LolaisBrave 25.01.2010, 01:17 Uhr 6 4

- Ich habe dir in die Augen geschaut und dein Herz gesehen -

„Für immer“ hast du gesagt. Das sind große Worte. Aber du hast es nicht nur gesagt, du hast es auch gemeint.

Wenn ich heute zurückblicke, weiss ich nicht, was ich denken soll. Ich liebe dich. Immer noch. Und werde es auch für den Rest meines Lebens tun. Allerdings möchte ich in der Zukunft nicht mehr neben dir aufwachen. Es hat sich so viel verändert, und doch ist alles gleich.
Als wäre es gestern gewesen. So genau erinnere ich mich an unseren Abschied. Es hat so nichtssagend begonnen mit uns beiden. Ein paar Bier zu viel und schon hast du mich geküsst. Später hast du mir gesagt, du hättest dir erst Mut antrinken müssen. Das habe ich nie verstanden. Ich hab dich vom ersten Moment gemocht. Und nach dem Kuss hats dann auch nicht lange mit dem Sex gedauert. Wir haben das Bett kaum mehr verlassen. Mit dir hatte ich mit Abstand den besten Sex meines Lebens. Wieso sollte ich das aufgeben, habe ich mir damals gedacht. Und du fragtest dich dasselbe. Unausgesprochen hatten wir uns eine Zukunft ausgemalt. Oft lagen wir schweigend nebeneinander und träumten von unserem Leben zu zweit. Mit vielen Kindern. Einfach glücklich.
Den bitteren Beigeschmack unserer Trennung schluckten wir runter. Wir wussten beide, dass wir nicht viel Zeit hatten. Zumindest nicht für den Augenblick. Die Flüge waren gebucht, die Pläne geschmiedet. Und doch genossen wir jeden Tag zusammen.
Ich habe dich so geliebt. So unendlich geliebt, dass ich keinen Zweifel daran hatte, dass wir füreinander bestimmt waren. Du warst „the one“. Der eine Mensch, den man immer hofft, irgendwann zu finden, aber nie wirklich daran glauben möchte, aus Angst, enttäuscht zu werden. Aber ich hatte dich gefunden! Du warst Wirklichkeit und ich wollte dich nie mehr gehen lassen. Blöd wäre ich gewesen. Du warst doch mein Schicksal.

Und dann kam er. Der Abschied. Nachdem du gegangen warst, lag ich aufgelöst, schluchzend, zu nichts mehr fähig, auf meinem Bett. 5 Stunden lang konnte ich mich nicht bewegen. Nur weinen. So lange, bis ich nicht mehr weinen konnte. Unsere Freunde legten sich abwechselnd zu mir ins Bett. Sie sagten nichts, lagen einfach nur da und hielten mich im Arm. Sie wussten, dass auch ich nichts sagen konnte, weil kein Wort der Welt ausdrücken konnte, wie ich mich fühlte.
Dann, irgendwann, stand ich auf und versuchte mich abzulenken. Ich ging in die Stadt und kaufte eine Coldplay CD, weil das deine Lieblingsband ist. Immer und immer wieder hörte ich „Yellow“, weil das das Lied war, das du an deinem letzten Abend auf der Gitarre gespielt hast. Du hast es mir gewidmet. Es hat mir das Herz zerrissen, an diesem Abend ohne dich einschlafen zu müssen. Ich konnte mir keinen einzigen Tag mehr ohne dich vorstellen.

Und dann, am nächsten Tag, kam mein Abschied. Von Australien, meiner Reise, auf der ich mich neu entdeckt und die Liebe meines Lebens gefunden hatte, und von meinen Freunden, die zu meiner Familie geworden waren.
Ich flog zurück nach Amerika, wo ich ein Jahr zuvor gelebt und mich unsterblich verliebt hatte. Doch die Umstände waren damals gegen uns, deshalb musste ich das Land verlassen und entschied mich kurzerhand nach Australien zu gehen. Und jetzt war ich zurück. Weil er mich gebeten hat. Er wollte eine zweite Chance und ich war so glücklich, als er mich danach fragte! Das war zwei Tage, bevor ich dich kennen lernte.

Sechs Monate hatte er gebraucht, bis er mich vermisste. Bis er merkte, was er an mir hatte, und mich dennoch gehen ließ. Monatelang hatte ich Liebeskummer. Und irgendwann habe ich versucht nach vorne zu schauen. Aber ich konnte nie wirklich damit abschließen. Ich wusste, dass ich irgendwann wieder zurück und die Sache entweder komplett beenden oder einen zweiten Versuch starten muss. Und als er mir dann geschrieben hatte, wie sehr er mich vermisst und wollte, dass ich zurück komme, habe ich keine Sekunde gezögert und meinen Flug gebucht. In diesem einen Moment war ich so unendlich glücklich, dass ich mir sicher war, nichts mehr würde jetzt noch schief gehen. Und dann kamst du.
Du hast mich von den Füßen gerissen und ich war nie wieder fähig ganz aufzustehen. Innerhalb von so kurzer Zeit warst du alles was ich brauchte. Mein Liebhaber, mein bester Freund, meine Seele und mein Herz.
Ich habe dich nie belogen. Du wusstest, dass dort noch jemand war, dass ich eine Geschichte mit ihm hatte und dass ich ihn immer noch liebte. Und zugleich liebte ich dich. Ich war entschlossen, die Sache mit ihm zu beenden. Für dich. Ich hatte mich für dich entschieden.
Wir waren uns einig, dass es nur ein paar Monate dauern würde, bis wir uns wieder sahen. Maximal bis Weihnachten...

Ich habe dich nie wieder gesehen. Aus unserem Abschied auf Zeit wurde ein Abschied auf Lebenszeit.
Du hast es nicht ausgehalten. Die Bilder. Von mir und ihm, glücklich. Ich kann es dir nicht mal übel nehmen. Ich hätte wahrscheinlich genauso reagiert. Aber ich habe dir gesagt, ich brauche Zeit. Ich musste meine Gefühle ordnen, wollte mir ganz sicher sein. Vielleicht war ich auch einfach zu feige. Die ganze Zeit seit ich dich kannte, hatte ich Angst vor dem Tag, an dem ich in Amerika aus dem Flugzeug steigen würde. Dass ich ihn sehen würde und sofort alles wieder da wäre. Wie früher. Und genauso war es. Und ich war machtlos.

Dieses Jahr werde ich ihn heiraten. Ich werde morgens mein Brautkleid anziehen, Blumen ins Haar stecken, und tief durchatmen. Ich werde neben ihm stehen und dem Pfarrer lauschen. Ich werde glücklich sein. Sehr sogar. Ich werde ihn ansehen und „Ja“ sagen. Und vielleicht, für einen ganz kurzen Moment, werde ich dein Gesicht sehen, bevor ich ihn küsse.

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6 Antworten

Kommentare

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    Beim letzten Absatz habe ich Gänsehaut bekommen.

    Sehr schön geschrieben.

    28.01.2010, 21:46 von KleineHonigBiene
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    WOW, wunderschön u unendlich traurig zu gleich!
    Toll geschrieben, man fühlt irgendwie mit!
    Da wird einem glatt das Herz schwer....

    27.01.2010, 11:06 von paedagogischwertvoll
    • 0

      @paedagogischwertvoll Danke dir! =)
      True Story...
      Aber die Zeit heilt alle Wunden. Hoff ich.. =)

      28.01.2010, 21:28 von LolaisBrave
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