Im Bett mit Hugo Egon Balder
Skylla oder Charybdis
Ich kraule meine weißlich behaarte Schwarte und frage mich dabei ob meine Position wirklich eine angenehme sei. Ich könnte mich noch ein wenig weiter nach rechts drehen.
Auf unserem Bett.
Der Fernseher krächzt und scheppert. Mich überkommt Jamba-Sparabo-Gier, aber mein Mobiltelefon liegt zu weit weg. Wo ist die Fernbedienung?
Sie schluchzt. Auf unserem Bett.
Das ich plante, in meiner Einfalt. Das ich zimmerte um meinen Traumbaum. Für meine weinende Penelope.
Sie schluchzt lauter, direkter.
Wieso erklären, wenn es nichts zu verstehen gibt? Ist man einmal auf der Reise, entscheidet sich erst ganz zuletzt, ob man zurückkehrt. Und jetzt bin ich da und stelle meinen Sack in die Ecke ihrer Welt, die ihn füllte mit der Belanglosigkeit und den perspektivisch gekrümmten Egalismen.
"Wo findet man die Pulpahöhle?", fragt Hugo Egon Balder.
Sie steht auf und stellt sich in die Mitte des Raumes, um mir ihr tränenverschmiertes Gesicht zu zeigen. Der Fernseher lacht verstellt. Meine weißliche Wampe passt hervorragend zu dem milchig-grauen Laken, auf denen sich die Flecken nicht mehr verstecken brauchen. Ich sehe Hugos weiße Zähne blitzen.
Sie streicht ihre Haare hinter das rechte Ohr und ich weiß, was jetzt kommen wird. Natürlich wird es weh tun, irgendwo entfernt in mir wird ein Bus in einen Bauch fahren. Das Gefühl ist gespeichert und isoliert. Ich spiele es ab. Und wieder zurück. Und wieder vor, langsamer. Bus. Bauch. Bus. Bauch.
Ich mochte meine innere Stimme noch nie.
"Da muss ich nich lange suchen!", tönt Hella von Sinnen und der Fernseher johlt fratzenhaft. Wie ein Schwein schwitzt die Alte unter ihrer Schminke. Klar, will die sich auch mal weiblich fühlen. Irgendwo. Weit entfernt. Aber so etwas ist relativ dumm.
"Es ist aus, hörst du?", schmiert sie durch ihre Tränen.
Natürlich. Manche kehren zurück, aber haben vergessen zu kämpfen. Andere wollen nicht mehr. Wieder andere werden von den Freiern erschlagen. Manche fahren Bus. Hin und zurück.
Sie wendet sich ab, um sich anzuziehen. Ich blicke in ihren Rücken und betrachte ihre schöne Gestalt.
"Darf ich da dann auch ma rinne?", geifert Hoecker. Werbung.
Sie schultert ihren Rucksack und wendet sich wieder mir zu. Schniefend zieht sie die Rotze hoch, Trauer und verletzten Stolz im Blick. "Und wo ist sie jetzt, die verdammte Pulpahöhle?", fragt sie mit gequetschter Stimme.
Ich lasse den Bus gegen den Bauch fahren und höre den entfernt gedämpften Schmerz. Immer wieder, damit es nicht der letzte sein muss. Mein Blick fühlt sich kalt an.
"Im Zahn.", sage ich.
"Aber das ist egal."
Doch das hört sie schon nicht mehr.



Kommentare
Ist das nicht ein bisschen platt: Ich nennn die Alte mal Penelope und schon wird da was Tiefsinniges draus...
19.02.2010, 18:44 von rolfradolfski@rolfradolfski Da steckt noch ein bisschen mehr dahinter...!
19.02.2010, 18:57 von DarenBRens@DarenBRens oh ich würde ja gerne fragen was und sogar auch gerne eine zweiseitige erklärung dazu lesen aber ich fürchte ich könnte dann dumm wirken
19.02.2010, 20:08 von rolfradolfski@rolfradolfski Ironie funktioniert ohne mediale und/oder syntaktische Zeichensetzung nicht auf Neon.
20.02.2010, 02:55 von DarenBRens@DarenBRens ich find schon.
20.02.2010, 03:26 von AnnaEcke"aber das ist ja *nu*r wieder eine meinung bar jedweder argumentation ^^)
@AnnaEcke ...vorausgesetzt man kann in kontexten denken...
