Ich werde dir nicht wehtun...
Ich werde dich nur beobachten, wie du vor mir sitzt und dich die Ungewissheit Stück für Stück zerfrisst.
Wie du selbstzerstörerisch nach eigenen Fehlern in den Tiefen deiner Seele kramst und das alte Tempo in deiner Hosentasche zum Mittelpunkt des Jetzt machst.
Ich werde dir nicht weh tun, weil ich es nicht will. Weil ich es nicht ertragen kann, wenn ich mich mit meinem Gewissen anlegen muss oder gar die innere Stimme zu mir spricht.
Ich werde dir nicht weh tun, weil du mir zuwider bist. Deine kompromissbereite Art belastet mich in meiner Selbstgerichtigkeit und deine abgefeilten Kanten schüren meine Verachtung.
Ich werde dir nicht weh tun, weil ich gerne Gegner habe, die bewaffnet in den Ring steigen und nicht durch das strahlend weiße Lächeln das Fähnchen schwingen.
Ich werde dir nicht weh tun, weil ich Menschen gerne warten lasse. Ich gucke ihnen zu wie sie auf heißen Kohlen sitzen, wie sie von links nach rechts blicken und doch erkennen müssen, dass nichts passiert.
Ich werde dir nicht weh tun, weil ich davon überzeugt bin, du kannst dich auch ohne meine Hilfe ins Unglück stürzen und dann ohne danach zu suchen den Ausweg finden.
Ich werde dir nicht weh tun, weil ich es leid bin dir ein Taschentuch zu reichen, das neben meinem Bett liegt.
Ich werde dir nicht weh tun, weil ich es nicht kann, weil du es bist der jetzt aufsteht und geht.



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