Ich bin da.
Und als er mich so festhielt, konnte ich mich selbst spüren – nach so langer Zeit wieder spüren.
Manchmal sind die Zweifel ganz klein, ganze leise. Man hört sie kaum. Der Alltag strömt an einem vorbei, wie eine milde Brise. Ist sie wirklich da? Die alltägliche Zerstreuung trübt die eigene Wahrnehmung auf eine sachte, fast angenehme Weise.
Nicht alles Gefühl geht dahin. Man lässt sich nicht nur passiv treiben, man nimmt teil, gestaltet mit und erfreut sich an Dingen und Begegnungen, leidet wegen Geschehnissen und Erkenntnissen. Man lebt.
Auch ich lebe und bin die meiste Zeit sehr zufrieden mit dem, was ich mir schaffe und was meine Umwelt mir entgegen bringt, seien es Geschenke oder Herausforderungen. Manchen Aufgaben stelle ich mich gern, manchen widerwillig. Vor allem aber ist es der Austausch mit meinen Mitmenschen und das gemeinsame Erleben, was jeden Tag für mich lebenswert macht. Damit ist sicherlich nicht ein besonders ausgefüllter Terminkalender gemeint. Mit für mich lieben und angenehmen Menschen zusammen zu sein, ist ein Gut, dass nicht in Stunden oder Häufigkeiten gemessen werden kann. Vielleicht in Intensitäten. Wobei hier nicht immer nur die stärkste, die beste ist. Wie so oft ist es die Ausgewogenheit.
Ich genieße auch die Momente des Alleinseins. Sie sind mir heilig. Schmöker stundenlang in Magazinen oder Büchern, seien es Bestseller oder Unbekannte. Aber am liebsten sinne ich angeregt von all dem vor mich hin. Versuche zu reflektieren und darüber mich selbst zu definieren.
All das, was vergangen ist, und all das, was noch auf mich zukommen wird, möchte ich für mich annehmen. Es gibt kein Gut und kein Schlecht, kein Richtig und Falsch. So möchte ich es sehen. Die Dinge haben alle ihren Sinn, ob nun offensichtlich oder für immer unergründlich. Ich möchte mich von jeglicher Hast lossagen und nicht zergehen in Lethargie.
Manchmal wachsen die Zweifel, werden lauter. Sie benennen sich nicht. Bleiben schleierhaft. Tage vergehen und ich werde dieses undefinierbare Gefühl nicht los. Nur eins scheint sich für mich herauszustellen. Irgendetwas fehlt.
Ich bin Teile meines bisherigen Lebens mit einem Partner zusammen gegangen. Kurze, wie lange Strecken. Manche intensiv, manche oberflächlich. Und oft denke ich dann darüber nach, ob ich in diesen Zeiten jene Zweifel auch hatte. Ereilen sie mich, jetzt wo ich gerade allein meinen Weg gehe, häufiger? Eine klare Antwort kann ich darauf nicht geben. Zu lang ist es her und wenn es diese Zweifel nicht waren, so waren vielleicht gerade andere vorherrschend, die zu damals heute eine ganz andere Gewichtung haben, meist eine geringere. Das nennt man wohl Lebenserfahrung.
Mein Wesen und die Umstände führten zu einem Moment, in dem ich unverhofft und sehnlichst erhofft neben einen Mann lag. Solche Momente haben es inne, dass man selbst ganz offen ist. Herz, Seele und Kopf entsagen jeglichen Tabus und lassen einfach los. So war es auch bei mir zu jener Begegnung.
Natürlich war dort auch eine sexuelle Stimmung, aber sie war sehr zurückhaltend. Dies war nicht der Anlass, nicht das Ziel. Die Anziehungskraft war eine andere. Erst ganz zaghaft berührten wir uns, scheu und ungelenk. Doch als die Angst der Zurückweisung erloschen war, übermannte es uns. Wir umschlungen uns, krallten uns aneinander und ineinander.
Und als er mich so festhielt, konnte ich mich selbst spüren – nach so langer Zeit wieder spüren.
Plötzlich waren diese Zweifel greifbar, sie waren klar: Ich konnte mich selbst nicht sehen, nicht fühlen. Bin ich da? Die Welt da draußen sagt ja, jeden Tag. Mit jeder meiner Entscheidungen brüllt sie mir ins Gesicht, dass ich da bin, denn alles hat Konsequenzen, die man sich selbst zuschreiben muss. Der Alltag ist mehr als nur Ablenkung von sich selbst, vielleicht ist dies der größte Teil unser Selbst, aber was wiegt das, wenn man sich selbst nicht spüren kann?
Jetzt, Wochen danach, frage ich mich, ob das der Sinn der Liebe ist. Dass man durch sie lernt sich selbst wahrzunehmen. Nicht in diesem verklärten Sinne, sondern mit dem Sinn durch den anderen für sich selbst authentisch zu werden. Sicherlich ist dies eine sehr egoistische Ansicht der Liebe und die Frage, ob einem das verwehrt bleibt, wenn man keinen Partner hat, drängt sich unweigerlich auf. Mir scheint es zumindest eine sehr bedeutende Facette der Liebe zu sein.
In diesem Moment war da Liebe und ich konnte zu mir selbst sagen:
Ich bin da.






Kommentare
aha...
29.03.2010, 22:04 von carrie_dorrie_darkoh man, ich geh wieder Off und gucke THe Girl Next Door. Vielleicht spüre ich da noch was...
29.03.2010, 20:46 von Surecamp@Surecamp der film ist ganz witzig
29.03.2010, 20:48 von MisterGambit@MisterGambit weiß nicht, ob wir vom selben Film sprechen...
29.03.2010, 20:50 von Surecampich meine nicht die Komödie mit der Pornofrau....
@Surecamp achso
29.03.2010, 20:53 von MisterGambit@MisterGambit ach fuck, ich sehe gerade, es ist die gleiche Verfilmung wie EVIL, den ich schon gesehen habe. Nur ein anderer Titel! Gibts doch nicht. An American Crime war wenigstens eine andere Verfilmung....
29.03.2010, 20:54 von Surecamp