Sasali 14.02.2012, 12:42 Uhr 62 28

Ich brenne für dich

Heute ist kein Tag für verirrte Pralinen aus denen räudige Tauben bereits die Rosinen gepickt haben.

Mit Tränen in den Augen starrt sie auf den schwarzen Fleck, der sich vor ihr krümmt. Sie weint nicht. Ihre Augen reagieren nur auf das Schwelen. Es stinkt, süßlich, hautig, sterbend. Sie denkt an verwahrlostes Blumenwasser. Sie denkt an gammliges Obst. Sie denkt an herrenlose Pizzareste und die Nachgeburt einer Straßenhündin. Sie denkt nicht an ihn.

Ich brenne für dich!

Er war ein hübscher Kerl, hatte ein süßes Lächeln, einen knackigen Hintern. Er war etwas jung vielleicht, aber unverbraucht. Er war keiner dieser coolen Typen, die sich in Bars rumdrückten um Mädchen abzuschleppen. Er war keiner von denen, die gerne damit prahlten, dass sie letzte Nacht wieder zum Schuss gekommen waren ohne auch nur einen Finger zu krümmen. Er sammelte auch keine vergessenen Ohrringe, getragenen Höschen oder Telefonnummern. Nein, er war irgendwie anders. Er war nett.

Sie war es nicht. Sie war ein Miststück. Sie spielte gerne mit dem Feuer. Warum? Das wusste sie selber nicht so genau. Wahrscheinlich war sie einfach nur gelangweilt. Gelangweilt vom Überfluss, von überquellender Farbigkeit, von maßlosen Standards, gelangweilt von geschriebenem Lärm und vertontem Schmerz, gelangweilt von recycelten Massen und individualisierten Uniformen. Sie war gelangweilt von sich selbst.

Und dann traf sie auf ihn, nicht in der Bar, auch nicht auf einer Party. Sie traf ihn einfach so auf der Straße, und es ergoss sich so etwas wie Liebe über den Asphalt. Seine Gegenwart füllte für einen Moment von 97 Tagen Honig in ihre Waben. Sie leckte ihn auf, gierig, unverschämt, exzessiv. Dann war der Honig verbraucht und seine kläglichen Reste verklebten ihr den Kopf. Sie war angewidert, er wollte noch immer Nektar sammeln und Honigtau in sie gießen.

Am Tag 98 entklebt sie sich während er seine Liebe entzündet – mit nur einem Streichholz, mit nur einem Kanister, direkt vor ihren Augen.

Ich brenne für dich!


Tags: Valentinstag
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62 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Hat etwas länger gedauert bis zum Herz, aber dann war's plötzlich da :-)

    20.02.2012, 21:47 von Mrs.McH
    • 0

      Was lange braucht, wird gut - sagt man doch. Freut mich, vielen Dank!

      21.02.2012, 10:32 von Sasali
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  • 0

    Gelangweilt beim Gedanken ans "lebenslänglich".

    Gespannt auf das stets erneute Erflammen - wie oft noch?

    19.02.2012, 18:20 von TilmannKleye
    • 0

      Verstehe dich leider nicht wirklich.

      19.02.2012, 18:22 von Sasali
    • 0

      Dann ganz  unpoetisch:
       
      Das Miststück im Text, könnte ein Miststück sein, weil sie keinen Bock auf den selben Macker für die kommenden zwanzig Jahre hat. Der sitzt dann so vorm 3D-Fernseher, mit fleckigem Unterhemd, Wampe, Sterni Export und kuckt Bundesliga.

      Das Misstsück ist mittlerweile eine solche Wuchtbrumme geworden, dass selbst der Macker auf das Miststück keine Lust mehr hat und lieber in den Puff geht.

      Deshalb verknallt sie sich lieber alle drei Wochen neu, da sie noch recht sexy ist, bis auch Oil of Olaz nicht mehr hilft und frau auf dem Markt keine Höchstpreise mehr erzielt.

      Doch bis dahin entflammt sie sich und andere und ist froh, bis Monsieurs Liebe endlich verpufft ist, er keine sms mehr schreibt und sie parallel erneut die Flamme von jemand Neuem sein kann.

      Vermutlich...

      19.02.2012, 18:36 von TilmannKleye
    • 0

      Nein, nicht wirklich, aber jeder darf den Text mit seinen eigenen Bildern füllen. Deine Interpretation klingt mir dennoch leider zu klischeehaft und etwas platt.

      Aber das ist ja dein Kopfkino, ich bin nur der Kartenverkäufer für die Vorstellung.

      19.02.2012, 18:39 von Sasali
    • 0

      Dein Text jedoch ist gut, sehr gut.

      Literazität vorhanden - zu Literaturwettbewerben schicken.

      Kucken unter: uschtrin.de

      19.02.2012, 18:40 von TilmannKleye
    • 0

      Vielen Dank.

      19.02.2012, 18:44 von Sasali
    • 0

      Andererseits - es ist müßig mit AutorInnen über Texte zu schwatzen - hat es etwas von der Fight Club-Poesie:

      "einfach etwas vollkommen Schönes zerstören..."

