schiheim 07.03.2006, 02:03 Uhr 28 0

Ich weiss, es hat nicht wollen sein mit uns

Du glaubst an Schicksal,sagst du. Und dass es sicher für irgendwas gut gewesen sei. Um zukünftig daraus zu lernen, gar profitieren?! Glaub ich nicht.

Denn ich weigere mich hartnäckig, uns beide als reine Erfahrung in die Sammelschublade zu legen. Dazu waren wir zu besonders, und das siehst du genauso. Aber was bringt das alles, wenn die Vernunft siegen soll.
Allzu lange ist es noch nicht her, vor ziemlich genau zwei Jahren. Ich in einer langjährigen Beziehung - glücklich, ausgefüllt und dennoch auf der Suche nach mehr. Während einem Hauch von zuviel Streit kamst du daher und ich konnte es gar nicht fassen, dass alles so passte. So sehr, dass ich dir meinen Freund verschwieg. Und du mir deine Freundin. Nachdem wir uns das Unvermeintliche eingestehen mussten, küssten wir uns das erste Mal. Das klingt komisch, ich weiss. Aber ich kam einfach nicht von dir los, und du nicht von mir.
Lange Rede, kurzer Sinn - von da an waren unsere geheimen Treffen unausgesprochen besiegelt. Zwei Jahre lang mehr oder weniger spontane Treffen, heimliche Mittagessen, Lokaltouren offiziell mit meinen Freundinnen, Wahnsinns-Sex im Auto, wild at heart im Wald, hinter irgendeiner Hauswand, in den eigentlichen Tabuzonen deiner und meiner Wohnung,... Und von schlechtem Gewissen beiderseitig keine Spur.
Es sei alles nur Spass und ein bißchen Abwechslung, bildete ich mir ein - wie abgemacht. Und wenn jemand emotional schwach werden würde, dann bestimmt nicht ich. Doch du wolltest plötzlich nicht nur mehr mit mir schlafen, sondern auch bei mir. Und vielleicht war das ein Fehler, also so rückblickend betrachtet.
Sieben Nächte haben wir seitdem zusammen verbracht. Ich hab mitgezählt und frage mich manchmal, ob du das vielleicht auch hattest.
Wo das alles hinführen soll oder kann, hab ich mich ebenso oft gefragt. Dass ich meinen Freund nicht verlassen will hab ich so nebenbei anklingen lassen. Eine Zukunft mit dir mir nur heimlich und skizziert vorgestellt und immer gleich wieder verworfen.

Dann der Cut, mit dem ich immer gerechnet hatte, seitdem ich das erste Mal in deiner Wohnung war. Deine Freundin, die so offensichtlich an dir hängt und das ganz offensichtlich nicht nur im positiven Sinn.
Sie sei schwanger geworden, sagst du. Und dass sie es wolle, wie du irgendwie geknickt betont hast. Tja, ein Schock, der kommen musste. Aber doch bitte, bitte nicht so dermaßen schnell.
Alles ist in dieser Minute vorbei, das war mir gleich klar. Für immer, sofort, aus und vorbei. Aus Respekt vor dem zukünftigen Leben und auch aus Schmerz und Selbstverantwortung.
Und was taten wir darauf hin? Wir umarmten uns, gestanden uns, wie traurig wir nun seinen. Ich fragte: "Welches Mal hat dir am besten gefallen?" Und du sagtest: "Jedes Mal." Wie im Film. Das wars dann mit dem Aus-Sein...
Irgendwann sagte ich, dass es so nicht richtig sei, und du meintest, dass du nur ein Leben hättest und es deswegen nicht als Fehler sehen würdest, mich weiterhin zu sehen.
Nunja, wir haben nach aussen den Anschein als seien wir schlechte Menschen, ich weiss. Und deswegen ist es jetzt auch aus. Um endlich und verdammt nochmal vernünftig zu sein. Das Baby ist da, und du liebst es sehr. Und andersrum würde ich dich auch gar nicht lieben. Es soll so sein.
Unsere Partner sind ja ok, naja, meiner vielleicht etwas mehr als deine. Unsere Leben sind mit dieser Entscheidung auch viel bequemer und du hast dein Ersatz-Glück gefunden.
Ich werde auch ohne dich glücklich sein, rede ich mir ein. Beschliesse, einen Job im Ausland anzunehmen - ganz spontan. Mein Freund dreht halb durch - wieso, warum so plötzlich?! Ich sag, dass es nur für ein halbes Jahr sei und ich bald wieder heim komme. Denken tu ich mir, dass ich so schnell wie möglich weg muss, den Gedanken entfliehen. Und für dich ist es sicher auch besser, wenn du mich ausser Sichtweite hast. Also vernünftiger auf jeden Fall. Die ganze Vernunft, ich hasse sie mit jedem Buchstaben.

