Immer sie
Ihr war die eisige Kälte, die plötzlich von ihm ausging, natürlich nicht entgangen.
Sie versuchte von Anfang an dagegen anzukämpfen. Bemühte sich besonders, ihn aufzuheitern. Gab sich noch mehr Mühe, mit sich selbst. Doch dies alles und auch ihre Fragen nach dem Warum, liefen ins Leere.
Immer öfter blieb er abends lange im Büro. Immer häufiger ohne es ihr vorher zu sagen. Sie rief ihn dann mal zwischendurch an und fragte was er davon hielt, wenn sie früher heim kämen um zusammen zu kochen. Oder ob sie ihn in ihr Lieblingslokal einladen kann. Er wirkte gar nicht begeistert. Erklärte, dass noch soviel zu tun sei und er es ohnehin nicht pünktlich schaffen würde. An diesem Abend kam er erst nach Mitternacht heim, als sie sich schon seit Stunden schlafend stellte.
Besonders niederschmetternd war es für sie, wenn sie seine Nähe suchte. Die Art allein, wie er sich aus ihren Umarmungen befreite. Fortging, wenn sie ihm den Rücken massieren wollte und ihr zum Kuss nur noch die Wange hinhielt.
Nachts lag sie neben ihm und sehnte sich nach den Berührungen seiner schönen Hände. So setzte sie alles auf eine Karte und zog sich aufreizende Wäsche an, kam zu ihm aufs Sofa und begann ihn zu wild küssen. Er bewegte sich überhaupt nicht, starrte sie nur verwundert an. Schaute ganz so, als wäre es abartig, was sie da tat. Zu groß war diese Demütigung für sie. Sie wagte es sich nicht noch einmal.
Dann dachte sie, dass er sie vielleicht einfach nicht mehr schön fände. Da er sie sowieso nicht beachtete und die Abende und Wochenenden fast nur unterwegs war, ging sie immer häufiger trainieren. Irgendwann war sie es dann viermal die Woche und an Wochenenden traf sie sich mit Freunden zum Joggen. Bis sie so dünn und straff war, wie noch nie. Sie zog sich immer hübsch an und frisierte sich kunstvoll. Es schien ihm gar nicht aufzufallen.
Ihm waren ihre ständigen Fragen, ihre Suche nach Erklärungen, nach Lösungen wohl lästig. Sie hätten kein Problem. Es liefe doch alles wunderbar. Er hätte einfach viel zu tun und damit müsse sie klarkommen.
Ständig fragte sie sich, ob er sich denn gar nicht mehr nach ihr verzehrte. So wie früher als sie an den Wochenenden tanzten bis es hell wurde, sich heftig liebten bis in die Mittagsstunden und eng umschlungen schliefen bis zum Abend. Immer lachend, immer glücklich. Immer sie.
Nie war sie eine der eifersüchtigen Frauen gewesen. Sie gingen auch oft getrennt weg und wenn sie heim kamen, erzählten sie von den Erlebnissen dabei. Seine Kumpels beneideten ihn sogar ein wenig um sie und äußerten dies auch. Dann war er noch stolzer sie zu haben.
Sie schlug ihm einen Kurzurlaub vor. Mal wieder ans Meer fahren in die kleine Pension in der sie sich sooft wohl gefühlt hatten. Irgendwann im Sommer vielleicht, bekam sie zur Antwort.
Sie gab auf. Tat es ihm gleich und beachtete ihn kaum noch. Wenigstens ein bisschen Stolz wollte sie sich wahren. Die letzte Instanz wäre gewesen, eine Paartherapie zu beginnen. Er sah sie nur schief an, als sie das ansprach. Das hätten sie nicht nötig.
So ging sie noch viel öfter mit Freundinnen und Kollegen aus, bleib länger im Büro, fuhr oft in Wellness-Clubs. Wurde äußerlich immer schöner. Doch eine Frau die Liebeskummer hat, ist nicht schön. Eine Frau die sich nach dem Mann sehnt, der neben ihr liegt, ist zu verzweifelt als dass sie die Avancen der anderen erkennen könnte. Sie wollte keinen anderen. Aber sie wusste nicht, was sie noch tun sollte.
Er war froh, als sie sich zurückzog. Er wollte sie nicht verletzen, nicht benutzen. Hoffte, dass es bald vorbei sei, dass alles wieder so werde wie früher. Er wusste, er fände keine bessere Frau für sich. Sie schienen nach wie vor perfekt füreinander und ihm war bewusst, wie sehr er sie durch sein Tun verärgerte. Doch hätte er ihren Bemühungen nachgegeben und wäre ihr wieder ins Schlafzimmer gefolgt, wäre die Gefahr, dass er den Namen der anderen dabei sagt zu groß. Das erschien ihm schlimmer.



Kommentare
hör auf , das schockt mich ! ich hoffe nur da is kein klitzekleines bisschen Autobiographisches drin .... bitte versprechen wir uns, sollten wir jemals in so eine Situation kommen, lass uns anders vorgehen... Das, was Sie macht, ist ein einzig qualvolles Spiel.... und sie ist der pingpongball, der hin und hergeworfen wird...
17.03.2010, 14:56 von saruschelAnsonsten, guter Schluss ! Erklärt vieles, aber nicht ihr Verhalten.
So viel Macht sollte kein Mann haben, finde ich...
@saruschel es ist nicht logisch, es ist Liebe...
17.03.2010, 15:03 von sun-chan87(gerade du kennst das doch^^)