Hügel wie weiße Elefanten.
"Und all das könnte uns gehören", sagte sie. "Und mit jedem Tag machen wir alles immer unmöglicher".
1.
Ich lernte ein Mädchen kennen. Sie kam aus einer Großstadt und war wie eine. Sie hatte so viele Facetten, morgens, mittags und abends. Sie war Musik für meine Augen. Es war unbeschreiblich. In ihrem Blick verbarg sich etwas, das dem Himmel glich. Sie war wie die Komposition eines Duftes.
Ihr Gesicht war von einer Magie beseelt, oder waren es ihre Augen? Ich konnte nie darüber nachdenken, weil ich dann ihre Lippen sah und mich darin vergaß. Manchmal saßen wir auf einer Bank, während Kastanien auf den Boden fielen.
Der Wind ähnelte einem Schleier. Sie hatte einen Schal an. Die Farbe ihrer Jeans war etwas zwischen grau und schwarz. Sie war schlank und groß. Für mich war sie wie eine Kostbarkeit. Wir hatten eine Art melancholische Beziehung. Wir unterhielten uns die ganze Nacht und standen dann morgens auf, ohne geschlafen zu haben.
Es war keine Liebe, wir waren bloß verliebt. Uns ging es darum, das Herz mit Gefühlen auszufüllen. Als würde man ein wunderschönes Gemälde darin malen. So etwas hatte ich noch nie gefühlt, und glaube, dass sie es auch noch nie empfunden hat, wenn ich sehe wie sie mich anschaut. Es hatte etwas von leidenschaftlichem Verlangen, würde man die Melodie unserer Beziehung beschreiben.
2.
Ich lag auf dem Sofa und hörte auf einmal leise Schritte. Es waren ihre süßen Zehenspitzen. In ihrer knappen Bekleidung lief sie durch die Wohnung. Ich konnte sie aber nicht sehen, weil Rauchschwaden diverser Kräuter vor meinem Gesicht kreisten. Ich fand sie heute genauso hübsch wie am ersten Tag, als ich sie gesehen habe.
Ich erinnere mich noch als ich ihren Blick nicht entziffern konnte. Es war ein seltsamer Moment, weil ich sie ja noch gar nicht so kannte, wie ich sie heute kenne. Sie wars so anders, so geheimnisvoll.
Vor allem in der Winterzeit brauche ich ihre Augen, wenn mir der Sonnenschein fehlt. Denn es ist so schwer ohne Sonne. Vor dem Einschlafen schaue ich dann in ihre Augen, die wie Sterne sind und vergesse. Vergesse die Stunden der Einsamkeit, der Traurigkeit, des Elends.
Das Leben kann manchmal so süß sein wie ihr Parfum. Ich liebe ihren Geruch und genieße es wie sie sich bewegt, spricht oder mich anschaut. Die lärmende Großstadt löste sich über uns auf, irgendwo da oben..
Helles Licht des Mondes fiel durch das französische Fenster. Kühle Luft schlich sich unter den Jalousien der geöffneten Terrassentüren hindurch. Unsere Garnitur warf undefinierbare Schatten an die Wand. Ich konnte nicht schlafen unter diesem Mond. Sie scheinbar schon, vielleicht träumte sie nur.
Wir sind irgendwo im Winter, ich glaube es schlägt ein neues Jahrzehnt ein, weiß es nicht genau. Wir wohnen nicht weit vom Meer. Manchmal geh ich da in der Nacht hinaus um nachzudenken. Genieße die nächtliche Einsamkeit. Besinne mich auf die Geräusche die scheinbar aus dem Wasser steigen oder sich dort befinden. Ich weiß es nicht genau..
Manchmal liegen wir beide im Park und trinken Wein. Violette Flecken haften mittlerweile an der Decke, weil wir hin und wieder etwas verschütten. Wir nehmen auch Obst mit und essen es auf der schönen weichen Wiese. Wir machen Fotos von einander. Sie posiert, weil sie ein Engel ist.
In der Nacht gehe ich dann wieder zum Meer und denke nach, denn es ist so schwer zu verstehen. Ich sitze dort stundenlang auf einer Bank oder stehe am Wasser, werfe Steine hinein oder spähe in die trüb-grüne Ferne. Morgens stehe ich dann unausgeschlafen auf.
3.
Ich lernte etwas und ging nebenbei arbeiten. Sie tat das selbe, nur etwas anders. Die Stadt war an sich schön wie ihre Ansichten. Wir wussten nicht, ob wir dort die ganze Zeit bleiben würden, aus welchen Gründen auch immer. Vielleicht war es die unerbittliche Neugier oder Sehnsucht.
Im Sommer trug sie diese schönen spätsommerlichen Kleider. In pastellblau, in feenblau. Im Herbst trug sie einen eleganten Paletot.
