FrediMagdalena 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 1

Ich glaube die Schatten sind endlich wieder leer

Und deshalb kann ich von den vollen Schatten schreiben in denen du auf der Lauer lagst

Ich höre meine Musik, damit die Stille zu mir zurückkommt. Die Stille die voll ist mit Gedanken, die die Leere vertreibt und die Angst. Die ohrenbetäubende Stille. Ich laufe zu immer neuen Zielen - Orten, Gedanken und Wünschen und finde sie nicht. Ich kehre zurück zu dem Vertrauten und bin allein, suche nach mir und laufe davon. Ich gebe eine Party und lade mich nicht ein. Ich habe einen Film gesehen, über die Liebe und das langsame Ende, über den Verlust und den Schmerz und ich fühle das alles. Aber nur für andere. Ich sehe sie alle, sehe ihre Augen, die Blicke der Berliner Jungs, kann nicht aufhören sie anzusehen, aber erkenne sie nicht. Sie sind alle gleich, alle könnten sie blind sein oder weiter entfernt als ich von mir selbst. Ich bin gebrochen, mehrfach, und die Brüche wurden gefüllt, wie Risse im Gestein. Mit blühenden Gedanken und Erde und Schmerz. Und immer wieder Angst. Und wird mich je ein Junge so ansehen wie er? Ich habe wieder jemandem vertraut und wurde enttäuscht. Wieder. Unerwartet diesmal. Das war doch echt. Ich kann es noch sehen. Die gemeinsame volle Stille, die Tage im Sommer, die Gedanken. Was er gesagt hat. Doch er ignoriert mich wie ich die Welt nun ignorieren möchte. Er meldet sich nicht und ich habe nichts mehr zu melden. Habe aufgegeben ohne aufzugeben, glaube noch ohne daran glauben zu können. Hoffe vergebungslos. Er hat vier Monate geschwiegen, warum sollte er jetzt nach meiner Stimme bitten? Nach meinen Gedanken. Nach meinem Herz. Ich war mir so sicher: Das hält. Nicht für immer, aber für eine kurze Ewigkeit. Ein längere als die, die wir hatten, im Sommer. Diese Ewigkeit zerreißt mich nun. Stück für Stück, am Rand, in kleinen Fetzen, so dass ich rau werde außen. Anecke. Hängen bleibe an Gedanken. Doch es bleibt wahr, er schweigt sich aus. Ich falle und merke es nicht. Ich glaube immer noch, dass es mehr sein muss. Dass er schreiben muss. Und ich will ihm über den Weg laufen, damit er über mich stolpern muss, in Gedanken. Ich war nur einmal bei ihm, in der Stadt auf dem Berg. Aber ich hoffe er stolpert über meine Schatten dort. Über den leeren Briefkasten, dem etwas fehlt, weil kein Brief mehr von mir kommt. Nach den vergeblichen. Ich bewahre meine Würde. Aber warum tut es dann so weh? Ist es schlimmer, wenn ich auch noch meinen Stolz aufgebe? Und will ich das? Ihn bitten. Um eine Antwort. Die ich nicht hören will. Um ein zurück. Ohne zu wissen ob ich sie vergessen kann, die Stille.

Alles was ich jetzt will ist schlafen, wenn man schlafen kann dann muss man nicht lieben. Dann vergisst man, dass man nicht geliebt wird. Von keinem der Berliner Jungs, von keinem der Westdeutschen Jungs. Nicht von Ihm ist was ich meine. Ich verschweige es mir. Ich denke an die Leere. Sogar die ist besser, als an ihn zu denken. Er wird mich nicht überraschen. Die Zeit des Überraschens ist vorbei. Es tut zu weh. Die Überraschungen sind nur verletzend. Weil es mich überrascht wie er mich vergessen können will.

Weißt du, ich bin zurück dort wo ich hingehöre. Wo ich herkomme. Wo ich bleiben möchte. Und du gehörst nicht dazu. Du warst hier - zu kurz - und passtest nicht ins Bild.
Und trotzdem fehlst du in jedem Buch, in jedem Café, in meinen Briefen an mich selbst. Und die Leere verfolgt mich im Augenwinkel. Dort wo du sein müsstest. Irgendwie dabei, aber nicht da. So wie vorher. Bevor ich wegging. Bevor du wegbliebst, aus meinen Nächten, aus meinen Briefen, aus meinen Jahreszeiten. Und du fehlst. Überall. Weil es dich nur einmal gibt, da draußen. Egal wo. Und das ist das Gute. Weil ich klug genug bin Fehler nur einmal zu machen. Ich möchte dich so gerne hassen. Das wäre gerecht, denn deine Stille lässt mich allein, lange schon. Du bist nicht da wenn ich dich brauche. Du bleibst mir eine Erklärung schuldig, eine uneinlösbare Schuld. Dafür ist zu viel Zeit vergangen. Dafür bin selbst ich nicht blöd genug. Darauf hereinzufallen. Mitten aufs Gesicht. Weil ich trotzdem auf eine Erklärung hoffe um sie dir nicht einzugestehen. Die Zukunft macht dich nicht besser, ich gebe dir die Chance dazu nicht. Du wirst jemand der du nicht warst, damals. Du bleibst jemand anders, immer länger. Der den ich kennengelernt habe muss verloren gegangen sein auf dem Weg. Du kannst ihn nicht finden und ich kann ihn nicht länger sehen. Nur in den Schatten und den Nächten. In den Federn die mir als Lesezeichen zufliegen. Da bleibst du und verfolgst mich. In einer Stadt, in die du nie gehört hast.

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