dontbringtomorrow 30.11.-0001, 00:00 Uhr 11 26

Hintertüren

Mein Kopf beginnt wieder zu wummern, ich zähle lautlos die Sekunden, bis du nicht mehr da sein wirst.

Verschlafen und noch etwas benommen sehe ich dich lautlos aus meinem Zimmer schleichen, doch bevor du die Tür hinter dir zuziehst, drehst du auf dem Absatz um, lässt deine Lippen noch einmal über meine streichen. Mein Kopf beginnt wieder zu wummern, ich zähle lautlos die Sekunden, bis du nicht mehr da sein wirst.

Es ist der Morgen, der all die Unerschrockenheit aus unseren Körpern saugt. Du verschwindest durch die Hintertür und ich spüre den ziehenden Wind, und obwohl er anders als eine leichte, für die Jahreszeit eher typische Sommerbrise, das Haus mit eisiger Kälte füllt, mache ich keine Anstalt, die Tür zu schließen. Ich zittere im Halbschlaf noch ein paar Stunden vor mich hin. Die Gespräche der letzten Nacht haben mich noch müder und erschöpfter gemacht, als ich ohnehin schon war. Und auch, wenn mir das Ergebnis dieser nur allzu bewusst war, ist es nun real. Ausgesprochen wohnt es nicht mehr in meinem Kopf, es hat Gestalt angenommen und die Nacht zwischen uns verbracht. Ich bin es nicht. Ich bin es nicht ganz. Ich bin es nicht halb. Ich bin es nicht nicht.

Nach all den Nächten aus noch ein bisschen länger hoffen, geborgen, beschützt, ein Teil von dir sein, nach all den Wochen, in der du und ich ganz unbemerkt ein Wir geworden sind, denke ich zum ersten Mal wieder darüber nach, wer ich bin. Und wer ich auf keinen Fall sein möchte. Irgendwas hat sich mit deinen Worten in mir gedreht. Ich sitze zwischen den Resten der Mauer, die ich an den Tagen unserer Abwesenheit voneinander mühsam aufgebaut habe und die letztendlich doch mit jedem deiner Zeichen immer wieder eingestürzt ist. Ich bin keine zweite, dritte Wahl. Ich kann dich nicht stützen zwischen deinem Erwachsenwerden, deinem Nichtbereitsein und deiner Unentschlossenheit. Ich finde mich selbst wichtig.

Fröstelnd in meine Bettdecke gehüllt gehe ich zur Hintertür und schließe sie.


Tags: Erwachen werden, Durcheinander, Unsicherheit, Müdigkeit
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11 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Du schreibst sehr schön. Ich würde mich über mehr davon sehr freuen. :-)

    19.06.2015, 05:38 von manubaer
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  • 1

    Ich finde deinen Schreibstil toll :) 

    16.06.2015, 23:47 von wallflower_94
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  • 0

    Wunderbar. 

    16.06.2015, 12:36 von schabernakfrau
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  • 5

     Der steht in 2 Tagen wieder auf der Matte - wetten?

    13.06.2015, 14:34 von yuhi
    • 0

      Der's bestimmt nur Brötchen holen...

      13.06.2015, 16:31 von sailor
    • 0

      durch die  Hintertür!!!

      13.06.2015, 18:47 von yuhi
    • 1

      Warum nicht?
      Oder habe ich die 'Brötchen-Vordertür-Verordnung' verpasst...?

      13.06.2015, 19:18 von sailor
    • 0

      Darum gehts ja gar nicht. Sondern um die Frage wieviele "Hintertüren" die gemeine Wohnung aktuell so hat ;)
      (und jetzt komm mir bitte NICHT mit Metaphorik^^)

      13.06.2015, 20:33 von yuhi
    • 0

      Die Metaphorik hab ich mir schon GANZ BEWUSST geklemmt...
      ^^

      14.06.2015, 08:37 von sailor
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      »hihihi« passt doch immer...

      27.11.2015, 16:39 von sailor
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