Herzensmonument
Der letzte Blick in die Augen, ein letztes mal Umarmen, man wünschte sich noch alles gute und dann war es aus...
Wenn ich Abends aus der Ferne das Rauschen des Zuges höre muss ich unweigerlich an dich denken, es ist so absonderlich aber das Rattern der schweren eisernen Wagons hat sich in mein Gedächtnis gebrannt wie der Geschmack von Vanilleeis. Es war Abends nach dem täglichen Frust Training, als ich total verschwitzt zu meinem Auto trottete und beim herannahenden Zug innehielt. Es war kein leichter Nieselregen der dort auf mich niederprasselte, nein es war eine Flut schmerzhafter Trauer. Ich wusste das der Zug in deine Richtung fuhr, ich saß so oft in einem der vermodernden Abteile, saß so oft frierend und wartend am Bahnhof der sich nicht weit entfernt von meinem Parkplatz befand das ich mir bildlich vorstellen konnte einfach in eben diesen Zug einzusteigen und zu dir zu fahren. Einfach die letzten Wochen vergessen, vergessen wieso ich hier verschwitzt unter dem Sternenhimmel stehe und den Tränen so nahe bin das ich mich auf den kalten Boden setzen muss. Er gibt mir halt, zeigt mir wie klein die Welt ist in der unsere Herzen schlagen und wie groß sie sein kann. Der Zug wird langsamer und bleibt stehen, Hoffnung keimt in mir auf, ich könnte schnell hinüber rennen, ich würde es sicherlich noch schaffen, wenn ich um mein Leben rennen würde, du warst mein Leben. Der Pfiff des Schaffners schneidet wie Klingen durch den Wind und erstickt mich förmlich. Die Luft wird aus meinen Lungen gepresst, ich fühle mich Ohnmächtig, Machtlos gegen diese Schmerzen anzukommen und ich weiß einfach keinen Rat der mein Herz dazu bewegen könnte dich zu vergessen. So oft habe ich anderen zugehört, ihnen gut zugeredet und versucht mit ihnen diese Gefühle zu teilen, das ich jetzt weiß wie heuchlerisch selbst ehrliches Interesse am Wohl anderer Menschen sein kann.
Seit diesem Abend ist nun weit über ein Jahr verstrichen, ich schaue die letzten Fotos die den Sturm meiner damaligen Wut überstanden haben immer wieder an, immer wieder mit den selben braun-grünen Augen die dich so sehr verschlangen. Früher einmal hatte ich das Gefühl das die Bilder mit mir reden würden, mir in den farbenprächtigsten Schilderung ihre Geschichten erzählten, doch heute hängt ein blasser, fast milchig grauer Schleier über ihnen. Ich zählte die Tage und vergaß sie, ich zwang mich jede Nacht die Erinnerungen in meinen Träumen fortleben zu lassen, doch auch dies vermochte ich nicht all zulange. Es zerriss mich an dich zu denken und zugleich fiel ich in die endlose Schwärze wenn ich es nicht tat. Heute sitze ich nicht mehr in dunklen Zimmern und höre mir die vertrautesten Musiktitel an, heute denke ich nur noch in Momenten der Stille an dich, Momente die ich gerne mit dir erlebt hätte und es nie durfte. Es ist soviel geschehen, vieles ist passiert und das einzige was ich mich frage ist „wärst du stolz mich wieder haben zu können?“
Wenn ich Abends im Bett liege und die Einsamkeit droht mich zu überwältigen schließe ich die Augen und versuche mir dein Gesicht in Erinnerung zu rufen, das Spiegelbild dessen was mein tiefstes innerstes begehrt. Wenn ich Träume, dann träume ich von uns, von einem unwirklichen uns, von einem uns das wieder zu einander gefunden hat. Doch die Wirklichkeit ist, das es ein „Wir“ nicht mehr geben wird. Niemals. Unsere Wege sind getrennt, unser Band vor langer Zeit durchtrennt worden. Die Reste meiner Hälfte wehen zerschlissen im Sturm der mein Herz heimsucht. Und irgendwann wird es dem Kampf gegen den Sturm unterliegen, doch noch klammert sich etwas in mir an die wage Hoffnung eines Wunders. Unaufhörlich beginnt die kleinste Flamme in mir nach ihrem verlöschen wieder von neuem aufzuglühen, egal was auch geschieht sie will nicht in Vergessenheit geraten, sie brennt unaufhörlich ein Monument in mein Herz. Ein Monument von dir.
Keine Frau vermochte gegen dich zu bestehen, ein Gedanke an dein Lächeln und ihre Gesichter verblassten wie der Morgentau im Schein der Sonne. Ich schaffe es einfach nicht loszulassen, das Monument niederzureißen und unsere Erinnerungen zu Grabe zu tragen. Stattdessen lasse ich die Frauen gegen eine Mauer aus Desinteresse und Gleichgültigkeit branden, ich sehe sie einfach nicht als Frauen an mit denen ich mein Leben verbringen könnte. Sie engen mich ein, rauben mir die Luft zum atmen und füllen nicht die leere die du in mir hinterlassen hast. Es tut mir leid für sie, jede Träne die fließt ist eine zu viel. Verzeiht mir.
Es war der Abschied der mir das Herz zerbrach, es war der Moment an dem mein Herz ein Scherben Meer gebar. An einem Sonntag morgen, wie nach Termin klingelte das Handy. Deine Stimme erklang zaghaft und doch hörte ich sie in all ihrer Klarheit:
„Ich mache Schluss.“
Ich lag auf, gab auf, bereute es und vergrub mein Gesicht. Es war ein Aufstehen ohne Wach zu werden, Ein Morgen ohne Ende. Eine Endlosschleife innerer Leere.
Der letzte Blick in die Augen, ein letztes mal Umarmen, man wünschte sich noch alles gute und dann war es aus.
Du warst so wunderbar zu mir, ich danke dir. Doch nun muss es enden, es schmerzt zu sehr. Jeder Tag der mit deinem Lächeln beginnt ist ein Tag an dem ich weiß das unsere Herzen nie wieder einander berühren werden. Dies soll mein Abschied an dich sein, es ist der Versuch meine Hoffnung mit Verstand und Wort zu Grabe zu Tragen. Es ist der Versuch die Narben der Zeit hinter sich zu lassen.
Schatz ich liebe dich, doch jetzt beende Ichs.



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30.12.2010, 02:33 von diri