Kellerkatze 19.05.2006, 13:07 Uhr 29 10

Ich will mich zurück!

Du bist einer dieser Männer, die eine Frau auf Händen tragen, nur damit sie verlernt, auf eigenen Beinen zu stehen.

Du nimmst jedes Quäntchen meiner Existenz in dich auf. Meine Gefühle, meine Zeit, mein Wesen, meinen Freundeskreis. Und wenn ich dich bitte, mir einen Teil davon zurückzugeben, dann versuchst du mir glaubhaft zu machen, dass er bei dir in besseren Händen ist. Du entlastest und entmüdigst mich mit einer respektlosen Selbstverständlichkeit.
Ich habe genug davon. Ich will mich zurück!

Du schaust mich an, als hätte ich dir gerade einen heimlichen Fick mit deinem besten Freund eröffnet und schon wieder taucht diese Traurigkeit in deinen Augen auf, mit der du jeden meiner eigenen Schritte betrachtest. Doch diesmal lasse ich mir kein schlechtes Gewissen einpflanzen, diesmal bleibe ich hart.
Ich habe genug davon, dass du glaubst, dir stünde mein gesamtes Leben zu. Ich habe genug davon, dass du es dir mit einem seriösen Lächeln nimmst.

Meine Bitte war einfach: einen Ausgeh-Abend mit meiner besten Freundin, allein, ohne dich. Doch nun tust du so, als hätte ich gerade eine tragende Säule unserer Beziehung aus dem Boden gerissen und deine Welt damit ins Wanken gebracht.
Was denn los sei, willst du wissen.
Ich versuche dir begreiflich zu machen, dass nichts schlimmes geschehen sein muss, um einmal einen Abend allein verbringen zu wollen.
Erst erkläre ich es dir liebevoll und höflich, doch du reagierst, als hätte ich dich in eiskaltes Wasser geworfen. Langsam verlässt mich meine Geduld und mit ihr auch ein Teil meiner Entschlossenheit. "Mach dir keine Sorgen" und "Das heißt doch nicht, dass irgendetwas zwischen uns steht" prallen einfach an dir ab. Langsam bekomme ich selbst das Gefühl, als müsste irgendwas nicht in Ordnung sein und als wäre der Wunsch, nach einem bisschen mehr Freiraum etwas Absonderliches und Zerstörerisches.
Doch ich kann nicht mehr. Ich kann mich nicht mehr zurücknehmen, nur um dir permanent das Gefühl zu vermitteln, du wärst der einzige Mensch, der in meinem Leben von Bedeutung ist. Ich weiß, dass ich der Mittelpunkt deines Lebens bin, aber diese Verantwortung lastet zu schwer auf meinen Schultern.

Ich nehme meine Schlüssel und ungeachtet deiner Blicke verlasse ich den Raum. Mir geht es elend, denn ich will dich nicht verletzen. Aber mir ist ebenso klar, dass du mich nun gehen lassen musst, um mich nicht zu verlieren. Denn wenn ich bleibe, verliere ich mich selbst.

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    Kenn ich zwar nicht so krass, aber doch ganz gut. Wenn ein Abend unter Freunden echt Ausnahme ist.. So kanns in keiner Beziehung sein... Davon sollte man sich echt frei machen. Mir ist es gelungen...

    Aber btw: Der Ausdruck "schlechtes Gewissen einpflanzen" gefällt mir extrem gut... Kompliment!

    25.05.2008, 23:01 von Kateee
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    kenn ich gut
    -schön geschrieben

    18.06.2007, 13:32 von smot82
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    ich kenne das gefühl, glaub ich... aber leider von der falschen seite. aber was kann man tun? man LIEBT nunmal, und wie soll man sich sagen dass man gefälligst weniger zu lieben hat. zum zweiten sind frauen aber auhc sehr grausam, sie wollen geliebt werden, aber nicht zuviel, sie wollen dass man sich um sie kümmert, aber nicht zuviel. und am ende ist ihnen die liebe nix mehr wert und sie verlassen einen. kann es sein dass es ein generelles problem ist dass eine beziehung nur noch mittel zum zweck st und man sich von ihr so leicht trennt wie von alten schuhe?

    07.01.2007, 20:46 von Miko
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    ...habe nach 5 langen Jahren begonnen mich selbst wieder zu finden...ich hatte es vorher zugelassen, mich schlecht zu fühlen, an mir zu zweifeln, mich selbst hinten an zustellen und diesen übermächtigen Druck von "sein Wohl liegt in meiner Hand/ich darf keine Fehler machen/ich muss immer die Starke sein"-Verantwortung zu zulassen... Wie Du schon schreibst - wenn man bleibt, verliert man sich selbst - ich habe es gespürt, mich aber erst spät für mich und gegen ihn entschieden. Ist seltsam, scheint manchmal an der "Kombination der Persönlichkeiten" zu liegen, wie weit sowas ausufert, natürlich auch an der Liebe, ich kann mir bis heute nicht alles erklären...ich für meinen Teil weiß, dass es bei ihm richtige Verlustangst war, die ihn quälte. Aber zum Glück liegt das jetzt alles hinter mir, hab mich erstaunlich schnell wieder gefunden - kaum war ich mit mir wieder allein. Und nun sage ich mir, manchmal muss man seine Lektion wohl lernen...umso mehr gibt man auf sich acht...

    08.11.2006, 09:58 von SportMiez
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    Ich kenn das Problem auch, so wie anscheinend viele Frauen.
    Bei mir war aber nicht der Partner anhänglich. Ich dachte immer, er wärs. Und hab ihn nie gefragt, obs ihn stören würde, wenn ich alleine was unternehmen würde. Es hätte ihn nicht gestört, da bin ich jedoch erst nach 4 Jahren drauf gekommen.
    Nach 4 Jahren, in denen ich auf MICH verzichtet habe. Weil wir dachten, in einer Beziehung MUSS man alles gemeinsam machen...

    Aber genau das ist wichtig in einer Beziehung, dass man sich selbst nicht aufgibt und sich treu bleibt!

    22.10.2006, 19:40 von Miss_Drama
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    du sprichst mir aus der seele! fantastisch geschrieben....
    liebe grüße

    05.10.2006, 14:21 von tin08kl
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    Irgenwie fällt es mir schwer nachzuvollziehen, dass fast jeder sich in die Situation einfühlen kann, oder Sie kennt. Ich meine jeder ist für seine Beziehung selbst verantwortlich, und man sucht sich doch bereits den Partner aus, ich weiß nicht, möchte allerdings behaupten, so was kann mir nicht passieren... weil die Partner die ich mir aussuche...ähnliche Ansichten, Interessen und Vorlieben haben, und dazu gehört eben trotz Partnerschaft ein Stück Freiheit... vielleicht kann ich mich deswegen auch nicht wirklich mit dem Text anfreunden? Sorry

    16.09.2006, 03:01 von iva
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