77Records 18.05.2005, 20:47 Uhr 33 0

Hilfe, ich bin entsinglet!

Oder „wie werde ich ein Paar?“

Ach du liebes bisschen. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Man schreibt nichtsahnend einen Single-Artikel und eh man sich versieht ist man auf dem besten Wege vom Alleinsein in die Welt der Paare einzutreten. Ja genau, diese aneinanderklebenden Leute, die ihre Hände immer am Partner haben. Kann ich das noch? Bin ich kompatibel? Werde ich vielleicht unangenehm auffallen? Rutschen mir unbeabsichtigt Lästereien über Pärchen raus? Kann ich das Wort „wir“ ohne komischen Unterton von mir geben? Wenn nicht...für ihn werde ich’s lernen.

Händchenhalten. Da geht’s ja schon los. Ich kann das, ich bin ganz stark. Da ist nichts Ungewöhnliches dran, das machen viele Leute. Ich war so selbständig und jetzt ihm meine Hand anvertrauen? Er wird schon das Richtige damit anfangen. Mir Halt geben, mich Stützen, es ist schön sich geborgen zu fühlen und auch mal fallenlassen zu können. Außerdem trage ich keine wertvollen Ringe die er versetzen könnte.

Küssen in der Öffentlichkeit. „Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem Anderen zu.“ Ich bin kein Fan von öffentlichem Gelecke. Ich mag’s ja selber nicht mit ansehen, wenn den Pärchen dieser Welt noch der Speichel im Mundwinkel hängt oder ihre Zungen nen doppelten Rittberger hinlegen. Daher ist ein „normaler“ Kuss ok, alles andere überschreitet meine Grenzen des guten Geschmacks. Und nein, ich bin nicht prüde.

„Mein Freund“ sagen. Sehr gewöhnungsbedürftig aber man kann dem nicht aus dem Wege gehen. Schüchtern kommt es dann doch irgendwann über die Lippen. Ich bin froh, das mir noch niemand dabei einen Spiegel vor’s Gesicht gehalten hat. Ich weiß, das ich dabei aussehe wie ein bekifftes Honigkuchenpferd mit leicht rötlichem Teint und zur Seite geneigtem Kopf. Und nein, ich wiehere nicht.

Kosenamen. Schwierig. Man will ja nichts Abgedroschenes, nicht das was die anderen haben. Bloß nicht gleich am Anfang die Langeweile einkehren lassen. Also wird’s erfinderisch. Was mag er, was macht ihn aus, was erinnert mich an ihn, worauf kommt kein anderer? Oder doch bei Schatz bleiben? Einfach zu merken, leicht zu rufen, auch in betrunkenem Zustand.

Den Eltern vorstellen. Mir stehen jetzt schon die Schweißperlen auf der Stirn. Als ich mich geoutet habe war die Freude groß. „Ooohhooo, aahhhaaa!“ Hoffnungsvoller O-Ton meines Vaters. Er ist Polizist a.D. Entsprechend fallen die Fragen aus. Fragen die man eigentlich nicht mag, weil man weiter auf der rosaroten Wolke schweben will und sich noch nicht damit befassen möchte was in 5 Jahren der Fall ist. Vielleicht sollte ich „meinen Freund“ vorher noch mal fragen ob er vorbestraft ist......
Wie sind seine Eltern? Was zieh’ ich an, wie seh’ ich aus? Rüschenbluse und Faltenrock? Ich mag zwar schlagfertig sein, aber manchmal mutiere ich zum vierjährigen Kleinkind. Keine Angst, ich kann schon alleine Essen.

Romantik. Hier muss ich noch passen. Gleichzusetzen mit dem Wort „Bäh“. Ich bin nicht romantik-affin. Bitte nicht mit Rosen, Kerzenschein und Schmonzettenmusik belästigen. Da sträubt sich bei mir jedes einzelne Haar und alles was geht, bin ich.

Den Freunden vorstellen. Wir haben fast alle durch. Genehmigt. Ohne auffällige Vorkommnisse. Mir wurde sogar gut zugeredet als kleine Unsicherheiten am Anfang aufkamen. Danke an dieser Stelle an die Frau mit den hoffentlich bald wieder blonden Haaren und dem Sternzeichen Zwilling ;)

Die „drei Worte“. Ach ja, da war ja noch was. Gibt es dafür einen richtigen Zeitpunkt? Nein, aber ein richtiges Gefühl das noch wächst und wenn es stark genug ist, wird er sie hören. Momentan befinden sie sich noch unter Verschluss, aber 5 der 7 Siegel hat er ja schon durchbrochen.

