kleine.mila 14.09.2012, 22:53 Uhr 58 16

Immer die, die man nicht will

Feiern. In letzter Zeit oft, sehr oft. Zu oft...? Kann da denn überhaupt etwas gutes dabei rauskommen?

Letzte Nacht wieder in diesem Club. Es sind Semesterferien, deshalb haben wir beim Vorglühen Angst, dass nicht viel los sein könnte. Jetzt schon vernebelt.

In den letzten Wochen haben wir es übertrieben, wir wissen es, aber können, wollen und müssen nichts dagegen tun, denn wir sind frei. Ein letztes Mal frei.

Die Bedenken waren unbegründet, es gibt an diesem Abend sehr wohl viele Gleichdenkende. Unser Ziel ist es, abzustürzen. Wie sooft in der Vergangenheit. Und wieder lernen wir viele potenzielle Ficks kennen. Für einen Abend gut, aber sonst nicht interessant. Groß müssen sie sein, am Besten dunkelhaarig und mit Erfahrung. Für einen grünen Jüngling sind mir meine Zeit und meine Vagina zu schade. Es läuft wie immer: erst wird getanzt, dann an die Bar, dann rauchen, dann an die Garage zum rummachen und dann schließlich die Standard Frage klären.

Der nächste Tag ist nicht so klar. Und schon gar nicht deutlich. Aus dem fremden Bett (auch wenn es mein eigenes ist) steigen. Gequält ein Frühstück, dass sowieso nur aus Kippen und einem schlechten Kaffee besteht, anbieten oder ablehnen. Rein in die verschwitzten Klamotten und an der Haustür noch pseudomäßig die achso kreativen Facebook Pseudonyme austauschen. Beim Heimweg den Bus verpassen und hoffen, dass sich der Typ einfach nicht meldet. Oder doch? War es nüchtern betrachtet wirklich so schlecht oder könnte man etwas daraus machen? Könnte etwas zauberhaftes daraus entstehen? Nein. Seine Hände überall da, wo sie nicht sein sollten. Seine Küsse- dilettantisch. Mehr Saugen, als heiße Spiele. Warum lasse ich mich immer wieder darauf ein?

Kaum zu Hause, schon eine Nachricht. Von ihm. Ah er heißt also Andreas. Oh nein entschuldige An Dreas. Wegen Anonymität und so. Passender Name für dich. Nichtsagend, eintönig, langweilig. Der ganze Zauber ist hinüber. Warum musst du dich bei mir melden? Sorry, aber ich bin wohl ne Nummer zu groß für dich.

Letzte Nacht war anders. Ich hatte das erste Mal ein Gefühl. Man hat gemerkt, dass mir das nicht sehr geheuer war. Und ich habe dich das auch spüren lassen. Hab dich im schlechten Licht dargestellt, damit du mich nicht überrennst mit deiner Art, mit deinen Lippen und mit deinen Schuhen. Noch nie habe ich einen Mann mit so einem schönen Lachen gesehen, mit einem hippen Style (ähm nein ich spreche nicht von den Hipstern aus Berlin-Mitte) und mit einer derarten nicht angeberisch wirkenden Klugheit. Es war von Anfang an eine Ebene da, ich würde sogar von Vertrauen sprechen. Kein wildes Geknutsche und Gefummle. ICH wollte das nicht. Erst redete ich mir ein, dass du einfach zu jung bist. 19. Jahrgang 1993. Hahahaha...ich verschlucke mich an meinem eigenen Lachen und ein Klos bleibt zurück. Es ist mir egal, wie alt du bist. 5 Jahre sind doch nicht die Welt. Du beginnst gerade dein Studium, ich beende meins gerade. Whatever??! Und schon nach kuzer Zeit sind meine Gedanken absurd. Ich mal mir aus, wie ich dich in deiner Studentenbude besuche. Ich, die Erwachsene. Ich denke mir, wie schön es sein wird, in deinen Armen einzuschlafen, neben dir aufzuwachen, mit dir den Rest unserer Leben zu verbringen. Tim.

Ortswechsel. Wir sind bei mir. Erste zaghafte Küsse werden augestauscht. Übertrieben zaghaft, aber ich will nicht mehr. Ich will dich aufheben. Für morgen, für nächstes Wochenende, für immer. Wir reden und trinken Wodka. Um 5 sagst du, du musst gehen. Du wirst von deinem Bruder abgeholt, du wohnst nicht hier. Aber auch nur 20 Minuten weg. Bin erleichtert, plane schon, wie ich am nächsten Tag zu dir komme, gehe im Kopf die Buslinien durch und habe die richtige gefunden. Der Abschied fällt eher kurz und abgehackt aus. Trotzdem bin ich wie im Bann. Das obligatorische Namen, Nummern oder sonst etwas tauschen fällt aus. Aber du hast mir deinen Ausweis gezeigt, also weiß ich, wie du heißt. Und DU hast bestimmt keinen aberwitzigen Namen, du bist du und du bist toll. Gleich am nächsten Tag schreibe ich dir. Nichts Tolles, nur belangloses. Allerdings habe ich meine Nachricht mit einer Frage versehen, du musst also antworten.
Nach 5 Tagen lichtet sich mein Schleier. Du bist ich. Und ich bin ein Andreas.

