froillein_jinibelle 30.11.-0001, 00:00 Uhr 11 17

Im Katapult.

Und plötzlich sitze ich wieder im Katapult. Festgeschnallt auf diesem Sitz. Das Leder schon ganz verschlissen. Aber so bequem wie immer.

Es ist Sommer. Der Abend ist lau, die Straßen noch warm von der Sonne des Tages. Glückbeseelt und vom Sekt berauscht, streife ich mit meinen Freundinnen durch die Sommernacht. Ich genieße. Unbeschwert mit den Menschen, denen mein Herz gehört. Lauthals lachend.

Nicht ahnend, dass mich dieser Abend wieder in das Katapult setzen würde. Dieses Katapult, in dem ich schon so oft saß. Denn plötzlich stehst du da. Einfach vor mir, aus dem Nichts. Mein Herz setzt für eine gefühlt unendlich lange Zeit aus. Gänsehaut breitet sich über meinen gesamten Körper aus. Mir wird heiß und es kribbelt. Ich spüre, dir geht es genauso. Wir starren uns in die Augen.

Fast zwei Jahre haben wir uns nicht gesehen. Zwei Jahre, in denen du zwar nicht vergessen, aber in einer fest abgeschlossenen Schublade gut verstaut warst. Deine Umarmung, dein Duft, deine Stimme. Nichts hat sich verändert. Ich spüre deine warme Haut auf meiner, als du dich zu mir beugst. Deine Wange berührt meine und ein kleiner Stromschlag durchfährt meinen Körper.

Ein Film, viele kleine Sequenzen, spielen sich vor meinem inneren Auge ab. Seitdem du vor über acht Jahren in mein Leben kamst, haben wir viel erlebt. Wir haben gelacht, geweint, ekstatische Nächte durchlebt, uns geliebt, gehasst und wieder versöhnt. Immer war da dieses warme Bauchgefühl, wenn du in meiner Nähe warst. Gäbe es eine Definition für Seelenverwandtschaft, dann wärst das für mich du. Niemand kann mir so hinter die Fassade schauen wie du. Und niemandem schaue ich lieber ins Herz als dir.

Und plötzlich sitze ich wieder im Katapult. Festgeschnallt auf diesem Sitz. Das Leder schon ganz verschlissen. Aber so bequem wie immer. Von null auf hundert fliege ich wieder zurück, wo ich schon so oft war. Wir reden. Die ganze Nacht hänge ich an deinen Lippen. Als wäre nicht eine Sekunde seit dem letzten Mal vergangen. Eine Zeitreise, die eigentlich keine ist. Denn es ist real, du bist real. Mehr Realität als in der Sekunde, in der deine Lippen meine treffen, gibt es für mich nicht. Nichts hat sich verändert. Du machst etwas mit mir, seit acht Jahren, immer wieder. Nur begreifen, fassen, in Worte verpacken kann ich es nicht.

Es ist Herbst geworden. Ich drehe mich noch einmal um. Die Bettdecke bis zum Kinn hochgezogen. Ich starre in die Dunkelheit der Nacht. Monate sind vergangen, doch es fühlt sich an wie gestern. Das Gedankenkarussell dreht sich unaufhörlich. Und während ich seinem leisen Atmen lausche und mein Gewissen wieder an mir nagt, steige ich aus meinem Katapult, stecke dich wieder in die Schublade und schiebe sie zu. Nur halb. Für ganz fehlt mir die letzte Kraft. Denn vielleicht lasse ich dir dieses kleine Schlupfloch. Zu mir. Zu uns.


Tags: zerrissen
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11 Antworten

Kommentare

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    Ich kenne auch ein Mädel dem es immer so geht wenn wir uns begegnen. Aber wir können nicht zusammensein. Und deswegen fahren wir parallel Beziehungen an Wände. Dauernd.

    22.11.2016, 00:07 von Frischer
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      wie schrecklich

      22.11.2016, 13:02 von Dr_Lapsus
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      du hast dich schon erstaunlich schnell dem Niewoh  von zeckenleibchen angepasst.  

      Alle Achtung ! :-(

      22.11.2016, 14:17 von Dr_Lapsus
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  • 1

    hier, das lied zum text. geht aber mehr ab :D

    03.11.2016, 21:10 von libido
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      Danke für den Link :)

      10.11.2016, 03:38 von Eluce
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  • 1

    Mein jüngster Bruder konnte früher kein T, er hat immer *Kakapulk* gesagt.
    Fiel mir nur gerade wieder ein. ^^

    03.11.2016, 16:57 von Fin_Fang_Foom
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  • 0

    wo klemmts?

    03.11.2016, 12:45 von neuzeit
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    Schön geschrieben! :-)

    03.11.2016, 11:08 von alexada
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