Miss_Maybe 22.06.2017, 23:35 Uhr 0 1

Herzwärts

Siehst du wie du mich verletzt hast, mit jedem Stich den du mir versetzt hast?

Dein Schweigen dröhnt in meinen Ohren, wie das Summen einer Stechmücke bei Nacht.

Es hält mich wach, wühlt mich auf und bringt mich Stich für Stich, oder Stille um Stille um meinen Schlaf.

Oberflächlich betrachtet sind die Wunden geheilt. Narben haben sich gebildet und jede einzelne erzählt eine mehr, oder weniger schmerzhafte Geschichte.
Unter meiner Haut flammt die erloschene Glut wieder auf. Sie glüht und lodert und lässt sich nicht wie gewohnt im Rausch der Nacht ersticken.
Die Rauchschwaden nehmen mir die Sicht und schnüren meine Kehle zu.
Alles was vorher klar war, kommt mir so vor als ob ich mit dir im Wahn war.
Sie benebeln mein Hirn, wandern herzwärts und schalten sämtliche Logik außer Kraft.

In mir tobt ein Sturm der sich gegen den Verstand verheißt und mit Wut alle Grenzmauern einreißt.
Das Schweigen bricht an der Gewissheit, öffnet Fenster und Türen, die ich seit Monaten gut veriegelt geglaubt habe. 

Ich betrete leer gefegte Räume, deren Wände mit unseren Geschichten tapeziert sind.
Auf dem Boden steht in Kreide geschrieben:

        "Zusammen sind wir leicht!" 

Wie damals, als du aus deinem Fenster sahst.
Abermals fahre ich in Gedanken an "unserer" Bushaltestelle vorbei, sehe uns darin sitzen, wie wir uns im Lichtkegel der Laterne unsere jeweiligen Lebensgeschichten erzählen.

Du warst mir von Anfang an vertraut. Doch nun ist es an der Zeit diese Erinnerungen sorgfältig in die Akte "In Bearbeitung" einzusortieren und meine Gedanken in schriftliche Form an dich zu richten. 

An dich:

Liebe J. ,

das ist (m)ein nicht abgesandtes Gedankengut an dich...
In der Hoffnung, dass du es nicht zu Augen und Ohren bekommen wirst. 

In der Hoffnung, dass du glücklich mit dir und deinem jetzigen Leben bist.
Ganz ohne Selbstzweifel. Genau wie ich es damals war, als alles mit uns begann.

"Du und deine Selbstzweifel!"
 
Sie sind der Zündstoff aus dem die besten Dramen geschrieben werden.
Wie ein Parasit haben sie sich durch meinen Körper gewunden, sodass am Ende sogar die stärkste Medizin, namens "Hoffnung" resistent dagegen blieb.

In der Hoffnung, dass auch du irgendwann an der (Nicht)Entscheidung eines anderen verzweifelst.
Ordentlich Karma-Punkte hast du schon gesammelt. Nicht nur bei mir, sondern auch bei allen anderen "ich finde dich interessant und erfrischend" - Menschen vor mir, denen du das blaue vom Himmel versprochen hast, aus Angst davor alleine zu sein.

Bedenke, alleine sein ist nicht das Synonym für einsam sein. Genau wie Stille auch nicht lautlos ist.
Unsere Stille wiegt mich täglich in Gewissheit, in meine Antworten hinein zu leben.

In der Hoffnung, dass ich endlich meinen Frieden mit dir schließe und lerne dich loszulassen.
Dich loszulassen, bedeutet mich wieder zu finden.
Denn erst wenn diese Geschichte abgeschlossen ist kann ich ein neues Kapitel im Roman meines Lebens schreiben. 

~(Hoff)-endlich~


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