siemi 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 1

Ich bleibe noch ein wenig.

Bald sind alle vier Jahreszeiten vorüber und ich bleibe noch ein wenig.

Unser Alltag ist eingekehrt, obwohl wir nie einen haben werden. Wir sind das Paar, dass Jahre zusammen war ohne je zusammen gewesen zu sein. Wir warten auf den Moment, eine Beziehung führen zu können mit jemand anderem – nicht mit dir. Und dabei führen wir eine der glücklichsten Nicht-Beziehungen die es wohl gibt. Jeder macht was er will und die Wege führen ohne Zwang in die gleiche Richtung.

Wir waren reisen, feiern, trauern, lachen, hatten Schmerzen, haben einander gestützt, unterstützt, haben uns entwickelt, haben unser Studium abgeschlossen, den selben Traum geträumt, jeder für sich nebeneinander – weil es doch schöner ist zu zweit.

Ich habe nie mit dir getanzt, wir waren nie duschen, waren nie baden, kannte deine Freunde nicht, kannte deine Schwestern nicht, alles habe ich dir Stück für Stück vor die Füsse geworfen – pflichtbewusst wie du bist hast du alles zu deiner Zeit erfüllt. Nimmst alle meine Worte auf, packst sie vorsichtig in eine Ecke deines schönen Kopfes. Ganz plötzlich erfüllst du meine Wünsche.

Ich würde sprechen bevor ich nachdenke, mir fehle ein Kopfkissen in meinem Bett, mein Kleiderschrank brauche Türen – alles habe ich nun erledigt, Stück für Stück ganz plözlich habe ich deine Wünsche erfüllt. Wo bleiben meine neuen Aufgaben? Ich bleibe noch ein wenig.

Wenn ich unsere Zeit betrachte ist es die schönste Nichtbeziehung, die es gibt. Nicht alle Menschen haben das Glück, jemals solche friedliche Leichtigkeit mit einem Menschen teilen zu dürfen. Ganz vorsichtig behandelst du mich wie eine zarte Blume – ein erstklassiger und respektvoller Umgang zeigst du mir. Niemals hast du mich verletzt, mich zurückgewiesen oder mich vergessen. Bei dir fühle ich mich wie eine zarte Ballerina, du schaust zu mir.

Manchmal habe ich dich für eine Nacht versucht zu vergessen, meinen Marktwert getestet. Ich bin mittendrin geflüchtet zu dir – du hast nicht nachgefragt. Ich weiss nicht ob es dir weh tun würde oder ob es dich nicht interessiert aber ich erzähle dir nichts davon. Kuschle mich ein, zerzause dein Haar und bin glücklich bei dir zu sein.  Auch du erzählst mir davon nichts und ich frage nicht nach – wenn du zu mir kommst und die Nähe ganz ausgelaugt aufsaugst.

Du willst das alles so bleibt, es gefällt dir sehr mit mir aber du kannst mir nicht das geben was ich suche sagtest du mir vor 10 Monaten. Wir werden niemals das Paar, dass Sonntags die Eltern besucht. Ich werde niemals einen Ring von dir tragen. Du wirst mich niemals als deine Freundin vorstellen. Mein Diplom hole ich ohne dich ab und werde meinen Hut hoch in die Luft werfen. Du wirst mich nicht an Hochzeiten begleiten, an keine Beerdigung und wirst mich nicht pflegen wenn ich krank bin. Dies ist die Realität – die Zeit wird zeigen, wer als erstes aussteigt aus unserer Traumschiff Surprise Fahrt. Ich bleibe noch ein wenig. 

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