16

Diesen Text mochten auch

58 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 1

    einfach schön geschrieben

    24.09.2012, 17:48 von Sommerdiebe
    • Kommentar schreiben
  • 1

    "Nach 5 Tagen lichtet sich mein Schleier. Du bist ich. Und ich bin ein Andreas. " - schöner Schluss. Gefällt.

    19.09.2012, 20:43 von wieneu
    • Kommentar schreiben
  • 2

    Ach, schön, wenn einem das bewußt wird, dass man nur gespiegelt wurde. Die Erkenntnis wie leer die eigene Hülle ist kann einen umwerfen.

    16.09.2012, 10:47 von Tanea
    • 1

      gut gesagt


      16.09.2012, 22:36 von kleine.mila
    • Kommentar schreiben
  • 3

    Wenn man nur Schablonen im Kopf hat, wird man schnell selbst zu einer.

    16.09.2012, 09:24 von EliasRafael
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Die Zahl 5 scheint eine große Rolle zu spielen. 5 Jahre, 5 Uhr, 5 Tage ... Raffiniert!

    Übrigens: Wenn Du 94 bist ist er 89.  

    15.09.2012, 12:05 von B.tina
    • 0

      Ich denke, sie soll 5 Jahre älter sein als er?

      Es ist mir egal, wie alt du bist. 5 Jahre sind doch nicht die Welt. Du
      beginnst gerade dein Studium, ich beende meins gerade. Whatever??!


      15.09.2012, 18:04 von wordmage
    • 0

      Ja, eben ... Wenn sie 94 ist, ist er 89.

      15.09.2012, 18:21 von B.tina
    • 0

      Aaaa-ja. Dann muss ich jetzt feststellen, dass dieser ganze Text wegen ausgezeichneter Vagheit an mir vorbeigeht oder ich einfach zu doof bin.

      15.09.2012, 18:27 von wordmage
    • 0

      Die Protagonistin ist doch eine Frau?


      Auch egal ...

      15.09.2012, 18:30 von B.tina
    • 0

      Ja, das dachte ich auch. Und sie angelt sich mit "Tim" einen jüngeren, der ihr dann sagt, dass sie gar nicht so toll ist. Weshalb sie sich als ein "Andreas" fühlt.

      15.09.2012, 18:32 von wordmage
    • 1

      Vielleicht geht es ja um Transsexualität? Zwischenzeitlich umgebaut ...

      15.09.2012, 18:35 von B.tina
    • Kommentar schreiben
  • 3

    Mit 24 erwachsen?
    Das möchte ich bezweifeln.

    15.09.2012, 11:57 von sailor
    • 1

      Ja, aber man denkt das. Mit 19. Und dann mit 24 denkt man, wie doof man mit 19 war zu denken, dass man da erwachsen war. Und dann mit 30...
      Is das dann eigentlich mit 60 immer noch so? Dass man denkt: jajaja, mit 40... da war ich noch...

      16.09.2012, 19:29 von Lenulitschka
    • 0

      Äh... so ein Geschwurbel. Weißt schon. ^^

      16.09.2012, 19:30 von Lenulitschka
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Die Tante die wild drauflos ballert, Texte voller Fehler schreibt, 19 Jahre alt ist und die Berline-Mitte Hipster erwähnt muss ganz sicher ne Nummer zu groß für den Pfeifen-Fickandreas sein, hm.

    15.09.2012, 11:05 von FrauKopf
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      nicht in meiner Welt.

      15.09.2012, 17:08 von FrauKopf
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 1

      Hä?

      was hat das mit dem Studentenleben zu tun?

      Und du weisst woher, dass ich meinen Platz gefunden habe?



      15.09.2012, 17:14 von FrauKopf
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      war für mich keinesfalls ersichtlich

      15.09.2012, 17:23 von FrauKopf
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      Skurril, wie stolz manche Studenten sind, Studenten zu sein, dass sie es ständig erwähnen müssen. Ich tackere mir doch auch keinen Zettel an den Kopf, wo drauf steht "Realschule".
      Ach so, das ist jetzt n genereller Gedanke, fällt mir aber zu diesem Kommentar von honesty nur ein, also keine Bangel

      16.09.2012, 09:48 von topfbluemchen
    • 1

      Unstudiert.

      16.09.2012, 11:16 von sailor
    • 2

      Trotzdem orientierungslos...

