herz.ist.trumpf. 13.08.2010, 21:28 Uhr 5 6

In der Hoffnung, das Zeiten sich ändern

Die Möglichkeit Gefühle zu teilen, ist ein Privileg. Dein Recht dazu würde ich dir niemals absprechen. Selbst wenn es mit ihr ist.

Du öffnest das Marmeladenglas, du isst morgens nie süß, aber anders muss man es mal machen und du hast es schließlich versprochen. Dann denkst du an mich, an mein Lieblingsnachthemd, welches ich in den Nächten trage, in denen ich gemütlich bin, zu früh einschlafe.

Wenn du dann die Augen schließt und lächelst, betrete ich die Küche, schaue auf die frischen Semmeln, dann direkt in dein Gesicht, suche den Tisch ab.

Ich suche nach den Resten der letzten Nacht, nach den dreckigen Rotweingläsern, nach Kerzenwachs und vollen Aschenbechern. Du leckst den Löffel mit der restlichen Marillenmarmlade ab, wartest auf Worte.

Ich gebe dir keine. Ich kann dir keine geben, sie sind verschwunden, mein Kopf nur voll mit Bildern, mit Bildern von letzter Nacht, von den vollen Gläsern, meiner Balkontür, die beim Öffnen so laut knarrt, immer wenn jemand rauchen geht.

Es ist dir nicht egal, das merke ich, du schiebst einen Stuhl zurück, damit ich mich setzten kann, ich bezweifle dass ich das will, setzte mich dennoch. Es geht dir nicht gut, dass sehe ich an den Ringen unter deinen Augen, deinen Blick, der in die Leere geht, sich um mich bemüht. Während ich aufstehe, mir Müsli mache, fängst du an zu reden. Du hast das nicht gewollt, es ist passiert, ja, aber Dinge passieren eben, so ist das, verzeih mir. Ich lecke den Löffel ab, mit dem ich eben Joghurt aus dem viel zu großen Glas holte, drehe mich zu dir um, ich mustere dich, du bist wunderschön.

Deine Haare, von der Nacht verspielt, deine grünen Augen, so hoffend. Ich bin die letzte, die etwas gegen Gefühle hat, denke ich, mit der Müslischüssel in der Hand setzte ich mich auf den Balkon, du lässt mich.

Einen Sommer lang teilten wir ein Geheimnis, trafen uns an Ampeln, ich begrüßte dich an Straßenbahnen. An heißen Tagen mit zuviel Wärme verbrachten wir unsere Minuten im Bett, du küsstest oft genug meine Stirn, zu oft, für die Tatsache, dass du auch mit anderen Mädchen schläfst.
Deine Worte – für mich nur die Ehrlichsten von allen –, dein Blick der mir zusieht, wie ich mit anderen rede, dein Blick der Bände spricht, wenn du Menschen von mir erzählst.

Die Möglichkeit Gefühle zu teilen, ist ein Privileg, dass jedem gegeben ist und keiner richtig nutzt. Dein Recht dazu würde ich dir niemals absprechen, beharre ich doch selber darauf. Selbst wenn es mit ihr ist.
Ich Spüre immer noch die Küsse auf meiner Stirn, immer noch deine Hand, die meine Wange streichelt, die vielen Umarmungen, die du einforderst, immer dann, wenn du nicht glauben kannst, dass das alles geschieht. Mit dir und mir. Deine Stimme, die sich so verletzlich anhört, sobald du mir sagst, wie schön ich für dich bin, das Vanilleeis, welches du mitbrachtest für warme Tage, die Fotos die du von mir gemacht hast, dein Buch, das ich nicht mochte.

Wenn ich wieder rein gehe, werden deine Sachen gepackt sein, in deiner viel zu teuren Tasche, dein Gesicht gewaschen, die Zähne geputzt. Du wirst nur die Hand heben, wie am Ende unserer ersten Nacht, in der ich mich auf selbe Weise von dir verabschiedete, um dann durch die frühen Stunden des Tages nach Hause zu laufen. Ich stehe mitten im Raum, in meinem Lieblingsnachthemd, welches nach dir duftet. Ich liebte immer deinen Geruch. Du schließt die Tür hinter dir, ich atme tief durch und nehme das Foto von uns vom Kühlschrank. Ich weiß, wir werden uns wiedersehen. In der Hoffnung, dass Zeiten sich ändern.

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5 Antworten

Kommentare

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    Wenn das/dass schon in der Überschrift falsch ist, dann will man gar nicht weiterlesen...

    16.10.2012, 12:58 von independentdreamer
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    Toller Text. Das mit den Küssen auf die Stirn stimmt einfach. Aber das ist nur eine Masche von den Typen, die wissen, dass wir uns dann beschützt fühlen. ;)

    16.10.2012, 12:16 von drops_of_august
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    Ich mag den Text. Wunderbar geschrieben - Empfehlung.

    10.09.2010, 01:29 von Nuance
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    Ich finde es gut, das Thema. Gerade am Ende kommt noch einmal dieser große Wunsch, das sich wirklich etwas an der Situation ändert. Das die Erinnerungen positiver werden und es vielleicht eine Zukunft gibt.
    Gefällt mir :)

    16.08.2010, 18:15 von kleiner-stern
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers

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