Es war nicht einfach Geld zu verdienen. Für soviel musste man bezahlen, so viel musste man kaufen. Es waren die Zeiten der gefüllten Straßen, der großen Aufruhr. Man drang in die Großstädte und drängelte auf dem Gehsteig. Autoabgase wehten in die Luft. Sie waren schwarz wie viele Lungen. Es roch nach Geld, deshalb waren hier alle so versessen. So gierig. Und wir mittendrin.
Was das Schöne war, war die Tatsache, dass ich irgendwann unter dem Märzsonnenschein begann, die schüchternen Schritte des Sommers zu hören. Ich bekam feuchte Augen, wie damals beim Abschied von meiner Oma, als ich nach Europa fuhr.
Ich glaube, das machte mein zartbesaitetes Herz wieder jung. Das Blut pochte nämlich wieder wie verrückt. Wie im Wahn. Ich fühlte die Zeit durch meine Blutbahnen schlagen.
Eine blaue Wolke zog am Himmel entlang. Stille und die Sonne saßen am Horizont. Bunte Blumen und Schmetterlinge lagen am Horizont. Der träge Wind trieb in diesem grünen Tag wie ein Duft. Wühlte im Gras und strich sanft vorüber. Das Gras taumelte verträumt, als stünde es im Wasser.
Ich dachte an mehr als Hitze, an mehr als sorgenfreie Zeit. Denn für uns Jüngere bedeutet Frühling das Aufblühen, das Erwachsen werden. Liebesgefühle pochen in der Brust und schreien in den Sommer. So schnell kommt der Sommer. Im Sommer ist man am Meer. Man spürt Kribbeln in den Händen und in den Schläfen. Sei es durch Liebe, sei es durch Gras, sei es durch Alkohol. Alles ist schön, alle sind glücklich.Ich habe keinen Blick für die Zukunft, denn das Geld ist knapp, der Moment ist knapp. Ich bin so glücklich darüber.
Ich vesuche, mich auf den Frühling zu besinnen. Ich will ihn nämlich ganz laut hören. Meine Augen platzen vor Energie.
4.
Irgendwann im Winter, es war bitterkalt, selbst zu Hause zitterte man wie ein Luftdrache in der Luft, da stolperte ich über einen Satz , der mein Inneres durcheinander brachte. Fünf, zehn Minuten dachte ich darüber nach und wurde aus irgendeinem Grund traurig. Ich ging zu ihr, um sie zu fragen, was sie darüber dachte. Denn sie hatte schöne Gedanken.
Sie lag erkältet im Bett. Ihr Lächeln war zum Träumen schön. Ihre Augen waren schön wie Orchideen. Das Fieber bescherte ihr gerötete Wangen. Unter der samtenen warmen Decke sah sie aus wie eine Prinzessin. Zwei Kerzen flackerten vor sich hin und verklärten ihr Gesicht. Draußen lag viel Schnee.
Ich küsste sie leicht auf die Stirn und sagte "weißt du, ich bin über einen Satz gestolpert, hier ich habe ihn markiert. Was denkst du darüber?" Ich denke, sie sah mir den traurigen Schimmer in meinen Augen an. Ich setzte mich an den Stuhl und sah durch das Fenster. Irgendwo leuchtete eine Skyline. Rote und blaue Lichter zeichneten sich am dunstigen Gewebe des Himmels ab. "In der rauschenden Zukunft, die Jahr um Jahr vor uns zurückweicht, treiben wir doch stetig der Vergangenheit zu" (F. Scott Fitzgerald), stand in den Zeilen. "Wie schön und traurig die Wahrheit doch sein kann", flüsterte sie. Sie sprach es mit einem Hauch von Trost in der Stimme.
5.
Im Sommer hat der Horizont eine andere Farbe in der Nacht. Es hat etwas von Orange. Manchmal frage ich mich, warum wir nie den schönen Sonnenuntergang zusammen genießen. Nun gut, auch ich schaffe es nie pünktlich zum Sonnenuntergang. Komme immer wenn alle schlafen, auch die Vögel. Letztes mal erwischte ich eine Nachtigall, die auf einem Ast eingeschlafen war.
Ich berührte sie mit einem Finger. Sie merkte nichts, dachte es sei nur ein zartes Lüftchen. Ich ließ sie schlafen und ging vorbei. Gemächlichen Ganges, der etwas Kümmerliches an sich hatte.
Irgendwann wurde es mir dann klar, was zwischen uns war und was mich nicht losließ. Wir waren nicht mehr verliebt in einander. Das war es. Nun war es Liebe und kein Märchen mehr. Niemals wollte ich alt werden in diesem Sinne und doch war es um mich geschehen.
Die Zeit, die Jugend, alles welkt wie Chrysanthemen. Was bleibt, sind diese ganz wenigen verblassten Blüten, die durch den Schnee und all den Matsch hervorschauen. Und wenn man die richtigen Augen dafür hat, kann man ihre ehemalige Schönheit und ihren Narzissmus erkennen.