      16.09.2012, 11:16 von sailor
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      Manch einer müsste auch einfach mal dieses dusselige Kategorisieren sein lassen.

      Studentenleben.
      Leben.

      DAS da oben hat NIX mit einem Studentenleben zu tun...wohl aber schon mit einem Leben.

      16.09.2012, 12:39 von FrauKopf
    • 2

      Aggro?
      Hab ich was verpasst?

      @FrauKopf

      Du irrst, was da oben beschrieben wird, ist zu erleben ausschließlich Studenten vorbehalten. Wo bei es auch wurscht is, ob sie Theologie, Maschinenbau oder Tiermedizin studieren. Sind ja alles Studenten...

      16.09.2012, 12:45 von sailor
    • 1

      Stimmt, ich studiere auch.

      Leben, Menschen und Bikinis.

      16.09.2012, 12:46 von FrauKopf
    • 1

      Niemand ist durch alle Schulen durch...

      16.09.2012, 12:59 von sailor
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      Iiiiiiiich?! Aggro?
      Und weil ich Texten (weiß grad nicht mehr so recht, welche, aber irgendwas sagt mir das noch - vielleicht gucke ich nochmal - ) zugestimmt habe, berechtigt mir das nicht, hier meine konträre Meinung kundzutun? Welche ich übrigens jetzt nicht sonderlich aggressiv fand, by the way. Korrigiere mich, wenn ich mich irre...Außerdem hab ich das, und das schrob ich ja, nicht auf speziell deine Aussage zurückgeführt; das hat mich eben daran erinnern lassen.
      Ich bin trotzdem der Meinung, dass viele Studenten ihr Studentensein zelebrieren müssen, und dies in Gesprächen irgendwie mit einfließen lassen müssen, mit Leuten, die noch nichts über sie wissen. Also so dass der Gegenüber diese wichtige Aussage auch nicht verpasst.

      16.09.2012, 18:15 von topfbluemchen
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0


      Ja, das war zu sehr überzogen, stimmt.
      Ich finde das zu schubladenbehaftet - mit Sicherheit gibt es solche und solche beiderseits.
      Ich tu mich immer schwer mit Katalogisierung, bin aber auch nicht davor gefeit, diese auszuüben. Tue es in dem Sinne ja auch, indem ich "die Studenten" ja kritisiere, wie ich oben getan habe. Aber dennoch hab ich Recht, ha ha! :-)

      16.09.2012, 18:28 von topfbluemchen
    • 0

      Ich hör von Studenten in den Post-Bologna-Zeiten immer nur Gejammer, daß sie garnichtmehr zum Feiern kommen...

      :D

      Wobei ich durchaus der Meinng bin, das eine Uni auch dafür da ist, seiner eigenen Persönlichkeit auf die Spur zu kommen. Und dafür brauchts nunmal unkritische Freiräume.

      16.09.2012, 18:33 von sailor
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      »Gutem Morgen, liebe Studenten. Wir begrüßen Sie zum Mittagsmagazin...«

      Jeder Kategrorisiert. Anders ist die Realität (falls soetwas überhaupt existiert) doch garnicht zu bewältigen...

      16.09.2012, 18:37 von sailor
    • 1

      Angenommen :)
      Ach, jemand, der nicht schubladisiert, also zumindest dies behauptet, lügt. Ich sag ja, ich geb mir Mühe, dies nicht zu tun, tue es aber beizeiten schon noch.

      16.09.2012, 18:38 von topfbluemchen
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      das stimmt.
      Ich habfestgestellt, wie du oben auch schon schriebst, dass die, die behaupten, sie mögen solche Leute nicht, die das tun, dies am allermeisten tun.

      16.09.2012, 18:52 von topfbluemchen
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 1

      Möööönsch... Ist das kuschelig bei euch...

      16.09.2012, 19:05 von sailor
    • 0

      schubladen sind doch nicht nur negativ. sie helfen den menschen sich zurechtzufinden und sich zu orientieren. das wichtige ist nur, anschließend hinter die fassade zu gucken und vorurteile zu hinterfragen.

      16.09.2012, 22:39 von kleine.mila
    • 0

      @FrauKopf
      die protagonistin ist nicht 19. und der text habe ich sicher nicht mit einem ich-bin-studentin-ach-bin-ich-toll-post-it auf der strin geschrieben...

      16.09.2012, 22:41 von kleine.mila
    • 0

      *den

      16.09.2012, 22:41 von kleine.mila
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 1

      die ich-erzählerin ist es auf jeden fall, den rest lass ich mal offen...

      16.09.2012, 22:59 von kleine.mila
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • Kommentar schreiben
  • 0

    wunderbar

    15.09.2012, 08:31 von SmillaE
    • Kommentar schreiben
Seite: 1 2

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
13. Mai 2013

Neueste Artikel-Kommentare

NEON-Apps für iOS und Android