chrisbow 29.06.2012, 13:29 Uhr 7 11

Ich liebte sie, aber nicht so wie sie war…

… sondern so wie sie hätte sein können.

Es ist eine schwierige Geschichte. Wo setzte ich an? Allein darüber zu schreiben tut weh. Ich fragte mich immer, wer den Fehler gemacht hat. Natürlich bin ich immer wieder an den Punkt gekommen, dass sie ihn zuerst gemacht hat. Klar, ich habe sie betrogen. Mehrfach sogar. Doch ich habe es auch immer zugegeben. Ich wollte mit ihr zusammen sein, doch ich konnte es nicht.

Sie saß wieder auf der Couch. Immer saß sie auf der Couch. Sie sagte, sie sei sich nicht sicher. Ich war mir sicher. Ich habe sie geliebt. Doch ich brauchte das auch bei ihr, Sicherheit. Ich stand auf, sagte, was ich in solchen Situationen immer sagte: „Du hast mich verletzt, ich werde jetzt gehen.“ Dann ging ich die Straße entlang zur Bushaltestelle und ich wusste, was kommt: Noch ehe ich in den Bus steigen würde, würde mein Handy vibrieren. Sie würde schreiben, dass es ihr leid täte, dass sie einen Fehler gemacht habe, ich würde zurückgehen, wir würden uns küssen, wir würden uns lieben. Ich würde bei ihr einschlafen und am nächsten Morgen aufwachen mit dem Gefühl, dass es nicht richtig ist.

So ging es zwei Jahre lang, das Hin und Her. Immer wieder waren wir getrennt und dann doch wieder zusammen. Ich dachte, vielleicht liegt es nur daran, dass wir extrem guten Sex hatten, den besten meines Lebens. Doch das war es nicht, so oft ich es mir auch einzureden versuchte. Es war etwas anderes. Wich ich zurück, ging sie auf mich zu, ging ich auf sie zu, wich sie zurück. So war es dann immer, morgens, ich wollte kuscheln, zumindest eine Umarmung, einen Kuss. Sie stand auf, machte Kaffee, hatte ja noch so viel zu tun. Ich blieb verunsichert zurück, mit dem Gefühl, dass es nicht richtig war. Diese Sache steigerte sich, ich hielt nach anderen Frauen Ausschau, ging mit ihnen ins Bett, das mache sie rasend, und doch verlies sie mich nicht.

Irgendwann dann war es endgültig aus. Wir schrieen uns nur noch an, Geschirr flog quer durch die Wohnung und zerschepperten an der Wand. Sie hatte jemand anderen kennengelernt. Ich hatte gerade was anderes am Laufen. Die Sache war vorbei. Ich sagte abermals, ich werde gehen. Klar hatte ich kein Recht mehr zu sagen, sie habe mich verletzt, schließlich hatte ich sie ja mittlerweile mehr als nur einmal verletzt. Doch ich ging endgültig. Ich löschte ihre Nummer, blockierte sie auf Facebook, sie schrieb mir per Mail, ich antwortete nicht mehr.

So oft ich die Sache auch drehte und wendete, immer gab ich ihr die Schuld. So wie es sich liest, könnte man das auch annehmen, weil nicht ich es war, der dieses Hin und Her wollte. Doch es war nicht ihre Schuld. Es war auch nicht meine. Wir passten einfach nicht zusammen – zumindest nicht so, wie wir waren. Eine Freundin sagte daraufhin: „Dein Problem war, dass du alles, was sie machte, auf dich bezogen hast. Wenn sie nun mal kein Morgens-Kuscheln-Typ ist, dann hat das nichts mit dir zu tun, dann ist sie einfach so.“ Sie hatte recht. Die Info kam nur leider zu spät. Nein, im Grunde wusste ich es schon immer, ich liebte sie nicht so, wie sie war, ich liebte sie so, wie sie hätte sein können.


Tags: Herzschmerz-Mixtape Vol. 1, unglückliche Liebe, Idealvorstellung
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7 Antworten

Kommentare

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  • 1

    zwei jahre der himmel auf erden;)
    da erlernt man lauter kleine boshaftigkeiten.
    und verlernt manchmal sich selbst.....

    05.07.2012, 16:31 von zehnmomente
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  • 2

    Ich würde ja gerne, aber dem ist ja eigentlich nichts hinzu zu fügen.

    30.06.2012, 09:31 von Mrs.McH
    • 0

      Vielen Dank! Aber ich glaube, es gäbe schon nocht etwas hinzu zu fügen, aber das kommt dann in den Fortsetzungsgeschichte ;) im Mixtape Vol 2 und 3...vielleicht sieht es ja der ein oder andere schon ;)

      30.06.2012, 11:42 von chrisbow
    • 0

      Ich lese dann später nochmal und dann werde ich aich die Zeilen dazwischen berücksichtigen... Habe ich nicht bemerkt beim ersten Mal ;-)

      30.06.2012, 11:52 von Mrs.McH
    • 0

      Leider auch nicht beim zweiten Mal... Kläre mich Dummerchen auf. Ich finds einfach albern und habe solche ON-OFF-Beziehungen noch nie verstanden, wirkt auf mich wie vorsätzlicher Selbstbetrug auf Raten.

      30.06.2012, 16:07 von Mrs.McH
    • 0

      "[...]wirkt auf mich wie vorsätzlicher Selbstbetrug auf Raten."

      Na dann hast du den Kern des Textes doch getroffen! Also, ob es vorsätzlich ist...hm...das ist Thema der nächsten Texte...aber Selbstbetrug ist schon dicht dran...ich würd eher sagen, Mangel an Selbst-Bewussts-Sein - im Sinne des seiner sebst bewusst sein...aber wie gesagt, da kommen noch zwei Texte, die das klären sollen.

      01.07.2012, 09:29 von chrisbow
    • 0

      Ich bin sooo gut... Und merk das nicht mal! :-)

      01.07.2012, 09:48 von Mrs.McH
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