe und deiner Wärme, wie ich mich nach deiner Wange sehne, die kaum merklich meine Wange berührt. Du sprichst mit dem Herzen und mit deiner Seele und deshalb warst du nie glücklich, weil niemand in der Lage war dir zuzuhören. Sie sahen dir nur in dein hübsches Gesicht und glaubten, was du ihnen erzähltest, obwohl dein Herz eine ganz andere Geschichte meinte. Auch ich schaue in dein hübsches Gesicht. Ich mag deine bunten Augen, deine schmale Nase, deine rauen Lippen und dein spitzes Kinn und vor allem mag ich deine Aura, die ich spüre, wenn meine Wange ganz nah an deiner ist und ich mag deinen Augen auf den Grund sehen, weil ich mich dort erkenne, wie du mich wirklich siehst. Den letzten halben Meter zu dir muss ich überwinden, aber nicht heute. Dein Herz braucht Zeit sich an die Nähe zu gewöhnen. Zulange hat niemand mit ihm gesprochen und nun fürchtet es sich. Aber ich merke schon, wie es verschämt lächelt, wie ein staunendes Entzücken, wenn im Frühjahr der erste Sprössling den harten Boden durchbricht...

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3 Antworten

Kommentare

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    "Du sprichst mit dem Herzen und mit deiner Seele und deshalb warst du nie glücklich, weil niemand in der Lage war dir zuzuhören."

    Das ist gut!

    26.11.2008, 20:11 von kleinepiratin
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    finde ich gut!

    24.11.2008, 09:21 von marco_frohberger
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