Lisi.li 30.11.-0001, 00:00 Uhr 7 9

Ich hab ja mich

Der Eine wünscht dem Anderen ja doch nicht das große Glück. Wie auch, das große Glück war man doch selbst all die Jahre.

Monate ist es her aber ich seh dich noch klar. Dein Gesicht hat sich eingebrannt. Jedes Detail  sofort abrufbar. Du bist der Mensch, den ich am besten kannte. Wie der Mond der Erde, bin ich dir gefolgt. Mein Leben nur auf deins ausgerichtet und abgestimmt. Plötzlich warst du weg. Nahmst den kleinen Teil von mir in dir mit. Er fehlt mir manchmal. Es ist schwer zu sagen aus was er bestand. Liebe, Gewohnheit und ein kleines Stück zu Hause. Vor Allem aber Liebe. Die war allgegenwärtig, quasi die Definition. Diese eine einnehmende, komplett irrationale, unbändige Liebe. Diese eine Liebe, die schon fast schmerzt. Die dich Nachts nicht schlafen lässt und tagsüber dein ständiger Begleiter ist.

Ein klarer Schnitt. Das habe ich doch eigentlich nie gewollt. Schrecklich eigentlich und doch ein Segen. Dabei wollten wir doch Freunde bleiben. Viel zu viel ist passiert in den letzten Jahren um so zu tun als wäre es ok. Der Eine wünscht dem Anderen ja doch nicht das große Glück. Wie auch, das große Glück war man doch selbst all die Jahre. Die Trauer sitzt doch viel zu tief. Da hat Freude keinen Platz.

Wo so viel Liebe war, da kann es keine Freundschaft geben. Die Liebe wird immer irgendwo lauern. In dunklen Gassen der Erinnerungen. In Songs, die wir zusammen im Auto mitgesungen haben. In Weltraum- Dokus um drei Uhr in der Nacht. In schwarzem Tee mit Zitrone, den du soviel besser machen konntest als ich. In Einkaufszetteln, in denen ich immer um ganz viel Liebe gebeten hab. In Fahrradtouren mit mindestens 20 Fahrradselfies. In Diskussionen, wer mit dem Brötchen holen an der Reihe ist. In Bauchschmerz- Lachanfällen. In jeder Umarmung, in jedem Blick und in jeder Erinnerung.

Aber ich kenn dich nicht mehr. Ich kenn nur deinen Namen und jedes Detail deines Lebens. Da gab es immer nur dich. Du und Ich, das hat Sinn ergeben. Alles andere brauchte ich nicht. Plötzlich ist da diese Andere. Irgendwie seltsam, nicht passend. Da war doch immer Ich.

Aber ich kenn Sie nicht, genauso wenig wie dich. Ich kenne nur die Liebe, die uns mal verband. Scheint fast wie aus einer anderen Zeit. So weit weg und doch jederzeit abrufbar, war viel zu lang da um sie zu vergessen. Sie war echt und mehr muss ich nicht wissen.

 

Und doch sitz ich oft da, die Gedanken ordnen sich nicht. Ich versuche sie zu fangen und in einen logischen Zusammenhang zu bringen. Sie zu greifen und zu verschließen. Manchmal ergibt nichts einen Sinn, ein einziges Wirrwarr. Doch was ich unumstritten weiß ist, dass ich glücklich bin, nach all der Zeit.

All die Jahre hab ich geglaubt, ich brauche dich. Dich um ganz und gar glücklich zu sein. Ein Mensch ist nur zu zweit komplett. Was soll man auch machen so ganz auf sich gestellt. Und doch kommen da immer diese ganz besonderen Menschen, die dir den Tag retten, dich strahlen lassen, sich mit dir auf den Weg begeben, dir den Weg zeigen, wenn du komplett die Orientierung verloren hast.

Und dann bin da noch Ich. Im Grunde die Quelle meines eigenen Glücks. Meine ganze Liebe schenke ich nun mir selbst und das voll und ganz.

Ich kenne dich nicht mehr, dafür mich umso mehr. Nach den ganzen Jahren hab ich mich wieder gefunden. Der Preis warst du. Aber wofür brauch ich dich, ich hab ja mich.


Tags: liebe
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7 Antworten

Kommentare

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    Ich kenne dich nicht mehr, dafür mich umso mehr. Nach den
    ganzen Jahren hab ich mich wieder gefunden. Der Preis warst du. Aber wofür
    brauch ich dich, ich hab ja mich.


    Perfekter Abschluss!

    24.06.2016, 10:03 von TrustYourself
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      Danke! :)

      06.07.2016, 19:50 von Lisi.li
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    Wenn der erwachsene Mensch schon glaubt, er bräuchte Liebe, dann in erster Linie  von sich selbst. 


    Aber das Thema habe ich meinem thread bereits im Focus.

    19.06.2016, 17:57 von Dr_Lapsus
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    " Meine ganze Liebe schenke ich nun mir selbst und das voll und ganz. "


    Klingt wie das Pfeifen im Walde aus der Psycho-Rubrik eines Lifestylemagazins abgeschrieben. Wäre dem wirklich so, sähe der Rest des Textes komplett anders aus: Weniger Opfer - weniger Vergangenheit - mehr wirkliches "Loslassen" - mehr Gegenwart.

    19.06.2016, 16:06 von Hattori-Hanzo
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    Wenn ich mir die Texte der verschiedenen jungen Damen und Herren anschaue, frage ich mich immer haeufiger:  Wer hat von wem abgeschrieben?  Oder: warum erleben die Schnuggelchen alle das Gleiche ??


    Es gibt kaum eine differente Problematik.  Stets:  Liebhaber geht fremd, er war ein "Schwein", die Beste bin immer noch ich.. usw usw.

    Bin auf den Tag gespannt, an dem ein junger Hirsch oder eine zierliche Ricke  mal etwas  ueber die Problematik von Schweissfuessen berichtet ! 
    Da koennte selbst ich noch mitreden :-))

    Aber so ??? :-(

    19.06.2016, 15:52 von Dr_Lapsus
    • 0

      Schweinefüße als Trennungsgrund?


      so a la: Zu Anfang war es nur Freundschaft Geteiltdurch. Eigentlich war er total oberflächlich, hatte aber große Finger. Schon immer nörgelte er an meinen Schweinefüßen rum. Und dann traf er während eines Auslandssemesters auf den Seychellen eine Mitstudierende mit schönen Füßen, die dazu noch den Footjob-Contest an der Strandbar gewonnen hatte .... ich ahnte ....

      19.06.2016, 19:08 von Hattori-Hanzo
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    Das ist wunderbar!

    19.06.2016, 13:12 von franmarley
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