Du wirst mich nie vergessen, sagst du. Und dass der schönste Platz der Welt da sei, wo ich bin, ganz ohne Scheiß. Zusätzlich wünscht du mir viel Glück für meinen weiteren Lebensweg. Danke, sowas hab ich meinen Klassenkameraden ins Poesiealbum geschrieben. Damals, als ich nicht genau wusste, was ich schreiben sollte. Aber vieleicht hast du das ja auch nicht gewusst.

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      @[Benutzer gelöscht] Pass ein bisschen auf deine Wortwahl auf...

      Ich hab mit 18 sicher aehnlich gedacht.
      Jeder Mensch ist anders, jede Situation ist anders, und auch jede Geschichte. Menschen "verdienen" keine Menschen nicht, das ist Bloedsinn.
      Ich hatte meinem Partner in Wahrheit etwas Schlimmes angetan, aber in Wirklichkeit nicht.
      Und inzwischen ist das ganze Vergangenheit.

      07.08.2006, 01:43 von schiheim
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      @schiheim Hübsche Wortspielchen mit Wahrheit und Wirklichkeit, verändern nichts von beidem.
      Ich pass auch auf meine Wortwahl auf und schreibe folgendes:
      Du bist (warst) feige, falsch, selbstsüchtig und deswegen brutal, und diese Schwäche macht Menschen krank, von denen du gern erwartest und brauchst, was du selbst mit Füßen trittst, die du Freund und Geliebten nennst.

      Deine Übel folgen dir nach. Kreise schließen sich, ob kurz oder lang. Verlass dich drauf. Ob du nun Artikel und Ablaß drüber schreibst oder nicht.

      08.08.2006, 05:07 von schauby
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    @ schiheim

    ich frag mich, wie du die sache sehen würdest, wenn du diejenige wärst, die 2 jahre lang hintergangen worden wär!!!
    ich hab bestimmt nichts dagegen, wenn pärchen für sich beschließen, ne offene beziehung zu führen. allerdings sollten dann auch BEIDE diese vereinbarung treffen.
    ich versteh nicht ganz, warum man mit jemandem zusammenbleibt, wenn man eigentlich jemand anderen liebt. klingt für mich so, als wolltest du nicht allein sein und dir deinen freund "warm" halten.
    und weglaufen bringt im übrigen nichts. wenn du zurückkommst, stehst du wieder an derselben stelle, wenn du nicht langsam mal von deinem egotrip runterkommst. sorry, nichts weiter ist es, was du machst.

    07.07.2006, 08:36 von envyme
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    ich kann einfach die Idee nicht ablenken, dir zu schreiben. Niemand kennt es besser als ich - wenn ich diese Spiel gewinnen moechtet, muss ich durchhalten, dir nicht zu schreiben. Aber unter diesen ‘soll und soll nicht’ leide ich. Nur zwei wochen mehr wirst du in meinem Leben ewig verschwinden, wie du ueberhaupt nicht in meinem Leben geschehen haettest. Du wirst nicht mehr erreichbar sein oder zu irgendwelche meiner Beduerfnisse. Ich will es ja nicht wahrnehmen, doch habe ich keine Maechtigkeit, dich bei mir zu halten. Es waere schoen, wenn ich diese Gedaechtnis wegwischen koennte.
    Dennoch bleibt das Gedaechtnis.

