frau.von.ungefaehr 08.08.2011, 15:13 Uhr 6 14

Ich stehe hinter Dir.

Wie viele Stunden stand ich schon da?

Hinter Dir. Hinter Deinem Rücken. Sah selten eine Regung in Deinem Gesicht. Kaum je überhaupt dein Gesicht von vorn.

Dein Hinterkopf.
Dein Schweigen.
Dein Geschäftiges Tun.
Mein ungeduldiges Warten.

Ich gehe noch einmal auf und ab.
Ungezählte Zigaretten.
Ratlosigkeit. Wut. Zittern. Angst.
Noch einmal auf und ab.

Du lehnst dich zurück, blickst mich noch immer nicht an.

Ich möchte explodieren.
Auf Deinen Hinterkopf einschlagen. Deine schönen Locken mit Blut tränken. Nützen würde es nichts. Und meiner Wut auch nur sehr kurz Befriedigung verschaffen.
Stattdessen stammle ich lauter unpassende Dinge. Auf die Du nicht achtest, auf die Du nicht reagierst.

Du machst Dinge, deren Sinn, Funktion, Ziel und Nutzen ich nicht verstehe, von denen Du mir aber versicherst, sie seien notwendig,unabdingbar gar und unserer gemeinsamen glücklichen Zukunft zuträglich.

Ich stehe hinter Dir. Laufe wieder auf und ab. Wie Rilkes Panther. Betrachte Deinen Hinterkopf. Stelle mir Fragen. Auf die ich niemals eine Antwort finde. Von denen ich aber hoffe, dass Du sie beantwortest. Dass Du sie aus der Welt schaffst. Zur Not wortlos.

Wie viele Stunden verbrachte ich hier? Wie viele Zigaretten habe ich inhaliert und als blauen Rauch in deine Haare ausgestoßen? Wie viel Unsinn habe ich geredet, auf den Du nie reagiertest? Wie oft habe ich mich gefragt, ob Du herausfinden würdest, was ich hinter Deinem Rücken tat. Die Fingerkuppen biss ich mir einmal sogar blutig. Da sah es so aus, als könntest nicht einmal Du noch etwas retten. Ich habe Dich verflucht. Deine Alleingänge missbilligt. Aber zähneknirschend akzeptiert. Immer daran gedacht, dass ich gut zu Dir sein musst, damit Du es weiterhin zu mir bist.

Du bist es. Und dafür stehe ich weiter hinter Dir. Ungern. Aber ich tu's. Koche Dir Kaffee. Auch drei Uhr morgens. Verscheuche Liebhaber aus meinem Bett und gehe dümmlich hinter Dir auf und ab, mit dem Wunsch erst auf deinen Hinterkopf einzuprügeln, weil ich nichts verstehe und dich dann zu drücken, weil Du es doch wieder geschafft hast, meinen Rechner zu reparieren.

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6 Antworten

Kommentare

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  • 0

    "... dass ich gut zu Dir sein musst, damit Du es weiterhin zu mir bist. "


    altbekannt.geliebt und gehasst. sehr schöner text!

    30.01.2012, 10:56 von emii89
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  • 0

    "Du bist es. Und dafür stehe ich weiter hinter Dir."

    HERRlich :D

    20.11.2011, 19:10 von Jackie_Grey
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  • 0

    in locken kann man spucken ohne das der jenige es merkt!

    08.08.2011, 16:21 von Traumversinken
    • 1

      @Traumversinken Also ICH würde merken, würde mir wer in die Locken spucken!!! :D

      Sonst zum Text... :) Hehe.... mehr fällt mir nicht ein. ;)
      Außer: paar kleine Rechtschreibfehler sind da noch zu korrigieren.

      08.08.2011, 16:40 von nyx_nyx
    • 0

      @nyx_nyx ok ok dann halt. ICH kann in locken spucken ohne das die locken es merken....

      08.08.2011, 18:48 von Traumversinken
    • 0

      @Traumversinken Davon bekomm ich nun Paranoia! Herzlichen Dank auch! ^^

      08.08.2011, 22:08 von nyx_nyx
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