In deinem Garten
Es klebt noch Erde an deinen Fingern, als du über meine Wangen fährst, um mir die Haare aus dem Gesicht zu streifen.
»Wenn die Sonnenblumen angehen, dann ist es Liebe.«, hast du vor ein paar Wochen gesagt. Ich nehme deine Hände und küsse deine Fingerkuppen. Sie schmecken nach Lehm, nach dem Leben, in dem du sie vorhin noch vergraben hattest. Der Garten ist deine Welt. Überall entdeckst du Zeichen und Orakel. Du sprichst zu deinen Pflanzen, wie zu guten Freunden. Ich gucke dir dabei zu, sehe, wie sich deine Lippen bewegen, ohne deine Worte zu verstehen. Vielleicht hast du ihnen Namen gegeben, wundern würde es mich nicht.
An manchen Tagen denke ich, je dreckiger du bist, desto wohler fühlst du dich. Du kriechst förmlich in den Boden und wenn du könntest, würdest du es tun, damit du die Wurzel deiner Setzlinge besser schützen könntest. Du gießt sie mit Hingabe und du riechst an ihnen, um sicher zu gehen, dass es ihnen gut geht und ihnen an nichts fehlt. Und während ich abseits hocke und in einem Buch blättere, ab und an einen Blick zu dir hinüber werfe, den du aufzufangen scheinst und wieder zurückwirfst, fange ich an, in deinen Boden zu verwurzeln. Dann nimmst du mich auch in deinen Schutz, stehst auf und riechst an mir, ob es mir gut geht.
Manchmal würde ich dir gerne bei deiner Gartenarbeit helfen, aber jedes Mal schubst du mich lachend weg und drohst, mit einem Erdklumpen nach mir zu werfen. Doch stattdessen stellst du dich auf die Zehenspitzen und gibst mir einen schnellen Kuss, bevor du mir den Rücken zuwendest. Als deine Rosen einzugehen drohten, weintest du still und ich wusste, dass ich nicht kommen dürfte, dich zu trösten. Mit deinen Tränen wolltest du die Rosen tränken, nur so würden sie leben und deinen Kummer in sich aufnehmen können. Du vertrautest dich ihnen an. In meinen Gedanken setzte ich dir einen Kranz aus Gänseblümchen auf, um dich zu krönen.
Bei jedem Wind und Wetter gehst du raus, um nachzuschauen. Anfangs blieb ich zurück und sah dir durch das Fenster zu. Aber ich sah, wie betrübt du an deinen Beeten hocktest und lustlos durch die Erde wühltest. Seitdem begleite ich dich jeden Tag, bleibe abseits stehen und beobachte dich. Dann machst du ausladende Bewegungen, wie ein Dirigent, der sein Orchester befehligt, wie das rauschende Crescendo einer Symphonie, dann Fortissimo, Furioso, fegst du über das Leben, das aus dem Boden drängt und immer wieder drehst du dich um, versicherst dich, dass ich dir noch zugucke und strahlst.
Du hast mir die Haare aus dem Gesicht gestrichen und führst mich nun zu zwei kleinen Kuhlen, die du gegraben hast. Du siehst hinab und ich verstehe. Barfuss trete ich in die eine Kuhle, du in die andere. Dann nimmst du etwas Erde und bedeckst unsere Füße. Ich frage nicht. Ich vertraue dir. Gäbe es einen Flakon, der mein Leben beinhaltete, das wäre der Moment, ihn dir anzuvertrauen. Eingegraben nimmst du meine Hände, schaust mir in die Augen. Zeit vergeht. Es ist ein weicher Blick, ein strahlender Blick, von dem man sich nicht abwenden kann, doch dann wendest du ihn ab, zur Seite. Dort stehen sie, in voller Blühte, die Köpfe in die Sonne gereckt: unsere Sonnenblumen.




Kommentare
Wahnsinnig schön geschrieben!!!!
15.10.2010, 23:44 von XeNia79Also ich mag den Text!
11.03.2010, 10:14 von TineleinZwar wirklich etwas schnulzig, aber das kann manchmal auch schön sein.... :)
oh, ich find's voll schön. hat ein bild gemalt in meinem kopf.
24.09.2008, 21:06 von sophietrauer@ auge: liebe ist nunmal schnulzig, hinter der "cool bleiben"-fassade. in gärten. und so.
dann sag ich das mal anders..
20.06.2008, 12:48 von RedSonjaich kann mit dem text nichts anfangen. ok?
die schreibe ist ok, die bilder sind schön, aber ich kann nicht auf diese art von beschreibungen.
besser so, werte kritiker der kritiker?
;-D
@RedSonja ach, sonja, ich antworte auf die kommentare nicht, weil mir das ein echtes bedürfnis wäre, mir ist heute nur einfach so schrecklich langweilig.
20.06.2008, 12:56 von zetttrotzdem würde mich interessieren, was du mit "art der beschreibung" meinst und wie man es deiner meinung nach, besser machen könnte.
@zett lieber zett
20.06.2008, 13:29 von RedSonjaalso, nein, besser ist nicht der gedanke. es ist eher eine geschmacksfrage.
halt, magst du eher bukowski oder novalis. ich für meinen teil mag lieber bukowski. was aber nicht heißt, dass novalis scheiße ist.
hab ich das jetzt verständlicher erklärt?
LG
@RedSonja ah, verstehe. es ist eine stilfrage. das geht mir genau so, dass ich jenen stil verschlinge und andere grottig finde. akzeptiert :)
20.06.2008, 13:46 von zettich mag bukowski auch (eher als novalis), außer, wenn er seine phantasien an zwölfjährige ausläßt.
@[Benutzer gelöscht] Ich zitiere:
20.06.2008, 12:54 von cosmokatze"Sie ließ all ihre Liebe in ihn fließen..." und " An einem Ort, an dem der Wind alle Ängste davonweht..."
Also was schnulzige Texte angeht, bist Du (Auge) immer noch der Meister.
@[Benutzer gelöscht] Warum bist Du so gemein zu uns ? :o)
20.06.2008, 13:26 von cosmokatze