Ich liebe dich nicht nicht.
„Ich liebe dich einfach irgendwie nicht mehr so doll.“, erklärst du mir und ich muss erst mal die Worte sortieren: Rechts die wahren, links die feigen
Rechts steht jetzt: Ich liebe dich nicht. Und links: Einfach irgendwie mehr so doll. Und das ergibt keinen Sinn. Einfach keinen Sinn.
Eine Stunde versuche ich dir heulend deine Gefühle zu erklären. Dann kotze ich ins Waschbecken. Aber ich fühl mich nicht leer. Wer hat gesagt man fühlt sich leer? Ich habe einen Kloß im Hals, tausend Gedanken im Kopf, Wut im Bauch und Angst in den Gliedern. Und mein Herz ist so schwer.
Ich möchte dir so viele Dinge an den Kopf werfen: Worte, schwere Gegenstände... Aber du hörst ja eh nicht. Du fühlst ja eh nichts mehr. DU fühlst dich leer. Kein Wunder, so ganz ohne Herz.
Ich lasse dich gehen – durch die Haustür direkt in meinen Kopf. Dort drehst du dich im Kreis, erzählst mir Geschichten von früher und sagst, dass du mich doch liebst. Dass du dich bloß geirrt hast, dass ich recht hatte, dass du wieder kommst und wir Geschichten von morgen erleben.
Nach einer Woche klingelt’s plötzlich. Nicht in meinem Kopf, es klingelt wirklich, an der Tür. „Kann ich rein kommen?“, fragst du. „Warst du weg?“, denke ich und lasse dich rein. Wir rühren ernst in unserem Tee, der noch zu heiß zum Trinken ist. „Ich habe nachgedacht“, sagst du, ich sage nichts. „Du bedeutest mir immer noch sehr viel“, sagst du, ich sage nichts. „Du fehlst mir.“, sagst du, ich sage nichts. „Jetzt sag doch auch mal was!“, sagst du und ich sage: „Du liebst mich nicht“. Und du sagst nichts.
Du kommst zu mir rüber, auf meine Seite des Tisches. Du lässt mich auf der Sitzbank Platz für dich machen und setzt dich ganz dicht neben mich. Du streichst mir über die Wange und küsst meine Stirn. „Ich liebe dich nicht nicht.“ flüsterst du leise, nimmst einen Schluck von meinem Tee und verbrühst dir die Zunge.
Behutsam schließe ich die Tür hinter dir. Minus mal Minus ergibt Plus. Ich hab diese Regel nie verstanden. Und ich verstehe nicht, warum du mich bloß nicht nicht liebst, während ich dich einfach immer noch irgendwie so doll liebe.






Kommentare
bald kann ich diesen text auswendig..so oft wie ich ihn jetzt schon gelesen habe, weil er so unglaublich gut ist. (:
22.09.2012, 14:52 von alwaysthesamegrandios! :)
16.07.2012, 16:11 von pourmoi
direkt aus dem leben, sehr gut nachvollziehbar.
15.01.2012, 18:33 von trimipraminSchön, aber traurig..
14.01.2012, 20:57 von TonightsDreamMir ist es genau so passiert, von heute auf morgen war seine Liebe weg.
12.01.2012, 17:22 von zuckerwattewoelkchenGefällt mir sehr der Text! Gut geschrieben!
09.01.2012, 15:17 von Hillie87Nicht unschön, aber trotzdem nicht das, was man hören will. In schöne Worte gepackt.
07.01.2012, 18:39 von MistressOfHateWunderschön.
ich verstehe die Original-Formulierung durchaus und empfinde sie nicht als sinnlos.
29.12.2011, 15:49 von Schmalzstullehttp://www.neon.de/artikel/fuehlen/psychologie/das-orchester-meines-lebens/808022
29.12.2011, 13:35 von TooHuManglückwunsch, du bist der erste seit langem, den ich mal sperre
29.12.2011, 14:03 von MisterGambitach man. schoen und traurig, schoen traurig. ich bin beruehrt!
26.12.2011, 15:52 von schluesselkind