"Es ist das Glück der Jugend und ebenso ihre Unzulänglichkeit, dass sie nie in der Gegenwart leben kann, sondern stets den Tag an ihrem eigenen strahlenden Zukunftsbild messen muss - Blumen und Gold, Mädchen und Sterne, sie sind nur Wunschbilder und Prophezeiungen, jenes unvergleichlichen unerreichbaren jugendlichen Traums. " (F. Scott Fitzgerald)



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Kommentare
das ist i.wie sowas von wunderschöön!
03.06.2011, 20:32 von waynetrainSchön.
01.06.2011, 01:43 von Aerosmiths-FanNur, was hat der Titel damit zu tun?
@Aerosmiths-Fan Ganz eindeutig ne Umschreibung für ihre Möpse! :D
01.06.2011, 07:38 von nyx_nyx@nyx_nyx Wie erklärst du Rüssel, Zähne und Ohren (btw. handelt es sich um asiatische oder afrikanische Elefanten?).
01.06.2011, 08:03 von quatzat@quatzat Geht doch nur um die Farbe und die Größe, dachte ich.
01.06.2011, 09:13 von nyx_nyxAber wie bekomm ich jetzt das Bild der beißenden Brüste mit Rüsselnippel die mit Dumbo-ohren durch den Raum fliegen wieder aus dem Kopf?
@nyx_nyx Zieh doch mal an dem Rüssel, vielleicht fällt er aus der Brust raus. Ist er haarig?
01.06.2011, 09:30 von quatzat@quatzat Das ist nicht sehr hilfreich!
01.06.2011, 09:32 von nyx_nyx@nyx_nyx Dann halt die Schere. Du kannst die Rüsselnippel im Hussel bei den Gummischlangen entsorgen. Evtl. vorher rasieren.
01.06.2011, 09:35 von quatzatich find es schön... schmalzig geht anders.
31.05.2011, 20:59 von Faradunaich musste mich ein wenig durchquälen, aber ich hab nicht aufgegeben, denn es hat sich gelohnt. denke ich...
31.05.2011, 20:28 von PINKmitGlitzer"Sie war wie die Komposition eines Duftes."
31.05.2011, 18:18 von Matsumoto"In ihrem Blick verbarg sich etwas, das dem Himmel glich."
"Ihre Augen waren schön wie Orchideen."
Heijeijei,
okay ich hab's gelesen...
@Matsumoto kannst dir ruhig mal ne scheibe von abschneiden uschi :P
31.05.2011, 21:02 von FaradunaDas is mir irgendwie zu blumig und schwülstig.
31.05.2011, 17:13 von Lenulitschka..knack!..und die Lanze bricht..
31.05.2011, 17:10 von KokomikoEs gibt Leute..die lesen das..denken nach..lesen es nochmal. Dann machen sie ein Drehbuch draus. Das besetzen Sie. Der Film kommt ins Kino.
Da gehen dann ganzganz viele rein.
Und die kommen dann raus.
Die Jungs sagen: "Ich steh ja eigentlich nicht auf diesen Schmalz, aber meine Freundin wollte rein, da bin ich mit."
Die Mädchen sagen: "Ich steh ja eigentlich nicht auf diesen Schmalz, aber meine Freundin wollte rein, da bin ich mit."
Und alle sagen: "Das war toooll!"
..........
Gut gebaute Szenen.
Nicht zu fassen.
Schwer zu durchschauen wie Menschen.
Jahreszeiten hintergründig transparent, aber fühlbar eingesetzt.
Die Sprache bildet es aus..aber es läuft in sich und von ganz allein und man weiß nie..wohin.
So wie die Liebe funktioniert.
1a
Wunderschön geschrieben, lebhaft & bildhaft. ich denke jede Frau wünscht sihc einen Partner der so über sie denkt o schreibt. Und der Inhalt... Liebe.. wenn man über die Verliebtheit hinausgeht & die Liebe lebt, gibt es wohl nichts schöneres.
31.05.2011, 17:04 von rohdiamant76Unglaublich schöne Bildsprache. Leider kommen die meisten Beziehungen heute gar nicht mehr in die Phase, die Du beschreibst. Ich mag die etwas verworrene, aber sehr intelligente Sprache. Schnulzig find ich sie nicht. Es bedarf wohl dieses Feingefühls, um den Unterschied zwischen Verliebtsein und Liebe zu erkennen, und Liebe dennoch nicht mit Gewohnheit zu verwechseln.
31.05.2011, 15:55 von kleinekarinaMich berührt der Text. Sind es nicht manchmal die vielen Gedanken, die man sowieso nicht in Worte fassen kann? Irgendwas, das tief in einem umgeht, aber nicht greifbar bleibt.Im Grunde steht keine Aussage dabei? Man ist glücklich, aber wehmütig. Traurig und doch fröhlich?
31.05.2011, 15:54 von LindlingIch mag deine Bildsprache.
Stille und die Sonne saßen am Horizont. Bunte Blumen und Schmetterlinge lagen am Horizont.
Einfach schön. Erinnert an Peter Pohl.