Esterelle 30.11.-0001, 00:00 Uhr 8 9

Hört auf zu suchen und ihr findet!

Von der krampfhaften Suche nach dem Gefundenwerden... und warum wir verlernt haben allein zu sein.

Irgendwann kommt der Tag an dem die erste große Liebe, die erste richtige Beziehung, zuende geht und plötzlich ist man wieder alleine.

Man geht jeden Abend alleine ins Bett und wacht nicht in den Armen eines geliebten Menschen auf.
Man kommt nach Hause und niemand wartet.
Niemand ist da mit dem man die Höhen und Tiefen des Lebens teilt.
Kein Partner, den man überraschen kann, dem man jeden Tag aufs Neue beweisen will, wie sehr man ihn liebt.
Niemand mit dem man romantische Kuschelabende verbringt.
Niemand, der einen selbstverständlich zu jeder Party begleitet.
Niemand, der einem so nahe ist.
Keiner, bei dem man sich fallen lassen kann.
Niemand, mit dem man sich eine gemeinsame, glückliche Zukunft ausmalt.

Wir meinen, dass dieser Mensch unsere zweite Hälfte ist und man selbst, alleine, unvollständig erscheint. Unvollkommen wirkt.
Wir binden uns an diesen Menschen, an unseren Partner. Existieren nur noch als ein "Wir".
Aber was ist, wenn dieser Traum zerplatzt? Was ist, wenn die große Liebe immer kleiner wird? Der Traumpartner, doch kein Traumpartner ist? Die Vorstellung einer gemeinsamen Zukunft Angst statt Freude erweckt?
Dann ist es Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen, die Beziehung zu beenden, das "Wir" gegen ein "Ich" und "Du" zu tauschen.

Was bleibt ist der bittere Nachgeschmack eines gescheiterten Traumes und die Erfahrung das alles durchlebt zu haben.

Und nun?
Nun ist man alleine.
Man kämpft sich durch einsame Nächte und plagt sich mit Zweifeln herum ob es wirklich die richtige Entscheidung war.
Das Allein-sein ist ungewohnt. Macht Angst.
Unser Denken ist immernoch bei einem "wir", es akzeptiert das "ich" und "du" noch nicht.

So kommt es also, dass wir uns mit offenen Armen und oft auch zu offenem Herzen in eine neue Beziehung oder Affäre stürzen. Hauptsache nicht allein sein.
Was ist schon Zeit? Wir brauchen keine Zeit! Wir wollen eben einfach nicht allein sein. Wir wollen keine Angst haben brauchen.
Meist enden diese Beziehungen oder Affären so schnell wie sie anfingen.
Der lehrende Effekt bleibt allerdings meist aus.

Sofort geht es weiter auf die Suche, das Rennen beginnt. Wir brauchen einen Partner! Sofort und auf der Stelle!
Jede Party, jede Cafeteria, jede Bushaltestelle und sämtliche Singlebörsen des Internets stellen Plätze dar an denen wir unseren potenziellen Traumpartner finden werden! Ganz sicher! Und wenn nicht, ist auch nicht schlimm, denn je mehr die Zeit verstreicht, desto mehr sinken die Anforderungen. Umso höher sind die Chancen den Traumpartner zu finden.
Sie lungern förmlich überall. Sie warten darauf, von uns, ihren potenziellen Traumpartnern, gefunden zu werden!

Aber warum finden wir sie dann nicht?
Wir suchen doch wirklich schon lange und vor allen auch überall. Und die Anforderungen sind außerdem auch nicht mehr hoch.
Warum scheitert jeder Versuch?
Wir geben uns doch wirklich Mühe, den Anderen davon zu überzeugen dass man zu zweit eben einfach weniger alleine ist!

Und wie sooft, liegt der Fehler ganz nah. Und zwar bei uns selbst. Bei uns, unserer Einstellung.

Hinterfragen wir doch einmal die Wurzel allen Übels: Wir wollen nicht allein sein.
Warum?
Was ist falsch daran allein zu sein? Wieso macht es uns Angst? Wir kamen schließlich auch allein zur Welt.
Wir müssen lernen alleine klar zu kommen, mit uns und unserem Leben.
Alleine auf der Couch gammeln. Alleine ins Bett gehen.
Alleine und doch zufrieden sein.

Wir sind alleine und das ist gut so!
Erst wenn wir dies aus voller Überzeugung sagen können, sind wir bereit für einen neuen Versuch. Eine neue Beziehung.
Erst dann hört das absolut notwendige, krampfhafte Suchen nach einem Partner auf, denn wir kommen ja auch alleine zurecht.
Die Ansprüche steigen wieder und auf einmal lungern die Traumpartner nicht mehr überall.
Und früher oder später, nun eilt ja auch nichts mehr, wird er da sein und vor einem stehen. Der Traumpartner, der nun doch nicht auf der Party, in der Cafeterie oder an der Bushaltestelle gewartet hat.
Der Traumpartner, der auf einmal einfach da war.
Und wir werden auf ihn zugehen und ihn willkommen heißen.
Wir werden uns alle Zeit der Welt lassen, um aus diesem Potential das Beste zu machen.
Ein Neuanfang.
Mit einem optimistischen Blick in die Zukunft, und der Hoffnung auf ein erneutes "Wir".

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8 Antworten

Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    wenn man sich an das "ich " wieder gewöhnt hat ist es schwer ein "wir" wieder zuzulassen

    11.07.2007, 21:37 von LAINELATELU
    • 0

      stimmt.

      29.10.2012, 01:19 von DieTascha
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    Schön, dass erkannt zu haben.
    Nur leider muss man(n) erst
    viele Male "auf die Fresse fallen"
    um zu diese Erkenntnis zu gelangen.
    Gut wenn man es überhaupt schafft und
    nicht von einer Vorstellung in die nächste
    rennt nur weil man Angst vor dem Abspann hat.

    06.05.2007, 23:45 von spreadyourwings
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    hach ja... danke für die aufmunterung... :)

    14.04.2007, 15:17 von Preussenprinz
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    wie wahr, wie wahr,.....
    befinde mich gerade in der zwanghaften jagdphase, jetzt muss ich nur noch kapieren, dass ich damit aufhören muss, um IHN zu finden..... ohoh, das wird schwer.
    aber meiner meinung nach hast du vollkommen recht! (jedenfalls sagt das meine vernunft)
    lg flexi

    10.04.2007, 16:57 von flexi
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  • 0

    Mir gefällt die Geschichte. So melancholisch und so wahr.
    Sehr schön.
    Viele Grüße und "Kopf hoch"!

    09.04.2007, 22:50 von die-da
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