FAZIT: Ich verlasse meine Single-Welt mit einem lachenden und einem weinenden Auge, aber es ist Zeit für einen Wäschewechsel. Von Omma-Unterhose zu Spitze. Verdammt und das wo ich doch beinahe „Spezialist“ in der Rubrik Single-Leben geworden wäre."Wichtige Links zu diesem Text"
Der Verursacher schreibt dazu Folgendes

33 Antworten

Kommentare

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    cooler Text!Besonders der drei Worte Part un d der mit den Kosenamen!

    15.08.2005, 12:20 von nikola
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    und ich bin offenbar wieder mit der letzte der den artikel bemerkt. uiuiui, da muss sich was tun.
    jedenfalls habt ihr meinen Segen. Kannst schon ne sichere zusage machen? Bin ja gerade am überlegen was ich eigentlich mit meinem Leben anfangen soll. Und da man sich ja am Arbeitsmarkt orientieren soll werd ich Pfarrer, falls ihr euch als erste Kunden verpflichtet... = ))))))

    23.06.2005, 22:13 von buzz
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    Also erstmal wieder Glückwunsch zu der Schreibe! Du solltest Deine gesammelten Werke mal als Buch rausbringen !!!

    Und auch Glückwunsch zu entsingelt sein !!!
    Man, wie gern würd ich auch all die Dinge machen udnn sich dabei etwas komisch fühlen, die DU beschreibst.

    Vielleicht sollte ich auch einen Single-Artikel hier schreiben, anstatt mit Frauen zu flirten, die einen erst (wenn vielleicht auch unbeabsichtigt) Hoffnung machen und dann sagen: Stop, ich hab nen Freund!

    18.06.2005, 00:02 von Robbie
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    Schöner Text! Und was ist mit hemmungslosen Sex, während es blitzt und donnnert und der Regen stakatoartig gegen das Fenster trommelt ?

    05.06.2005, 15:37 von ulf
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    Na denn viel Glück dabei... und das mit der Romantik kriegste vielleicht auch noch hin... ich glaub, das hat was mit "annehmen können" zu tun...

    05.06.2005, 11:42 von Arion
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    >>„Mein[e] Freund[in]“ sagen<<
    das war für mich das Schwierigste.
    Zum Einen klang "meine" so besitzergreifend, zum andern "Freundin" so schubladisierend.
    Ich bin beim Vornamen geblieben - und meine Eltern haben mir trotz mehrfachem "ich war bei Gertraud" hinterher vorgeworfen, ich hätte nichts gesagt, eine Freundin zu haben ...

    02.06.2005, 14:36 von fritzfranz24
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      @[Benutzer gelöscht] Hmm, meine Antwort ist weg :( Also noch mal. Da siehst du mal, allein der Gedanke an das Szenario macht mich so fertig, das ich stotter und das Posten verlerne.

      02.06.2005, 14:05 von Existenzialist
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      @[Benutzer gelöscht] Nur um hier Missverständnissen vorzubeugen. Ich war nicht 5 jahre in die gleiche Person verliebt. Es gab immer wieder Phasen und Kandidatinnen.

      5 Jahre der gleichen Person hinterherschmachten. So kaputt bin nicht mal ich ;)

      Aber immerhin gab es da eine gewisse Konstante die das alles so schön kalkulierbar machte.

      Kennenkennenlernen -> sich toll finden -> sich verlieben -> sich emotional zum Trottel machen -> liebe gestehen damit man wieder normal funktioniert -> dämliche Ausrede hören -> leiden -> repeat

      02.06.2005, 11:20 von Existenzialist
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      @[Benutzer gelöscht] Na da beantworte ich dir doch mal deine Frage :)

      Zur Zeit, also die lockeren letzten 5 Jahre. Empfinde ich die Phase des Verliebtens, und herantastens als eine Furchtbare Zeit.

      Man weiß nicht was Phase ist. Man verhält sich wie ein Idiot. Die Gedanken kreisen um eine Person die erst ein Bruchteil meines Lebens für mich existent ist. usw.

      01.06.2005, 10:10 von Existenzialist
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