20.02.2010, 03:27 von AnnaEcke@AnnaEcke ...Zusammenhang... auch ein schönes Wort
21.02.2010, 16:40 von kontext@kontext lustig! Die missbrauchen deinen Namen.
21.02.2010, 19:34 von rolfradolfski"Wie ein Schwein schwitzt die Alte unter ihrer Schminke. Klar, will die sich auch mal weiblich fühlen. Irgendwo. Weit entfernt. Aber so etwas ist relativ dumm."
19.02.2010, 17:53 von sohaltWie ein in seiner Männlichkeit zutiefst verunsichertes Würstchen greift der Autor zur nächsten sich anbietenden Gelegenheit, eine Frau herabzuwürdigen. Klar, will sich der auch mal wieder überlegen fühlen. Irgendwo. Weit entfernt. Aber so etwas ist relativ dumm.
(Andere Stellen in dem Text fand ich gar nicht so uninteressant. Schade.)
@sohalt Für Autor bitte "Ich-Erzähler" einsetzen.
19.02.2010, 17:57 von sohaltIch weiß natürlich Autor # Ich-Erzähler.
Ärgert mich trotzdem. Weil der Text ja das Gefühl vermittelt, man soll als Leserin mit dem Ich-Erzähler sympathisieren und das war halt ein ziemlich entbehrlicher Arschloch-Kommentar, der das ein bisserl schwierig macht.
Irgendwas fehlt. Das ist fast wie mit dalmar. Ich will´s gut finden, aber irgendwie kickt et nech...
19.02.2010, 17:00 von SteifschulzIch komme später noch mal rum.
Nichts davon ist lahm. Nichts davon regt mich maßlos auf.
19.02.2010, 16:50 von DarenBRensSchon der Teaser greift allegorisch die Wahl zwischen Scheiße und Scheiße in überzeugender Form auf und gibt dem Text den nötigen Anstoß des Unausweichlichen.
Ein heimgekehrter Odysseus, der anders als sein mythologisches Vorbild, seiner vorgegaukelten Heimat entfremdet wurde; ein Odysseus, der erkennt, dass seine Penelope tatsächlich nur ein einfältiges Ziel gewesen ist - und zwar erst am Ende seiner Reise. Natürlich! Wann auch sonst?!
Dieser Odysseus ist bei seiner Ankunft in Ithaka tot. Zumindest in der Welt, die er vorfindet. Eine Welt, in der alles entrückt und belanglos erscheint. In der die Protagonisten eines verstellten Fernsehers fratzenhaft geifern und Trivialitäten wie die Pulpahöhle in die Welt tragen.
Mir gefällt's!!!
Zumal Du es auch ganz einfach, nebenbei, schaffst die Brücke von der mythologischen Allegegorie auf ein moderneres Bild zu münzen:
"Natürlich. Manche kehren zurück, aber haben vergessen zu kämpfen. Andere wollen nicht mehr. Wieder andere werden von den Freiern erschlagen. Manche fahren Bus. Hin und zurück."
Mir gefällt's! ;)
@DarenBRens Daren, darling, du sprichst mir aus meinem nicht vorhandenem Herzen.
19.02.2010, 17:54 von cosmokatzeDie Verbindung von alltäglicher Beziehungskatastrophe mit der Odyssee ist grandios.
Wäre der Kerl mal bei Kalypso geblieben...
@cosmokatze Oder bei der notgeilen Circe...;)
19.02.2010, 18:56 von DarenBRensdas mit dem bus ist gut, der rest ist lahm.
19.02.2010, 15:09 von pariboyIch möchte das gut finden, aber ich habe heute keinen Nerv zu.
19.02.2010, 14:50 von frl_smillaMorgen schreibe ich dir was nettes drunter, heute regt mich diese Stelle
"ie ein Schwein schwitzt die Alte unter ihrer Schminke. Klar, will die sich auch mal weiblich fühlen. Irgendwo. "
nur maßlos auf.
Ich optioniere mir für "morgen" auch das Übermorgen.
@frl_smilla huch. die stelle hab ich irgendwie überlesen.
19.02.2010, 14:56 von AnnaEckefind ich auch niiiicht gut. im ernst!
Natürlich wird es weh tun, irgendwo entfernt in mir wird ein Bus in einen Bauch fahren. Das Gefühl ist gespeichert und isoliert. Ich spiele es ab. Und wieder zurück. Und wieder vor, langsamer. Bus. Bauch. Bus. Bauch.
19.02.2010, 14:33 von AnnaEcke...das finde ich richtig, richtig gut!