      Hier den unschuldigen, jungen Burschen.

      ..und Jared Letos Schönheit ist zerkloppt und zersemmelt

      (aber die stellt er übrigens bei seinen Live-Auftritten bis zum Brechen zur Schau - ich musste seiner Emo-Band leider mal lauschen, bis ich vor Wut kollabierte, weil ich nicht verstand, wie sich einer selbst so lieben kann.)

      19.02.2012, 18:46 von TilmannKleye
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  • 1

    alleine wegen der "räudigen Tauben" empfehlenswert!

    19.02.2012, 17:01 von Surecamp
    • 2

      Dankeschön - die räudigen Tauben liegen jetzt im Keller bei den anderen Leichen. Bei der nächsten Party kommen sie auf den Grill, Bill.

      19.02.2012, 17:03 von Sasali
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  • 0

    Das Ende war jetzt unerwartet...

    obwohl es vorher "angekündigt" wurde, trotzdem ein kleiner Schock ^^
    schöner Text

    17.02.2012, 10:30 von deluecksartist
    • 0

      Lieben Dank!

      17.02.2012, 15:46 von Sasali
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  • 2

    "Manche sind es, die den Weg zur Hölle mit guten Vorsätzen bezahlen. Rechnung der Herr?" ..sagte sie, lächelte..und ließ das Streichholz fallen.

    Brandbeschleuniger. ssssasschuuuuuuusch!

    15.02.2012, 05:06 von Kokomiko
    • 0

      Sssssssassschuuuuusch – was für ein feiner Tusch!

      15.02.2012, 09:48 von Sasali
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  • 3

    Nein, er war irgendwie anders. Er war nett.


    Das war sein Verhängnis.


     

    14.02.2012, 20:16 von Jackie_Grey
    • 0

      "Sie war angewidert, er wollte noch immer Nektar sammeln und Honigtau in sie
      gießen."

      Und das auch.
      Denn er hätte Beton in sie gießen müssen.

      14.02.2012, 22:19 von zeyjay
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  • 0

    a love less ordinary.


    14.02.2012, 20:00 von mo_chroi
    • 1

      Love is the Devil.

      15.02.2012, 09:48 von Sasali
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  • 0

    "Wahrscheinlich war
    sie einfach nur gelangweilt. Gelangweilt vom Überfluss, von überquellender
    Farbigkeit, von maßlosen Standards, gelangweilt von geschriebenem Lärm und
    vertontem Schmerz, gelangweilt von recycelten Massen und individualisierten
    Uniformen. Sie war gelangweilt von sich selbst."

    Auweia, auf soviel Überdruss und Weltekel kann ja nüscht wachsen. Da hilft kein Kanister, da muss n flächendeckende Feuerwalze drüber .. und dann gibts ne Chance fürn Phönix aus verbrannter Erde. 

    14.02.2012, 19:15 von schauby
    • 0

      Ja, verbrannte Asche als Nährboden bringt mitunter die schönsten Blüten hervor, wie wir wissen.

      15.02.2012, 10:38 von Sasali
    • 0

      man vergisst oft allzu leicht, dass alles Gedeihen Verderben zur Grundlage seines Kreislaufs hat.

      16.02.2012, 16:46 von schauby
    • 0

      Zeugen-Gebären-Sterben-Zeugen-Gebären-Sterben-Zeugen-Gebären-Sterben-Zeugen-Gebären-Sterben...

      Das ewige Samsara.

      16.02.2012, 16:52 von Sasali
    • 1

      oh ja,
      für das Ganze ist es einfach nur das Leben, für das Einzelne Himmel und Hölle der Vergänglichkeit. 

      16.02.2012, 16:59 von schauby
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  • 0

    Zur Feier des Tages.

    14.02.2012, 18:04 von nyx_nyx
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  • 2

    Naja.

    14.02.2012, 16:30 von Moogle
    • 0

      Aha.

      14.02.2012, 16:32 von Sasali
    • 0

      Soso.

      14.02.2012, 18:17 von Dalek
    • 0

      auch das.

      15.02.2012, 02:46 von schauby
    • 0

      Ist nicht so?

      15.02.2012, 02:49 von Moogle
    • 0

      Naja nee

      15.02.2012, 02:51 von schauby
    • 0

      Aber eigentlich ja doch.

      15.02.2012, 02:52 von Moogle
    • 0

      mitunter nein .. aber bestimmt irgendwann
      fast sicher

      15.02.2012, 03:00 von schauby
    • 0

      Fein, dass wir mal drüber gesprochen haben Männers.

      15.02.2012, 09:49 von Sasali
    • 0

      ;-D


      .. was ich immer sach, man muss die Dinge klar beim Namen nennen.

      15.02.2012, 16:10 von schauby
    • 0

      Jörg.

      15.02.2012, 16:12 von Sasali
    • 0

      genau, es muss auch klare Namen für Kinder geben, die nicht willkommen waren.

      15.02.2012, 16:15 von schauby
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