minulay 17.03.2013, 18:34 Uhr 1 4

Hidden Track

Ich kann es nicht lassen: Eine Musikmetapher.

Warum eigentlich ein Hidden Track? Wo ist da der Sinn dahinter? Die Platte läuft, das letzte Lied ist rum, Ewigkeiten Stille und dann: BAM. Is’ nich’ wahr! – Da kommt noch n Stück.

 

Warum?

Ist das für die besonders hingebungsvollen Fans, die ihr Durchhaltevermögen zeigen indem sie angespannt der Stille lauschen bevor sie noch das letzte bisschen künstlerische Ejakulation aus der Platte aufsaugen können?

Oder ist es mehr so ein Spaßfaktor, quasi ein Fun-Fact; du vergisst, dass du überhaupt jemals Musik gehört hast, bist grad voll beschäftigt mit deinem wichtigen, sinngebenden Lebensscheiß  und wie aus dem Nichts, plötzlich, kommt da irgendwoher irgendwas und du bist total verwirrt – bis es dir aufgeht: aaah. N Hidden Track. Und die Künstler kichern hinter vorgehaltener Hand (hihihi, da haben wir uns aber einen Mordsspaß erlaubt).

 

Ein Hidden Track: War schon die ganze Zeit da, hat man aber nicht gewusst, nicht gesehen, nicht gehört. Und dann auf einmal beschallt er deine Ohren. Scheiß Formationsarbeit wenn man den dann digital vom „letzten“ Lied abkapseln will, aber natürlich geil, dass man ein Lied mehr gekauft hat als gedacht.

 

So ganz verstanden hab ich’s nie.

 

Und jetzt kommst du daher. Mein Hidden Track. Schaust mir Jahre lang zu, wie ich mich mit den ganzen Spasten rumärgere, beobachtest mich und ich – MANN, ICH! – ich hab’s echt nicht gecheckt. Und nachdem der Letzte jetzt rum ist dachte ich wirklich, die Platte ist fertig. Keine Männer mehr, kein einziges beschissenes Liebeslied mehr. Ich erzähl dir das so, dann kurz Stille, ein, zwei Minuten oder Monate, und auf einmal: Du. Anders als sonst. Du: Der Hidden Track.

 

Hätt man das nicht auf das Cover schreiben können? Dann wär ich jetzt nicht so überrascht, verdammt.

 

Jetzt jedenfalls: Ich liebe Hidden Tracks. Du bist das verdammt beste Lied der Platte. Unerwartet und umso geiler. Hättest dich aber nicht verstecken müssen, vielleicht hätt ich dann gleich vorgespult. Aber du hasst das Offensichtliche, das Plakative. Du brauchst ein gewisses Understatement, das Überraschungsmoment auf deiner Seite.

 

Jetzt ist mein Plattenspieler auf dir hängen geblieben. Aber ich hab sowieso nicht vorgehabt jemals wieder was anderes aufzulegen. Also scratch ruhig durch mein Leben.

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1 Antworten

Kommentare

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    Der Text ist so lockerleicht geschrieben und liest sich ebenso lockerleicht runter! Ganz großes WOW für deine Wortwahl und die Metapher an sich! :)

    18.03.2013, 22:55 von Shesonlyhappyinthesun
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