    21.06.2006, 07:20 von gefallenerstern
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    ...wenn man plötzlich jemanden trifft, dessen blosse Anwesenheit einen kribbelig macht und dessen Lächeln im Herzen die Sonne aufgehen lässt, und dessen Gegenwart einem noch Tage und Wochen danach schlaflose Nächte beschert, dann kann man sich noch ein paar Wochen wehren, vielleicht ein paar Monate, aber irgendwann muss man sich der Situation stellen... und dann geht alles andere den Bach runter.... und das, was man jahrelange für eine supertolle Beziehung mit dem Freund gehalten hat, ist plötzlich nur noch "ok", weil völlig bedeutungslos... Ich versteh Schiheim sehr gut. .... übrigens bin auch ich momentan im Ausland. Ich hoffe es hilft. :-)

    17.05.2006, 13:55 von nie_nahe_genug
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    affären sind so ja.
    sehr schöner text finde ich.
    ich vertehe das sehr gut, affären sind etwas sehr aufregendes und reizen mich auch immer wieder.

    aber man sollte immer den moment geniessen, weil es morgen schon vorbei sein kann.
    hey, aber die zwei hatten echt ne aufregende affäre ;-)

    04.04.2006, 22:06 von manuela
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    Und ich weine.

    Vielen,vielen Dank für diesen Text und viel Glück für die Zukunft.

    03.04.2006, 22:50 von sundaysister
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    Warum lernen sich immer die Leute kennen, die partnermäßig schon versorgt sind? Und nicht mal zwei Singles? Ganz schön unfair.

    "Unsere Partner sind ja ok"
    Häh? Wieso ist man mit jemandem zusammen, wenn man den nur "ok" findet?!

    30.03.2006, 20:06 von DirtyDiva
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    Ein wirklich sehr schöner Text, der mir aus der Seele spricht. Ich habe ähnliches erlebt und es war auch so besonders. Wir waren besonders, es lag einfach jedesmal in der Luft. Dann haben sich unsere Wege getrennt, wegen der Vernunft. Ich blieb bei meinem Freund, es war bequemer. Wir haben zwei Jahre nicht miteinander geredet. Letztens haben wir telefoniert und uns anschließend gesehen. Es liegt immer noch in der Luft, genau wie am ersten Tag.


    Ich hoffe, dass dir die räumliche Trennung hilft und wünsche dir viel Glück!

    30.03.2006, 01:33 von isilu
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      @isilu "... es war bequemer" - schon wieder so eine aussage bei der sich mir die nackenhaare sträuben!

      => der bequemste weg ist nicht immer der beste - aber das lert ihr (hoffentlich) auch noch irgendwann mal!

      30.03.2006, 09:56 von zigzag
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    Sehr schöner Text. Auch wenn es viele User nicht verstehen. Das kann man nicht verstehen wenn man es selbst nicht erlebt hat. Es ist nicht zu beschreiben. Diese Kraft. Man kann sich nicht wehren. Man kann es nicht abstellen. Die Gefühle, das Verlangen. Alles wird unwichtig, man lebt nur für die gemeinsamen Stunden. Und es ist so schwer etwas zu ändern. Da ist die Angst ob es nur so gut und intensiv ist weil es nicht immer möglich ist. Kann es funktionieren? Entscheidungen werden vertagt weil man nicht die gemeinsame kostbare Zeit mit Problemen verbringen will, nicht denken will. Bis von außen eine Entscheidung getroffen wird, so wie in Deinem Fall. Doch die wird von beiden nicht akzeptiert, es geht trotzdem weiter, trotz aller Vernunft (was ist schon vernünftig). Der einzige Ausweg scheint die räumliche Trennung. Doch kann man die verwandten Seelen trennen? Ich wünsche Dir viel Glück dabei.

    24.03.2006, 16:15 von leeloo_79
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