schubia.wanzhaar 23.03.2011, 05:50 Uhr 2 3

Ich kenn dich nicht.

Ich habe gehofft. Ich habe geträumt. Wie immer.

Ich wollte gar nicht dahin gehen. Ich wollte eigentlich schlafen. Übernächtigt. Hungrig. Sehnsüchtig nach dem, was du nicht bist. Du scheinst es bloß zu sein.
Kalter Wind an meinem Hals. Ich hätte doch einen Schal anziehen sollen. Aber das hätte doch die Frisur ruiniert. Das hätte mich ruiniert. Nicht perfekt sein hätte alles ruiniert.

Ich stehe eine Stunde an für diesen Drecksladen. Denn ich weiß, du bist da. Ich weiß, du wartest. Ich weiß, du willst mich sehen.
Alle schauen mich an, flirten gerade zu. Die Zeit scheint still zu stehn und die Müdigkeit frisst mich auf. Ich fühle mich hässlich. Ich fühle mich schäbig. Ich hatte mich doch extra hübsch gemacht für dich.
Meine Beine zittern. Aufregung. Müdigkeit. Sehnsucht.
Sehnsucht?!

Ich stehe vor dir und du hebst nur beiläufig die Hand. Wie sehr wünsche ich mir, du würdest mich ansehen, nicht durch mich hindurch. Ich folge dir auf Schritt und Tritt, bin froh, dich zu sehen. Du bist ständig weg. Dabei bin ich doch nur wegen dir hier. Wegen dir, verstehst du? Du hattest mich doch angerufen. "Komm doch vorbei", sagstest du. Ich wollte nicht, wusste, wie falsch es ist.
Egal, denke ich mir. Er ist betrunken. Wie immer ist er betrunken.

Ich bin nichts als Fleisch. Nicht mal das. Nicht mal Luft. Ich bin nichts. Für dich.

Wir tanzen. Du bist nah. Ich spüre dich nicht. Du schaust bloß weg. Ich schau bloß hin. Alles andere egal. Du bist hier. Ich drehe mich um, und schon verschwindest du. Alles ist wichtiger. Verdammt, du siehst mich einfach nicht. Dabei trage ich die Kette, die du mir geschenkt hast. Ich dachte, du würdest es begreifen, nach all der Zeit. Aber du hast nichts begriffen. Nicht einmal dich selbst begreifst du.

Wo du auch hingehst, ich folge dir. Die anderen sind auch da, ich nehme sie nicht wahr. Du nimmst alles andere wahr. Mich nicht. Du stellst mich bloß, machst mich nieder. Es wäre ein Scherz, sagst du. Ich schlucke alles hinunter, schaue auf meinen Garderobenbon und versuche nicht zu weinen. Bitte, nur nicht weinen. Bitte.

Du holst unsere Jacken. "Wir gehen woanders hin. Kommst du mit?", fragst du. Als ob du die Antwort nicht kennen würdest. Du schaust auf die Kette. Schaust mich an. Ein Lächeln huscht über dein Gesicht. Es wäre niemandem aufgefallen, mir schon. Ich studiere dein Gesicht. Ich weiß, wann du was fühlst. Leider sehe ich kein Gefühl mehr. Es ist alles so leer.

Es bringt alles nichts. Du siehst mich nicht, nie. Ich verschwinde um die Ecke, und kann die heißen Tränen fühlen, während sie meine Backe hiunterlaufen. Ich fühle alles, ganz stark. Präsent. Echt. Ich kann nicht aufhören, hoffe bloß, dass meine Schminke nicht verschmiert ist.

Du lässt mir die Wahl. Bei mir oder zu Ben. Du bist so scheiße. Du weißt, was ich sagen werde. Man, komm klar. Werd nüchtern. Mach die Augen auf.

Wir liegen uns gegenüber. Weit weg. Aber ich fühle dich so nah. Ich kann es nicht mehr schlucken. All die Dinge. All die Gefühle. Die Liebe. Die unerwiderte Liebe.
Du sagst, es ist eine Phase. Du fühlst noch, aber weißt nicht was. Und willst nicht sagen, was du nicht sagen kannst. Ich soll mich nicht immer entschuldigen. Es wäre alles nicht so, wie ich denke. Du hättest ein Herz.

Ich halte die Kette fest in meiner Hand. Du öffnest meine Faust, und klammerst dich an die Kette. Legst meine Hand darum. Als wäre das alles, was von uns übrig ist. Ein Stück Speckstein an einem Lederband. Als wäre dieses kleine Symbol alles, woran du dich festhalten könntest.

Wo bist du hin? Wo ist mein Held geblieben? Wo ist dein Herz, deine Seele? Wo ist alles, was ich je schätzte?
Puff. Boom. Wie ´ne Blase. Alles zerplatzt. Du bist ein schlechtes Abbild deiner selbst. Und du weißt es besser als ich.

Zeig mir den Ort, wo du dich zurückgelassen hast. Ich werde ihn suchen und dich zurückholen. Uns zurückholen. Alles gut machen. Für dich. Für mich. Für uns?

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Kommentare

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    Meine Liebe,
    es stimmt mich wahnsinnig traurig zu lesen, dass es nach all der Zeit immernoch so schwer für dich ist, wo er doch so ein Arsch ist, das hast du nicht verdient.
    Eines Tages geht auch das vorbei.

    11.04.2011, 15:56 von off-to-vienna
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    Da kommen Erinnerungen hoch. Tut mir leid, dass du sowas erleben musst. Aber ich glaube es stärkt fürs leben.
    Meine Geschichte war irgendwie anders aber auch irgendwie genau wie deine.
    Bei mir kam der Tag an dem ich es nicht mehr ausgehalten habe.
    Ich habe Schluss gemacht. Drei Tage später hat sie erkannt was sie an mir hatte, hat geweint, wollte mich zurück, aber da war es zu spät. Sie hatte mich davor einfach zu oft verletzt.
    So oft, dass es mir am Ende nichtmal wirklich weh tat Schluss zu machen oder sie wieder abzuweisen.

    23.03.2011, 09:29 von Anders28
    • 0

      @Anders28 Danke, für deine Worte.

      Ich würde gern Schluss machen, aber wo nichts ist, kann man nichts beenden. Das ist das schlimmste. Ich weiß nicht, wie, was, wo, wohin, und überhaupt was mach ich eigentlich.
      Hoffentlich hört es auf irgendwann und ich kann ihn ansehen und nichts mehr fühlen.

      24.03.2011, 07:42 von schubia.wanzhaar
    • 0

      @schubia.wanzhaar Ich drück dir die Daumen, dass für dich bald Klarheit einkehrt und du ihm gegenüber mehr Kraft aufbringen kannst.
      Für mich war es in der schweren Zeit am besten viel für mich zu tun und dabei nicht an sie zu denken...es wenigstens zu versuchen, geklappt hats nicht immer.

      Du packst das =)

      25.03.2011, 05:17 von Anders28
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